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Am vergangenen Montag verstarb der Kunstschmied und Metallgestalter Günter Reichert aus Friedrichroda im Alter von 75 Jahren. Er war einer der wichtigsten Metallgestalter Mitteldeutschlands und sein Name ist mit der Metallgestaltung in seiner Vielseitigkeit verbunden. Nach über 50 Werkstattjahren am Schmiedefeuer hinterlässt er ein umfangreiches Werk an Schmiedearbeiten, Geräten für den profanen und sakralen Gebrauch, restauratorischen Arbeiten und Stahlskulpturen für den öffentlichen Raum. Ein eigenwilliges grafisches Werk gehört ebenfalls zu seinem Nachlass.
Günter Reichert, 1934 geboren, ging konsequent den Weg vom Kunstschmied zum Metallgestalter. Seine Arbeiten sind eingebettet in die Tradition des Schmiedehandwerks und der Bildhauerkunst. Souverän beherrschtes Handwerk und starker gestalterischer Wille ließen ihn charaktervolle und innovative Stahlskulpturen schaffen. Der Spagat zwischen Kunst und Handwerk, die Abgrenzung und die Verschmelzung sind bezeichnend für ein Lebenswerk, dass Kunst aus handwerklichem Fundament entwickelt. Reicherts klare kraftvolle Formen tragen die markanten Spuren des Schmiedehammers. Sein Formwillen war mit Sensibilität verbunden.
Das Schlossmuseum Gotha zeigte 1994 in einer Personalausstellung ein damals bereits umfangreiches Werk. In den Folgejahren entstanden weitere eindrucksvolle Metallskulpturen. In Gothas Innenstadt steht seit 1997 der „Archaische Bogen“ der im Fußgängerbereich des Brühls sich in das architektonische Ensemble der Stadt einfügt und mit der Architektur Zwiesprache aufnimmt. Günter Reicherts Name ist untrennbar mit den Schmiedesymposien im Tobiashammer Ohrdruf verbunden. Auf ursprünglicher Weise wurde mit Feuer, Wasser und Eisen gearbeitet und technisches Können mit kreativen Leistungen kombiniert. Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha schätzt sich glücklich, Arbeiten von Günter Reichert in ihren Besitz zu haben. Noch in diesem Jahr übergab der Künstler der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten eine weitere Skulptur zum dauerhaften Verbleib auf Schloss Friedenstein. Das „Objekt für einen historischen Stein“ ist eine Gestaltung, die ein Steinrelikt des Schlosses mit Stahl verbindet. Das Objekt wird einen würdigen Platz im Schlossensemble finden und von Günter Reicherts Kreativität zeugen. (Helga Wilfroth)
Fotos:
Porträt Günter Reichert am Schmiedefeuer 1994, Foto: Jens Weine
Objekt für einen historischen Stein, 1993, Stahl und Sandstein, Foto: Günter Reichert
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