| Die Entdeckung der Langsamkeit in der Kunst |
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| Donnerstag, 19. November 2009 um 18:28 Uhr | ||
Von Dorothea Hülsmeier, dpa
Leverkusen (dpa/lnw) - Ob Speed-Dating oder Fast Food - Hektik und Beschleunigung prägen alle Lebensbereiche. Wer sein Leben nicht dem modernen Fortschrittstempo unterwerfen will, setzt dagegen etwa auf die Entschleunigung beim Essen (Slow Food) oder auf meditative Freizeitbeschäftigungen - Angeln ist derzeit ebenso in wie Gärtnern.
Der Trend zur Beschleunigung ist auch in der Kunst zu finden. Der überhitzte Kunstmarkt vor der globalen Finanzkrise dürstete nach immer neuen Werken - oft war die Leinwand noch feucht, wenn die Bilder schon auf den angesagtesten Messen zum Verkauf präsentiert wurden. Was aber passiert, wenn Maler bewusst entschleunigen und langsam malen? Das Konzept der Langsamkeit in der Kunst beleuchtet eine ungewöhnliche Ausstellung im Museum Morsbroich in Leverkusen.
Von Sonntag bis zum 7. Februar werden in der Schau «Slow Paintings» (Langsame Malereien) mehr als 60 Werke von 32 Künstlern aus den vergangenen 50 Jahren gezeigt. Manchmal wurden die Werke über Jahrzehnte hergestellt, oder sie reflektieren den Begriff der Zeit und damit die ewige Frage nach der Endlichkeit auf besondere Weise.
So malt die Künstlerin Gillian Carnegie seit 1999 immer wieder dasselbe Motiv eines verblühenden Blumenstraußes - mal in Schwarz, mal in Gelb. Der kubanische Künstler Raúl Cordero malte immer wieder dasselbe Motiv von genussvoll schlemmenden nackten Frauen und notierte auf den Bildern den Zeit- und Kalorienverbrauch. Beides wurde übrigens immer geringer.
Die Dauer des künstlerischen Arbeitsprozesses wird bei Jonathan Monk ins Absurde geführt. Von einem Foto, das den Maler Martin Kippenberger Anfang der 1980er Jahre vor der Berliner Mauer zeigt, bestellte er gemalte Kopien im Großformat bei sieben chinesischen Künstlern. Der Kopierakt dauerte vielleicht einen halben Tag, das Verpacken und Verschicken nach Europa dauerte Wochen. Im übrigen gab auch Kippenberger bei Berliner Plakatmalern Werke in Auftrag, die heute für Millionen-Beträge als «Kippenberger» gehandelt werden.
Der Japaner On Kawara wiederum malt seit 1966 fast jeden Tag - wenn er die Zeit dazu hat - ein blaugrundiges Bild mit dem jeweiligen Datum. Verschickt werden seine Werke immer mit einem beiliegenden Zeitungsartikel des Tages.
Doch geht es den Ausstellungsmachern nicht allein darum, die Entschleunigung des künstlerischen Prozesses darzustellen. Es geht auch um die Zeit, die ein Besucher sich für ein Bild nimmt - nach wissenschaftlichen Studien durchschnittlich 4 Sekunden, sagt Museumsdirektor Markus Heinzelmann. Ein Schnelldurchlauf durch die Leverkusener Ausstellung verbietet sich fast von selbst. Denn es braucht seine Zeit, um das schwarze Kreuz auf schwarzem Grund von Ad Reinhardt zu erkennen. Mehr als 100 hauchdünne Lasurschichten trug Reinhardt 1961 in hohem Zeitaufwand übereinander auf, um diesen Effekt zu erzeugen.
«Schon der Herstellungsprozess ist ein meditativer Akt», so Heinzelmann. So arbeitet der Pole Roman Opalka seit 1965 fortlaufend an einem Projekt: Zahlenfolgen von eins bis in die Hunderttausende malt er auf die Leinwand, immer heller werden seine Bilder.
Auch wenn schnelles Malen heutzutage eher als verwerflich gilt - einige Künstler kamen bei der Fertigstellung ihrer aktuellen Arbeiten für die Schau doch etwas unter Zeitdruck - und lieferten erst in der Nacht vor der ersten Präsentation ab.
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