| Schlossmuseum Gotha eröffnet Kabinett-Ausstellung mit einmaligen Werken von Paul Klee |
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| Donnerstag, 19. November 2009 um 18:35 Uhr | ||
Schlossmuseum Gotha Klee-Blätter – Späte Köpfe von Paul Klee Sonderausstellung vom 22. November 2009 bis 3. Januar 2010 Schloss Friedenstein Gotha, Kabinett Kirchgalerie
Die Ausstellung Am kommenden Samstag, den 21. November, eröffnet das Schlossmuseum Gotha die Kabinettausstellung „Klee-Blätter – Späte Köpfe von Paul Klee“, die sich originellen Spätwerken des Künstlers widmet. Mit seinem unverwechselbaren Stil gilt der deutsch-schweizerische Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker Paul Klee als einer der Hauptvertreter der klassischen Moderne in Deutschland. Während er zunächst als Künstler und Lehrer am Bauhaus einen großen Erfolg verzeichnen konnte, änderte sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 Klees Situation dramatisch. Repressalien durch die Nationalsozialisten, seine Entlassung als Professor an der Düsseldorfer Akademie, Exil sowie das Auftreten einer unheilbaren Krankheit führten einen Bruch herbei, der auch Einfluss auf seine Kunst ausübte.
Die Ausstellung zeigt insgesamt 19 Zeichnungen von Paul Klee aus dem Jahre 1939. Es war das vorletzte Lebensjahr des Künstlers, das mit 1253 Werken zugleich sein produktivstes war. Seinen eigenen Tod vorausahnend schuf er effiziente und stilistisch reduzierte Arbeiten, die sich von seinen früheren Werken unterscheiden. Im Vordergrund der Blätter aus Schweizer Privatbesitz steht das menschliche Gesicht, dem Klee in einer schonungslosen, ironisch-sarkastischen, aber auch melancholischen Art begegnete.
Paul Klee und die späten Jahre Mit der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 nahm Klees Lebenslauf eine entscheidende Wendung. Im April wurde er von seiner Lehrtätigkeit an der Akademie in Düsseldorf beurlaubt; im Herbst erfolgte die endgültige Entlassung. Ende des Jahres verließen er und seine Frau Deutschland, wo es für ihn keine wirtschaftliche Perspektive mehr gab. Die nächsten Jahre in der Schweiz waren schwer: die schweizerische Staatsbürgerschaft wurde ihm verwehrt, eine Retrospektive seiner Werke in der Berner Kunsthalle blieb finanziell erfolglos und die Publikation des Kunsthistorikers Will Grohmann über seine Zeichnungen wurde in Deutschland beschlagnahmt. 1935 trat bei ihm eine Krankheit auf, die posthum als Sklerodermie diagnostiziert wurde, einer seltenen Bindegewebsverhärtung der Haut oder der Haut und inneren Organe. Die Krankheit brachte seine künstlerische Produktivität fast vollständig zum Erliegen; lediglich 25 Bilder zeichnete er 1936. Erst Anfang 1937 konnte Klee seine Arbeit wieder ganz aufnehmen. In demselben Jahr erfuhr er einen erneuten Schlag: in der Wanderausstellung „Entartete Kunst“ in München waren auch Werke von ihm vertreten, und 102 Bilder des Künstlers wurden aus öffentlichen Sammlungen entfernt.
Die letzten Lebensjahre Klees waren von den Folgen des erzwungenen Exils und seiner Krankheit bestimmt. Obwohl er Besuche von Pablo Picasso und Georges Braque erhielt, verbrachte er die meiste Zeit in Bern in künstlerischer Abgeschiedenheit. Sein Schaffen erreichte im Jahre 1939 dennoch einen Höhepunkt: 1253 Werke entstanden, darunter allein 962 Zeichnungen. Anfang 1940 eröffnete das Kunsthaus Zürich eine große Retrospektive seiner Spätwerke. Es sollte die letzte Ausstellung sein, die der Künstler selbst noch geplant hatte. Am 29. Juni 1940 starb Paul Klee mit 60 Jahren während eines Kuraufenthaltes in Locarno-Muralto.
Die Zeichnungen von 1939 In seinem vorletzten Lebensjahr, 1939, zeichnete Klee wie besessen alles, was ihm in den Sinn kam. Seine Zeichnungen hat er so schnell ausgeführt, dass er in kurzer Zeit mehrere Blätter und Serien produzieren konnte. Diese effiziente Arbeitsweise steht in unmittelbarem Zusammenhang mit seinem späten spontanen Duktus, der auf Grundformen wie Linien, Strichen, Kreisen und Kurven basiert. Klee schuf so mit schneller, lockerer Handführung eine impulsive Formensprache, die an sein Vorbild Pablo Picasso erinnert.
In seinen Zeichnungen von 1939 widmete sich Paul Klee vermehrt der Darstellung menschlicher Gesichter, die mehr physiognomischen Studien und Charakterköpfen nahe stehen und nicht als Porträts im traditionellen Sinne zu verstehen sind. Die dargestellten Personen sind nur selten zu identifizieren; eine naturgetreue Wiedergabe der Gesichtszüge strebte der Künstler nicht an. Damit setzte er sich bewusst gegenüber der Fotografie ab. Klee hatte vielmehr den Anspruch, Menschen psychologisch zu erfassen und ihr Innenleben der äußeren Fassade entgegenzusetzen. Er blieb so seinem Motto treu: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ Das Ergebnis sind abstrakte Köpfe, die durch ihre unvergleichliche Ausdruckskraft zutiefst berühren können.
Obwohl Klee wollte, dass die Betrachter seiner Kunst sich eigene Meinungen zu den Bildinhalten bildeten, gab er fast jeder Zeichnung als Anregung zur Interpretation einen Titel bei. Dieser beschreibt das Motiv nicht nur äußerlich, sondern bezieht sich auch auf Gesten, Situationen, Handlungen oder Empfindungen, was die subjektiven Identifikationsmöglichkeiten der Betrachter steigert. Zugleich kann der Titel Einblicke in Klees eigene innere Auseinandersetzungen und Gefühle während des Zeichnens wiederspiegeln.
Die Technik Den größten Teil seiner späten Zeichnungen führte Klee auf genormtem Papier im Format A4 aus, wobei er als Papiersorten vorwiegend Briefpapier mit Leinenprägung, Konzeptpapier sowie Japan-Simili-Papier verwendete. In Anlehnung an seinen linearen Duktus benutzte er zur Ausführung der Zeichnungen vor allem Bleistifte. Aber auch Federn und Tinte, Kreiden und Kleisterfarbe nutzte Klee als künstlerisches Mittel. Bis auf ein in Aquarell farbig gestaltetes Blatt sind alle präsentierten Werke einfarbig.
Mit Ausnahme eines Bildes hat Klee alle ausgestellten Blätter eigenhändig signiert, datiert und betitelt. Trotz seiner enormen Produktion des Jahres 1939 hat er zudem jede Zeichnung auf einen Karton montiert, beschriftet und unter der laufenden Schlüsselnummer, die auch auf der Zeichnung vermerkt ist, in seinen eigens geführten Oeuvrekatalog aufgenommen.
Eröffnung Die Ausstellung „Klee-Blätter – Späte Köpfe von Paul Klee“ wird am 21. November 2009, 14 Uhr, in der Ausstellungshalle (Bauhaus-Ausstellung) von Bernd Schäfer, Direktor des Schlossmuseums Gotha, eröffnet. Eine Einführung zur Ausstellung und zu den Werken Paul Klees wird Doreen Rollert, Kunsthistorikerin und Volontärin des Schlossmuseums, geben. Ein Rundgang durch die Ausstellung im Kabinett der Kirchgalerie schließt sich an.
Biografie Paul Klee (1879–1940)
1879 Paul Klee wird am 18. Dezember in Münchenbuchsee bei Bern geboren 1898–1901 Kunststudium an der privaten Zeichenschule von Heinrich Knirr und später an der Akademie bei Franz von Stuck in München 1902–1906 Aufenthalt in seinem Elternhaus in Bern, Tätigkeit als Musiker und Konzertkritiker 1906 Heirat der Pianistin Lily Stumpf und Umzug ins Münchner Künstlerviertel 1907 Geburt seines Sohnes Felix 1911-1915 Bekanntschaft mit August Macke, Franz Marc und Wassily Kandinsky, Teilnahme an der zweiten Ausstellung des „Blauen Reiters“ in München 1916–1919 Absolvierung des Militärdienstes, Aufenthalt in der Schweiz 1920 Berufung als Formmeister an das Staatliche Bauhaus in Weimar durch Walter Gropius 1921–1925 Umzug nach Weimar und Tätigkeit am Bauhaus, 1924 Gründung der Vereinigung „Die blauen Vier“ mit Kandinsky, Feininger und Jawlensky; 1924 werden in den USA, 1925 in Paris erste Klee-Ausstellungen eröffnet 1926–1931 Übersiedlung nach Dessau und fortführende Lehrtätigkeit am Bauhaus 1931–1933 Professur an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf 1933 fristlose Entlassung durch die Nationalsozialisten und Emigration nach Bern 1935 Auftreten einer Krankheit, die posthum als nicht heilbare Sklerodermie diagnostiziert wird; die künstlerische Produktion kommt fast zum Erliegen 1937 die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München zeigt auch konfiszierte Bilder von Klee, 102 Werke werden von den Nationalsozialisten aus öffentlichen deutschen Sammlungen beschlagnahmt, Besuch von Pablo Picasso 1939 Höhepunkt des künstlerischen Schaffens mit 1253 Arbeiten, Besuch von Georges Braque 1940 Paul Klee stirbt am 29. Juni mit 60 Jahren während eines Kuraufenthaltes in Locarno-Muralto |
























































