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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Glamour und Avantgarde: Modefotograf F.C. Gundlach PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 19. November 2009 um 18:15 Uhr

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Von Elke Vogel, dpa

 

Berlin (dpa/bb) - Romy Schneider fand sich in seinen Fotos wieder. Ohne Make-up und Assistent kam die damals 23-Jährige zum Treffen mit dem Fotografen F.C. Gundlach. «Einen ganzen Tag lang haben wir Fotos gemacht», erinnert er sich im dpa-Interview in Berlin. Sie habe die Abzüge, die die Schauspielerin ganz ohne «Sissi»-Niedlichkeit zeigen, dann dutzendfach bestellt. «Ihr ganzes Schicksal ist schon in diesen Bildern drin», sagt der heute 83-jährige Gundlach.   

 

Auch Horst Buchholz, Maria Schell, Sonja Ziemann und Curd Jürgens holte Gundlach in den 50er und 60er Jahren vor die Kamera - auf den glamourösen Filmbällen in München und Berlin zeigte er sie, aber auch jenseits von Promi-Rummel und großen Roben. Gundlachs Star-Porträts sind nur ein Teil seiner bislang größten Werkschau, die von Freitag (20.11.) an unter dem Titel «F.C. Gundlach. Das fotografische Werk» im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist.   

 

Mehr als 350 Arbeiten stellt Gundlach aus, darunter viele zum ersten Mal. Die Werke dokumentieren bis zum 14. März 2010 die Arbeit des bedeutendsten Modefotografen der frühen Bundesrepublik. Gundlach fotografierte von Mitte der 50er Jahre bis 1990 für die großen deutschen Illustrierten und Modejournale.   

 

«Für mich war immer das wichtigste, dass ein Modefoto auch eine modische Information transportiert», meint Gundlach und unterscheidet seine Werke damit von den oft «übersexten» und «überinszenierten» Bildern seiner Nachfolger, wie er sagt. «Mir war auch immer wichtig, Impulse aus der Kunst in den Bildern aufzugreifen.» Gundlachs stilistisch reduzierte, avantgardistisch klar komponierte Fotos wurden so selbst zu Kunstwerken.   

 

Gundlach stellte seine Mannequins vor die Berliner Siegessäule, die im Krieg schwer zerstörte Gedächtniskirche oder die Pyramiden von Gizeh - und immer griff der Fotograf dabei die Linien und Formen der Architektur auf, die sich in der präsentierten Mode und den Posen der Models spiegelt. Für die von der Pop Art inspirierten Kostüme und Kleider baute er später ganze von der Kunst inspirierte Kulissen. Paris, New York, Ägypten und Marokko waren Schauplätze seiner Produktionen.   

 

Erstmals so umfangreich wird Gundlachs Arbeit für die Zeitschriften «Film und Frau» (1951­1966) und «Brigitte» (1963­1986) gezeigt. Eine ganze Wand zeigt «Brigitte»-Titel aus mehr als zwei Jahrzehnten. Doppelseiten aus den Illustrierten können mit den Original-Fotografien verglichen werden. Zu sehen sind auch Gundlachs Reise-Reportagen, die ab den 50er Jahren in Argentinien, Brasilien, Japan, Kambodscha und Thailand entstanden.   

 

Besonders wichtig aber sind Gundlach seine in Berlin entstandenen Arbeiten - denn mit ihrer historischen Bedeutung als internationale Mode-Metropole war die Stadt für ihn neben Paris der wichtigste Arbeitsort und diente als Motiv und Inspiration. Heute sieht der Fotograf Berlin wieder als Stadt mit großer modischer Perspektive.   

 

«Es ist nicht nur die Mode, es ist auch die Stadt selbst. Auch Städte haben zu bestimmten Zeiten Konjunktur. Es war erst Paris, dann wurde es London, dann New York - und jetzt ist Berlin dran.» Bei seiner eigenen Kleidung legt der Meister der Modefotografie übrigens vor allem auf eines Wert: «Sie muss bequem sein und sofort passen.»

 

 

F.C. Gundlach: Modisch ist jetzt Berlin dran

 

 

Berlin (dpa) - Die bislang größte Schau mit Werken von F.C. Gundlach ist von Freitag (20.11.) an im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Mehr als 350 Werke dokumentieren bis zum 14. März 2010 die Arbeit des bedeutendsten Modefotografen der frühen Bundesrepublik. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa erzählt der 83-Jährige von seiner Begegnung mit Romy Schneider und davon, was ein gutes Modefoto ausmacht. 

 

Sie haben unzählige Stars fotografiert, waren bei den großen Filmbällen der 50er Jahre in München und dennoch nie ein Paparazzo. Wie denken Sie über die heutigen Fotografen, die den Stars ja oft bedrohlich nahe auf die Pelle rücken?» 

 

Gundlach: «Ich hatte eine andere Position. Der große Filmball war das Event des Jahres. Da war ich als Gast geladen und nicht als Fotograf. Man ist auf einem anderen Niveau miteinander umgegangen, auf einer persönlicheren Ebene. Ein ganz besonderes Beispiel dafür ist Romy Schneider. Ich habe die großen Bilderserien von ihr gemacht, als sie ihre "Sissi"-Filme beendet hatte, zu neuen Ufern aufbrechen wollte und scheiterte. Sie war zutiefst betroffen, dass der Versuch gescheitert war, ihrem "Sissi"-Image zu entkommen. In diesem Moment trafen wir uns. Einen ganzen Tag lang haben wir Fotos gemacht. Sie war in Hamburg und rief mich an. Ich habe sie dann abgeholt. Sie hatte kein Make-up und niemanden dabei. Wir waren nur zu dritt: sie, mein Assistent und ich. Die Intimität der Situation hat sie dazu bewogen, sich zu öffnen. Sie hat die Fotos später dann dutzendfach bestellt, weil sie sich darin wiederfand. Da war sie 23. Ihr ganzes Schicksal ist schon in diesen Bildern drin.» 

 

Wenn Sie ihren Stil selbst beschreiben müssten: Worin unterscheiden Sie Ihre Werke von den heutigen Hochglanzbildern, die oft mit überladenem Glamour arbeiten, aber auch mit nachlässiger Natürlichkeit? 

 

Gundlach: «Für mich war immer das wichtigste, dass ein Modefoto auch eine modische Information transportiert. Ich wollte immer so viel Innovation zeigen wie möglich, aber auch nicht den Draht zu den Lesern verlieren. Das ist ein ganz schmaler Grat. Mir war auch immer wichtig, Impulse aus der Kunst in den Bildern aufzugreifen. Mir ging es darum, mit dem Bild eine ganze Geschichte zu erzählen.» 

 

Was bedeutet Mode für Sie? 

 

Gundlach: «Mode hat etwas mit Identifikation zu tun. Mode ist eine Botschaft. Wir sind alle viel mehr in die Mode involviert wie wir vielleicht zugeben wollen. Eigentlich trifft jeder am Morgen die Entscheidung, was ziehe ich an. Man gibt ein Signal, wie man gesehen werden will. Man kann mit Mode Individualität ausstrahlen. Man kann aber auch in der Mode verschwinden.» 

 

Wenn Sie heutige Modemagazine durchblättern, was fällt Ihnen auf? 

 

Gundlach: «Die 90er Jahre waren völlig übersext und überinszeniert. Da spielte die Mode überhaupt keine Rolle mehr. Im Moment verfolge ich das alles nicht so sehr. Aber es gibt sehr viele Independent- Blätter.» 

 

Sie prägten mehr als zwei Jahrzehnte die Modestrecken der Zeitschrift «Brigitte». Im Kampf gegen Magermodels und verordnete Schönheitsideale arbeitet die «Brigitte» vom kommenden Jahr an nicht mehr mit professionellen Models, sondern mit ganz «normalen» Frauen. Kann das gutgehen? 

 

Gundlach: «Das kann man machen. Aber dann muss man sehr viel Zeit aufwenden für ein sorgfältiges Casting.» 

 

Bevor es professionelle Models gab, haben Sie früher mit den Mannequins der Modesalons zusammengearbeitet... 

 

Gundlach: «Der Beruf des Mannequins und der des Models sind ganz verschieden. Ein Model ist dann gut, wenn die Frau sie selbst ist, wenn sie der Typ des Moments ist. Es gab ja nur ganz wenige ganz große Models. In den 90er Jahren gab es die Zeit der Supermodels, der glamourösen Figuren. Das lag auch daran, dass es zu der Zeit keine Filmstars gab. Aber es gab nie mehr als 10 Topmodels in der Welt. Dazu gehörte zum Beispiel Wilhelmina. Sie war die einzige Frau, die jemals 25 Titel bei der amerikanischen "Vogue" hatte.» 

 

Was war Ihnen bei der Fotoauswahl für die Ausstellung besonders wichtig? 

 

Gundlach: «Die Berliner Zeit liegt mir besonders am Herzen. Ein ganzer Saal ist nur der Berliner Konfektionszeit gewidmet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Berliner Mode sehr schnell wieder erholt. Man zog vom Hausvogteiplatz zum Kurfürstendamm. Das brach dann mit dem Mauerbau alles zusammen. Die 50er Jahre werden heute als spießig und restriktiv gesehen. Das ist völliger Unsinn. Das war eine Aufbruchszeit.» 

 

Berlin will wieder Modehauptstadt sein - unter anderem mit der Fashion Week und der Messe Bread & Butter. Wie sehen Sie die Bemühungen Berlins? 

 

Gundlach: «Sehr positiv! Berlin ist wieder Metropole. Es ist nicht nur die Mode, es ist auch die Stadt selbst. Auch Städte haben zu bestimmten Zeiten Konjunktur. Es war erst Paris, dann wurde es London, dann New York - und jetzt ist Berlin dran.» 

 

Aber ist der Berliner nicht schrecklich nachlässig gekleidet und wenig elegant? 

 

Gundlach: «Das kann nur der Humus sein für wunderbare Dinge. Der Mix ist es. Von allen Ecken strömen die Menschen in die Stadt. Das macht die Atmosphäre aus, und das gibt der Mode hier wieder eine Chance. Das Potenzial ist da, dass Berlin wieder eine Modestadt wird.» 

 

Auf was legen Sie bei Ihrer eigenen Kleidung wert? 

 

Gundlach: «Sie muss bequem sein und sofort passen.» 

 

Und mit welcher Kamera fotografieren Sie heute? 

 

Gundlach: «Heute knipse ich nur noch. Ich mache keine Bilder mehr.» 

 

Interview: Elke Vogel, dpa

 



Tags: mode  
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