| Neu inszenierte Kunstkammer Gotha vor der Eröffnung am 4.12.2009 |
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| Montag, 30. November 2009 um 19:52 Uhr | ||
Konnte man die Sammlungen bisher, quasi en passant, beim Rundgang durch die herzoglichen Gemächer „mitnehmen“ (kaum einer realisierte, an welchen hochkarätigen Schätzen er da vorbeiflanierte), gibt es nun einen eigens eingerichteten Bereich für diese alten Schätze, die man mit Fug und Recht als das Herz der Gothaischen Kunstsammlungen bezeichnen kann. Der neue Aufbewahrungsort sind die ehemaligen Gemächer des Erbprinzen im Nordflügel des Schlosses. Interessanterweise sind diese Räume geradezu spiegelbildlich zum herzoglichen Appartement angelegt, das sich ganz im Ostteil des Nordflügels befindet. Beide Audienzzimmer liegen in der äußersten Ecke mit Fenstern in Richtung Stadt (im Norden) und Land und damit auf die beiden Herrschaftsbereiche bezogen. So fügen sich Bauplanung und Machtanspruch ineinander.
Den Auftakt bildet der sogenannte West-Vorsaal. Hier wird der Besucher von barocker Fülle empfangen. Historisierende Vitrinen zeigen die Fülle der Kunstkammerbestände wie sie vielleicht ähnlich auch unter den Herzögen von Sachsen-Gotha-Altenburg präsentiert wurden. An den Wänden Gemälde, die im Anbeginn ebenso selbstverständlich zum Kunstkammerbestand gezählt wurden wie Münzen oder Naturalia. Erst 1712 wurde das Gothaer Münzkabinett gegründet, separate Naturalienkabinette kamen gar erst im 19. Jahrhundert auf.
Vom West-Vorsaal aus betritt man das Appartement des Erbprinzen, das insgesamt 5 Räume umfasst, erstes und zweites Vorzimmer, Audienzgemach, Schlafzimmer und eine Kapelle. Alle diese Räume wurden in den letzten Monaten vom Schlossbesitzer, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit bemerkenswerten Ergebnissen restauriert. Stuck, Deckengemälde, Parkettböden und nicht zuletzt die Kapelle sind kaum wiederzuerkennen. Die Räume sind zu einem Schmuckstück geworden.
Die Kunstkammer-Räume sind weitgehend abgedunkelt, lediglich die Decken erhalten volles Licht, das auf die Böden abstrahlt. An den Wänden hängen farbig umrahmte schwarze Vitrinen, in denen Lichtspots die einzelnen Kunstwerke inszenieren. Der erste Raum ist Gold und Silber gewidmet. Hier ist der berühmte „Dinglinger Elefant“ zu sehen, das Pendant zu Johann Melchior Dinglingers Elefanten im „Hofstaat zu Dehli am Geburtstage des Großmoguls Aureng-Zeb“ aus dem Grünen Gewölbe in Dresden.
Raum zwei ist den natürlichen Materialien wie Bernstein, Elfenbein und Nautilus gewidmet. Prunkkassetten aus Bernstein, ein Hausaltar, Nautiluspokale und eine byzantinische Elfenbeintafel sind hier unter anderem zu sehen.
Das ehemalige Schlafzimmer ist Aufbewahrungsort von außergewöhnlichen Reliefs aus dem 16. und 17. Jahrhundert, von denen das Schlossmuseum Gotha eine Vielzahl hervorragender Arbeiten in seinem Bestand hat. Ein Hauptstück vielleicht die „Schlacht Karls des Großen gegen die Hunnen“ aus Kalkstein. Das Hans Ässlinger zugeschriebene Werk war ursprünglich Teil der Münchner Kunstkammer, wo es 1598 noch im Inventar nachgewiesen wurde. Durch den Dreißigjährigen Krieg, in dem die Ernestiner eifrig mitmischten, gelangte es auf den Friedenstein.
Nach einem Seitenblick in die Kapelle verlässt man die Kunstkammer unter einem Federbaldachin. Auch wenn dieses Stück nachgebaut ist, war ein solcher Baldachin tatsächlich Teil der ursprünglichen Schlafzimmerausstattung.
Die neue Kunstkammer ist Teil eines neuen Gesamtkonzeptes „Barockes Universum Gotha“ für die Museen und das Schloss, das Stiftungsdirektor Dr. Martin Eberle vor zwei Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Das Ziel ist es, das barocke Schloss in seiner historischen Gestalt erlebbar zu machen. Hierzu gehört neben der Einrichtung der Kunstkammer auch langfristig das Pendant eines Naturalienkabinetts, das für den Westturm geplant ist. Die historische Ahnengalerie wird schon 2010 im Westflügel wieder eingerichtet, die Bilder sind schon restauriert. Mittelfristiges Ziel aber ist die Einrichtung des Herzoglichen Museums, in dem zurzeit das Museum der Natur untergebracht ist, als Kunstmuseum im Jahre 2012. Die naturkundlichen Sammlungen werden dann ins Schloss ziehen, was durch die Schaffung eines Außenmagazins, des Perthes-Forums-Gotha, möglich wird. Für die Umsetzung dieses Konzepts, an dessen Umsetzung Bund, Freistaat Thüringen und Stadt Gotha beteiligt sind, sind der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha insgesamt 20 Millionen Euro zugesichert.
Die Feierlichkeiten zur Eröffnung der Kunstkammer Gotha werden am Freitag, 4. Dezember 2009, 18 Uhr, in der Schlosskirche von Schloss Friedenstein beginnen. Die Landesregierung wird durch den neuen Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christoph Matschie, vertreten sein. Zahlreiche Ehrengäste werden erwartet.
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Schloss Friedenstein Gotha macht viel von sich reden. Gerade wurde die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha dank eines zukunftsträchtigen Museumskonzepts für die Sammlungen als „ständiger Gast“ in den erlauchten Kreis der „Konferenz nationaler Kultureinrichtungen“ aufgenommen, nun steht ein weiteres Ereignis an, das überregional für Aufsehen sorgt. Die bereits unter dem Schlosserbauer Ernst I., dem Frommen, von Sachsen-Gotha im 17. Jahrhundert angelegte „Friedensteinische Kunstkammer“ wird in frisch restaurierten Schlossräumen völlig neu und Aufsehen erregend präsentiert.