| Verlag Hermann Schmidt pflegt Buchdruckkunst |
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| Montag, 30. November 2009 um 19:40 Uhr | ||
Von Janina Plato, dpa
Mainz (dpa/lrs) - Sie sind einzigartig, erfolgreich und facettenreich: Die Bücher des Verlags Hermann Schmidt in Mainz. Mehr als 150 Preise hat das Verlegerehepaar Karin und Bertram Schmidt- Friderichs mit ihren derzeit rund 125 lieferbaren Titeln bereits gewonnen. Im Bereich Typographie, Grafikdesign und Kreativität sind sie nach eigener Aussage im deutschsprachigen Raum Marktführer und wollen dies als Lizenzgeber auch international werden.
«Wir sind leidenschaftlich begeisterte Büchermacher», beschreibt Karin Schmidt-Friderichs das Rezept für ihren Erfolg. Den Enthusiasmus spürt man dabei nicht nur im Gespräch mit den beiden Fachleuten, sondern auch im Ergebnis ihrer Arbeit. Aufwendige Prägungen, aufgesprühte Lackpünktchen, Schuber mit 3-D-Effekten, grellfarbige Blattschnitte oder doppelt gedruckte Leuchtfarben machen Bücher zu Kunstwerken.
«Wir werden ständig gefragt, wie wir bestimmte Dinge gemacht haben», sagt die zweifache Mutter. Auch inhaltlich sind die gewählten Themen des Familienunternehmens speziell. So gibt es ausschließlich Bücher über Typographie, also zur Kunst des Druckens, mit dem Schwerpunkt auf Schriftarten und deren Gestaltungs- und Einsatzmöglichkeiten, Grafikdesign und Kreativität.
Die Werke zeigen, was man mit Papier, Buchstaben, Bildern und den unterschiedlichsten Materialien alles herstellen kann. «Wir machen inhaltlich nützliche Bücher für Fachleute, aber auch solche, die uns und den Lesern Spaß bringen», beschreibt die Verlegerin einen Teil der Unternehmensphilosophie. Zu ihr gehören auch die Kundennähe und die enge Zusammenarbeit mit den Autoren.
Im Jahr werden daher nicht mehr als 25 Bücher verlegt. «Wir sind sehr perfektionistisch», betont Karin Schmidt-Friderichs. Kaum vorstellbar, dass 85 Prozent dieser Kunstwerke im Industriegebiet von Mainz-Hechtsheim hergestellt werden. Die seit 1999 als eigenständiges Unternehmen geführte Druckerei im Erdgeschoss des Verlagshauses beherbergt neben einer Bogenoffsetdruckmaschine auch die Möglichkeit für Digitaldruck und einen Ausstellungsraum mit historischen Druckmaschinen aus den Zeiten des Bleisatzes.
Bertram Schmidt-Friderichs hat die Druckerei und den Verlag seines Vaters Hermann Schmidt 1986 übernommen. Zuvor absolvierte er eine Schriftsetzerlehre und parallel ein Studium der Kunstgeschichte. Heute sagt der 50-Jährige, dass ihn damals der «Typovirus» unheilbar infiziert hat. Schon früh hat er eigene Bücher gemacht und sie 1991 erstmals auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. «Meine Aufgabe war es damals, den Stand zu entwerfen», sagt Karin Schmidt-Friderichs schmunzelnd. Sie hat Architektur studiert und erst durch ihren Mann die Liebe zum Büchermachen entdeckt.
Das heutige Logo des Verlages mit dem Aldusblatt stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Während seiner Diplomarbeit entdeckte Bertram Schmidt-Friderichs in den Werken des venezianischen Buchdruckers und Verlegers Aldus Manutius das herzförmige Blatt. Fortan schmückte es jeden Brief an Karin, die ihren heutigen Mann seit 1979 kennt. «Für das neue Logo von Druckerei und Verlag habe ich das Aldusblatt dann freigegeben», sagt die 49-Jährige. Schließlich passe es einfach gut: Venedig als die Wiege der Typographie im Zusammenspiel mit Mainz als Geburtsort des Buchdrucks.
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