|
Den Schlusspunkt der Jubiläumsveranstaltungen anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Liebieghaus Skulpturensammlung bildet ein wissenschaftliches Kolloquium, das sich mit der unterschiedlichen Verortung von Bildwerken von der Antike bis zur Gegenwart beschäftigt. Vom Mittwoch, den 25. bis Freitag, den 27. November 2009 greifen 19 Wissenschaftler renommierter Institutionen das Thema auf und beleuchten es aus den verschiedensten Blickwinkeln. Bei dieser Auseinandersetzung mit Skulptur wird nicht nur die tatsächliche Platzierung eines Objektes etwa an Fassaden oder auf Plätzen und die damit zusammenhängende Funktion betrachtet, sondern ebenso die psychologische Verankerung von Skulptur in der Gesellschaft.
Das Kolloquium gliedert sich in vier Sektionen, die sich mit unterschiedlichen Gesichtspunkten der Verortung von Skulptur auseinandersetzen. Diskutiert werden die Sichtbarkeit von plastischen Bildwerken, ihre Abhängigkeit vom jeweiligen Aufstellungsort, die Frage nach Funktion und Funktionsverlust von Skulptur im öffentlichen Raum sowie das Spannungsverhältnis zwischen Architektur und Skulptur. Die Veranstaltung gibt einen umfassenden Einblick in die aktuellen Forschungsergebnisse und bietet den Besuchern detaillierte Informationen über dieses Forschungsgebiet.
Als Referenten konnten renommierte Wissenschaftler gewonnen werden, u. a. Prof. Dr. Christoph Frank von der Università della Svizzera italiana in Mendrisio, Prof. Dr. Christian Freigang vom Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Stefan Grohé von der Universität Köln, Dr. Friedrich Meschede vom Museu d’Art Contemporani de Barcelona oder Dr. Johannes Myssok von der Universität in Münster, Prof. Dr. Richard Neudecker vom Deutschen Archäologischen Institut in Rom und Prof. Dr. Andreas Scholl, Direktor der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.
Die Vorträge stehen allen interessierten Besuchern offen. Der Besuch des Kolloquiums ist im Museumseintritt von 8 Euro bzw. ermäßigt 6 Euro inkludiert.
Bildwerke – gleich ob älteren oder neueren Datums – kämpfen heute vielfach mit einem Akzeptanz- und Rezeptionsproblem. In der Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit war die Gattung gesellschaftlich hoch angesehen und funktional eng in den kulturellen Alltag eingebunden. Figuren bildeten einen festen Bestandteil des religiösen und herrschaftlichen Kultes, der Gestaltung profaner und sakraler Gebäude sowie privater und öffentlicher Räume, Plätze und Gärten. Im 19. Jahrhundert jedoch setzte ein Wertewandel ein. Divergierende Vorstellungen über Sinn und Ästhetik trafen aufeinander. Unvereinbare künstlerische Auffassungen, ideologische Forderungen und gesellschaftliches Verständnis führten schließlich zum Bedeutungsverlust der ehemals hoch angesehenen Gattung, eine Entwicklung, die im 20. Jahrhundert mit dem Bauhaus und der abstrakten Nachkriegskunst ihre Fortsetzung, im Wettstreit moderner Architektur und Skulptur sogar eine Forcierung gefunden zu haben scheint. Die daraus resultierenden weit verbreiteten Ressentiments gegenüber der plastischen Kunst sind heute stärker denn je zu spüren. Das betrifft keineswegs ausschließlich zeitgenössische Ausprägungen plastischen künstlerischen Schaffens. Es betrifft nicht minder die Sammlungsbereiche alter Bildhauerkunst in den Museen, wobei das aktuelle gesellschaftliche Interesse an antiken oder ägyptischen Skulpturen Hoffnung gibt, dass zukünftig auch spätere historische Zeugnisse der Bildhauerkunst – etwa aus dem Mittelalter, dem Barock oder der Aufklärung – erneut stärkere Resonanz finden mögen.
Ein Skulpturenmuseum wie das Liebieghaus muss Interesse daran haben, diese historische Entwicklung zu begreifen, ist es doch tagtäglich mit deren Auswirkungen konfrontiert. Daher spannen die Vorträge des Kolloquiums auch einen thematischen Bogen von der Antike über Mittelalter und Barock bis in die Gegenwart und beleuchten den örtlichen wie funktionalen Kontext von Bildwerken, aber auch deren psychologische Verortung und den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit der Gattung im Allgemeinen.
Das Kolloquium wird gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung
Medienpartner: VGF-Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main, Frankfurter Rundschau
Kulturpartner: hr2 kultur
Ort: Liebieghaus Skulpturensammlung, Schaumainkai 71, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Fr-So 10.00-18.00 Uhr, Mi und Do 10.00-21.00 Uhr, Montag geschlossen
Information: www.liebieghaus.de, info@liebieghaus.de, Telefon: +49(0)69-650049-0, Fax: +49(0)69-650049-150
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Familienticket 14 Euro, freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahre
|