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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Begehbare Kunst-Kugel aus Kriegstrümmern PDF Drucken E-Mail
Montag, 30. November 2009 um 06:39 Uhr

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Von Winfried Wagner, dpa

 

Pasewalk/Police/Ottawa  (dpa) - Die Idee stammt von einem Schweizer, Geld kommt aus Kanada, die Kriegstrümmer aus Polen und Deutschland: Am 12. Dezember wird in Pasewalk ein Kunstwerk enthüllt, das fast 65 Jahre nach Kriegsende an den Wiederaufbau entlang der deutsch-polnischen Grenze erinnern und den Neuanfang symbolisieren soll. Der «Pasewalk Police Phönix» ist eine begehbare, nach oben offene Kugel mit einem Durchmesser von 5,50 Meter. «Es ist auch ein künstlerisches Statement gegen Gewalt», sagt der Ideengeber, der in Kanada lebende Installationskünstler Ernest Daetwyler. Der Vorsitzende des Vereins Politische Memoriale, der Politologe Matthias Pfüller, meint: «Das Projekt kann dazu beitragen, die nicht ganz unproblematische deutsch-polnische Nachbarschaft zu verbessern.»   

 

Der Zufall hat den 45-jährigen Künstler Daetwyler 2007 nach Vorpommern geführt. Er hatte in der Schweiz eine chinesische Künstlerkollegin kennengelernt, die später im KunstGarten am Uecker- Fluss arbeitete. Als Daetwyler die Chinesin besuchte, kam er mit der Kriegsgeschichte einer Grenzregion in Berührung, die bundesweit zu den wirtschaftlich strukturschwächsten gehört, ihre Vergangenheit in der NS-Zeit bis in die Gegenwart Historikern zufolge noch nicht umfassend aufgearbeitet hat und als Hochburg der rechtsextremen NPD gilt.    

 

So war Pasewalk 1933 eine der ersten Städte, in denen Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannt wurde und sogar eine Gedächtnisstätte erhielt. Er hatte 1918 nach einer Gasvergiftung im Pasewalker Lazarett gelegen, wo er den Entschluss gefasst haben soll, in die Politik zu gehen. Die Ehrenbürgerschaft wurde erst 1995 aberkannt.    

 

Die Stadt Pasewalk wurde zum Kriegsende 1945 zu rund 85 Prozent zerstört. Bauern fuhren die Trümmer mit Pferdefuhrwerken in den Ortsteil Friedberg am Stadtrand, wo sie überwuchsen und 2007 noch immer lagen. Pasewalks Historiker Wolfgang Brose zeigte Daetwyler die Stellen. «Da kam mir die Idee mit der Kugel», erzählt Daetwyler.   

 

Knapp 50 Kilometer weiter nordöstlich liegt das heute polnische Police, Pasewalks Partnerstadt. Die Stadt hieß bis 1945 Pölitz und war im Zweiten Weltkrieg wegen des dortigen Chemiewerks bombardiert worden. «Auch dort lagen noch Trümmer und Reste von Waffen, die bezog ich mit ein», erläutert der Künstler.    

 

Noch bevor die Pasewalker von Daetwylers Plänen hörten, hatte dieser in Kanada einen Preis für seine Idee erhalten. «Das "Canada Council of the Arts" gab mir einen Kunstpreis, die erste Finanzierung war sicher», erzählt er. Zwei weitere Preise in Kanada und bei der Kulturstiftung Pro Helvetia in der Schweiz folgten und auch Pasewalks Stadtvertreter stimmten zu, so dass der Bau im Juni 2009 beginnen konnte. «Der Standort ist gut gewählt», sagt Pasewalks Historiker Brose. Der «Pasewalk Police Phönix» steht auf einem Grundstück, auf dem ein jüdischer Unternehmer vor der NS-Zeit eine große Gießerei betrieb. Der Mann wurde von den Nationalsozialisten enteignet und umgebracht, die Firma zerstört. Neben der Riesenkugel befindet sich Pasewalks «Leninhain», die in der DDR übliche Gedenkstätte für Opfer des Faschismus.    

 

Eigentlich sollte das Kunstwerk im August schon fertig sein, aber statt zwei Monate dauerte es sechs Monate, bis die Riesenkugel Gestalt annahm. Ein Grund: Statt der Einheimischen selbst, die eingeladen waren, mitzumauern, halfen vor allem Künstlerkollegen und Pasewalker Betriebe mit. «Die Menschen sind hier sehr zurückhaltend», sagt der Künstler. Mit Hilfe von Freunden, Studenten und Schülern barg Daetwyler die Trümmer, reinigte sie und ummauerte damit ein Stahlkorsett, das ihm eine Künstlerkollege schweißte.    

 

«Ich mag seine Idee», sagt einer seiner Helfer, der spanische Tänzer Jesus Fernando Soberon, während er mit Gummihandschuhen den Mörtel an eine Stelle stopft und ein Trümmerstück darauflegt. Eine Wasserwaage braucht er nicht. «Das Kunstwerk ist eigentlich ganz schön, aber wir bräuchten auch eine neue Straße, eine Straßenbeleuchtung hatten wir noch nie», sagt eine Rentnerin, die vorsichtig vorbeigeht. «Solche Geschichtsaufarbeitung braucht seine Zeit und manchmal einen Impuls von außen», meint der Politologe Pfüller. Unterdessen sucht Daetwyler noch nach Geldgebern. Durch die lange Bauzeit ist das Vorhaben mehrere tausend Euro teurer geworden, als er gedacht hatte.

 

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Tags: daetwyler  pasewalks  
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