| Kunstmarkt Abu Dhabi: Wo sind die Deutschen? |
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| Sonntag, 22. November 2009 um 08:30 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dpa
Abu Dhabi (dpa) - Deutschland hat den Aufbau der gigantischen Museumsinsel im Scheichtum Abu Dhabi am persischen Golf verpasst. Unter anderem wollen dort der Pariser Louvre und das Guggenheim- Museum ihre Dependancen errichten. Auch um das Universalmuseum im benachbarten Golf-Emirat Dubai, an das sich die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erst vor kurzem wagten, ist es still geworden. Nun scheint Deutschland auch dem aufstrebenden Kunstmarkt in dieser finanzstarken Region hinterherzuhinken: Von den 50 Galerien, die im November bei der Kunstmesse Abu Dhabi Art zu Gast waren, kamen nur zwei aus Deutschland.
Die deutschen Galerien stellten das Schlusslicht auf der Teilnehmerliste. Warum, ist auch Caprice Horn aus Berlin unverständlich. «Dieser Markt ist spannend und interessant. Hier kommt Kunst aus verschiedensten Kulturen zusammen. Zu sehen, was dabei herauskommt, ist toll», schwärmte Horn. Für die Kunsthändlerin ist der Markt am persischen Golf kein Neuland mehr. Sie hält der Messe seit ihrer Gründung im Jahr 2007 die Treue. Das Konzept ist aus der Artparis-Abu Dhabi hervorgegangen, eine 2007 gegründete Tochtermesse der französischen Artparis.
«Sich jetzt von der Pariser Messe zu lösen war eine gute Entscheidung. Abu Dhabi hat genügend Geld und weiss sich mit Top- Leuten zu umgeben, um eine eigene Messe aufzubauen», sagte Horn. Ihre Werke waren alle schon nach dem ersten Messetag verkauft, darunter auch eine grossformatige Collage des Ägypters Khaled Hafez, der in seinen Werken politische und sozialkritische Themen behandelt wie Ost-West-Beziehungen oder kontaminierte Kultur. Auch in der Galerie Brigitte Schenk aus Köln hatten viele der Exponate am Tag nach der Preview bereits einen Käufer gefunden.
Die Abu Dhabi Art, die von nun an in eigener Regie von der Kulturbehörde und der nationalen Tourismusgesellschaft in dem Emirat organisiert wird, ist auf einem recht hohen Niveau eingestiegen. Sie konnte weltweit führende Galerien gewinnen wie Hauser & Wirth, PaceWildenstein, Acquavella und die Gagosian Gallery. «Abu Dhabi ist noch eine Art unbeschriebenes Blatt. Doch der Louvre und das Guggenheim-Museum sind dabei Sammlungen für ihre Filialen auf Saadiyat Island aufzubauen. Das ist ein wichtiger Faktor», erklärte der New Yorker Kunsthändler Larry Gagosian.
Nur ein Teil der Werke, die auf der Museumsinsel in Abu Dhabi zu sehen sein werden, kommen aus den Sammlungen der Stammhäuser in Paris und New York. Die beiden Kunsttempel sind derzeit dabei, die zukünftigen Kollektionen aufzubauen und kaufen deshalb fleißig ein. Auf französischer Seite stehen dafür jährlich rund 40 Millionen Euro zur Verfügung. Die Sammlung des Louvre Abu Dhabi wird Kunstwerke bis 1960 umfassen, das Guggenheim alles, was danach von Bedeutung ist.
Ein Köder zum Anbeißen - das meint auch Hauser & Wirth. «Abu Dhabi ist dabei, einen anspruchsvollen Kunstmarkt in den Golfstaaten aufzubauen. Wir wollen dabei helfen», sagte Florian Berktold, der Direktor der Galerie aus Zürich. Auf seinem Stand zeigte er einen hochglanzpolierten Orang-Utan aus Edelstahl des amerikanischen Aktionskünstlers Paul McCarthy und mehrere Edelstahlgeschirr- Installationen des Inders Subodh Gupta.
Rekorderlöse gab es nicht und das hat auch niemand auf dieser Messe erwartet, die mit vielen Klischees aufgeräumt hat. Die arabische und persische Kunst war formal kaum noch von der westlichen Kunst zu unterscheiden, zumal die Krise auf dem weltweiten Kunstmarkt zu mehr Konservatismus und sicheren Werten geführt hat. Jeff Koons, Damien Hirst, Roni Horn und Louise Bourgeois bildeten die Riege der zeitgenössischen Stars, wohingegen die Klassiker der Moderne durch Matisse, Picasso und Alexander Calder vertreten waren. Unter den Großen der arabischsprachigen Welt waren zu finden Ahmad Moualla und Fadi Yazigi aus Syrien, die Ägypterin Huda Lutfi sowie Farhad Moshiri und Rokni Haerizadeh, für den sich besonders der französische Sammler François Pinault interessierte.
«In dem Markt steckt ein enormes Potential. Die Kunstmärkte verschieben sich. Abu Dhabi liegt geografisch sehr zentral und ist von Europa, Afrika, Asien und Südamerika aus schnell zu erreichen. Zudem nimmt die Bevölkerung ständig zu. Ein wichtiger Aspekt», meinte Kunsthändler Gagosian.
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