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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Tausende Menschen auf der ersten Art Parade in Stuttgart Kulturszene setzt ein unübersehbares Zeichen PDF Drucken E-Mail
Freitag, 20. November 2009 um 18:17 Uhr

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Art ParadeSTUTTGART. Am gestrigen Donnerstag ging die gesamte Stuttgarter Kulturszene in einer spektakulären Art Parade gegen die geplanten Kulturkürzungen der Stadt Stuttgart auf die Straße. Es war die größte derartige Kunstaktion in der Stuttgarter Stadtgeschichte. Mehr als 150 Institutionen aller Kunstgattungen unterstützten die Initiative und schlossen sich dem bunten Zug aus Künstlern, Musikern, Schau- und Puppenspielern an. Schätzungen gehen von bis zu 3000 Personen aus, die sich bei der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz vor dem Rathaus einfanden.

 

Mit Transparenten, Plakaten, Schirmen und Maskeraden zog die Parade zum Stuttgarter Rathaus, wo Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster persönlich den „Stuttgarter Appell“ entgegen nahm. Der „Stuttgarter Appell“ ist ein kulturpolitisches Grundsatzpapier, das für den Erhalt und die Stärkung der vielfältigen Stuttgarter Kultur plädiert und vor den langfristigen Schäden einer Kürzung des Kulturhaushalts warnt.

 

Auch die Mitglieder des Gemeinderats, die am 18.12. über die Kürzungen beschließen werden, bekamen den „Stuttgarter Appell“ ausgehändigt. In seiner Rede vor dem Rathaus betonte der Züricher Kulturwissenschaftler Beat Wyss die wichtige Rolle der Kultur als soziale, aber auch ökonomische Größe in der Gesellschaft. Die Statements der ehemaligen Kulturstaatsministerin Christina Weiss, des amtierenden Kulturstaatsministers Bernd Neumann und des Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins Klaus Zehelein, die als Solidaritätsbekundung vor dem Rathaus verlesen wurden, unterstrichen die Verantwortung der Politik für eine langfristig lebensfähige Kunst und Kultur gerade in wirtschaftlich problematischen Zeiten.

 

Bei allem Erfolg der Art Parade: Die Aktion ist nicht zu Ende. Bis zum 18.12. wollen die Initiatoren der Parade, der Verein kunst08plus, das direkte Gespräch mit den Gemeinderatsmitgliedern suchen und ihnen ihre persönliche Verantwortung für den kulturellen Reichtum ihrer Stadt verdeutlichen.

 

Stuttgarter Appell zu den Kürzungen im Kulturbereich

 

In einer gemeinsamen Initiative wenden sich die Stuttgarter Kulturinstitutionen zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern an die Fraktionen des Gemeinderats, die Verwaltung der Stadt und die Öffentlichkeit. Anlass dafür sind die Kürzungen im Kulturbereich, die dem Gemeinderat für die Haushaltsberatungen 2010/2011 vorgeschlagen wurden. Die Umsetzung dieser Vorschläge wäre mit nachhaltig negativen Konsequenzen für das Stuttgarter Kulturleben verbunden.

 

Art ParadeDieser Appell formuliert deshalb den dringenden Aufruf, den Kulturbereich, der seit vielen Jahren finanziell geschwächt ist, aus der Spardebatte auszunehmen und in die Kultur und damit in die Zukunft der Gesellschaft dieser Stadt zu investieren. Dies ist auch mit der Forderung verbunden, die Kürzungen im Bereich Soziales und Bildung zurückzunehmen, da diese Bereiche unabdingbar mit einer Gesellschaft verbunden sind, die sich auf ihre kulturellen Wertmaßstäbe beruft.

 

Alle Parteien haben den Bericht der Enquête-Kommission im Jahr 2007 anerkannt. Damit ist die Erkenntnis verbunden, dass der Bestand von Kultur in Deutschland gefährdet ist. Der Bericht betont aber zugleich, dass „Kunst und Kultur Teile des Wandels von der Industrie- über die Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft sind.“

 

Darüber hinaus benennt Kulturstaatsminister Bernd Neumann sehr präzise die Fatalität und den geringen Effekt jedweder Kürzung: "Die geringen Einsparsummen, die überhaupt möglich wären, stehen in keinem Verhältnis zu dem kulturellen Flurschaden, den man anrichten würde." (dpa 10.11.09)

 

In Stuttgart wird das genannte Sparziel für einige Einrichtungen das Aus bedeuten, andere werden kaum noch auf dem bisherigen nationalen oder internationalen Niveau weiter arbeiten können. Eine Großstadt wie Stuttgart aber lebt von der Qualität und Vielfalt ihrer kreativen Szene. Gerade in aktuellen Umfragen über die Lebensqualität in Stuttgart hat sich gezeigt, wie wichtig eine Neuausrichtung der städtischen Politik hin zu Themenfeldern aus den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur ist.

 

Stuttgart weist zudem eine einmalige Ausbildungslandschaft in den unterschiedlichen Kulturbereichen auf. Die aus diesen entstehenden Szenen bilden sich schon jetzt nicht mehr adäquat in der Stadt ab. Diese nun zu verlieren, um kurzfristig angesetzte Sparziele zu erreichen, steht im krassen Widerspruch zu den investierten Mitteln und verspielt leichtfertig einen nachhaltigen Standortvorteil.

 

Kürzungen im Kulturhaushalt waren bisher immer mit einem dauerhaften Verlust von Ressourcen verbunden. Es besteht die Gefahr, dass der gesellschaftspolitische Konsens über die öffentliche Verantwortung für Kultur untergraben wird. Kultur ist kein Beiwerk, keine schöne Nebensache. Sie bestimmt unseren Alltag, unsere Identität als Einzelne und als Gemeinschaft. Ohne eine lebendige Kultur verliert unsere Gesellschaft ihren Zusammenhalt, da sie keine Kommunikationsformen mehr ausbildet, die sinnstiftend wirken können. Gerade in einer multinationalen Stadt wie Stuttgart bildet die Kultur eine zentrale Basis für das Zusammenleben und die Verbindung zu einer globalisierten Welt.

 

Vor diesem Hintergrund kann und muss Politik auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Verantwortung übernehmen, indem sie die Grundlagen unserer Gesellschaft, zu denen die Kultur gehört, bewahrt und fördert. Umsichtige Kulturpolitik verteidigt die gewachsenen und qualitativ hochwertigen Bereiche des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens und sieht in ihnen auch wirtschaftspolitisch relevante Investitionen in die Zukunft.

 

Das Ziel dieses einmaligen, Sparten übergreifenden solidarischen Zusammenschlusses der Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden geht daher über die aktuelle Situation hinaus: Wir fordern eine langfristige, fördernde, den Einrichtungen, Künstlerinnen und Künstlern zugewandte sowie inhaltlich begründete Kulturpolitik.

 

Die Kulturschaffenden bieten einen umfassenden Dialog mit allen Verantwortlichen und kulturpolitisch Interessierten an, in dem Ziele und Wege einer langfristigen Kulturpolitik für unsere Stadt formuliert werden. Wir fordern daher auch von der Politik konzeptionelle Ansätze, wie die Landeshauptstadt Stuttgart in ihrem Anspruch auf internationale Relevanz gerade in dieser Situation Akzente setzen kann, die den Weg hin zu einer Kultur- und Wissensgesellschaft weisen.

 

Ein Konjunkturpaket Kultur ist aus unserer Sicht die richtige Antwort auf die Krise einer rein wirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft.

 

Die Unterzeichner des Stuttgarter Appells fordern die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte daher auf, die Kürzungen im Kulturbereich nicht umzusetzen, sondern vielmehr verstärkt in das kulturelle und soziale Leben der Stadt zu investieren.

 

Die Künstler, Kulturschaffenden und Vertreter der Kulturinstitutionen der Stadt Stuttgart und die Teilnehmer der Art Parade.

 

Stuttgart, 19. November 2009

 

Fotos: © Uwe Ditz 2009
 

 

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Tags: kultur  f  
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