| Werner Schinko zeichnet unverdrossen weiter |
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| Donnerstag, 01. Oktober 2009 um 05:07 Uhr | ||
Von Winfried Wagner, dpa
Röbel (dpa) - Dornröschen, Ilsebil, die Eule oder Kraniche - die Märchen- und Tierzeichnungen von Werner Schinko kannte in der DDR wohl jeder Schüler zwischen Kap Arkona und Fichtelberg. 20 Jahre nach dem Mauerfall sind Schinkos schlichte, aber aussagekräftige Zeichnungen weit über Ostdeutschland hinaus bekannt. Manchmal kommen sogar Touristen aus den USA in sein Atelier im mecklenburgischen Röbel. Der Maler und Grafiker wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt. Noch immer geht er jeden Tag an den Zeichentisch. «Mecklenburg, die Leute, meine Viecher und die Landschaften», zählt der Künstler rasch seine liebsten Motive auf. Derzeit arbeitet er für eine sorbische Kinderzeitschrift und an Illustrationen zu Sonetten von William Shakespeare.
Schinko wurde 1929 im böhmischen Wurzelsdorf geboren. Er wuchs in einem katholischen Elternhaus auf und erlernte den Beruf eines Glasmalers. Nach dem Krieg musste er wie viele Sudetendeutsche die Heimat verlassen. Das Schicksal verschlug in nach Röbel in der Mecklenburgischen Seenplatte. Hier lebt und arbeitet er nun schon seit 60 Jahren - ein Zeichen von Beständigkeit. Mehr als 100 Buchtitel entstanden bis 1989 für den Rostocker Hinstorff-Verlag, vor allem niederdeutsche Literatur und Kinderbücher illustrierte Schinko. Zudem war er 37 Jahre lang jeden Monat für die Titelzeichnung einer Lehrerzeitschrift zuständig. «Da konnte man schon öfter mal versteckte Kritik anbringen», blickt er zurück.
Von 1950 bis 1955 hatte Schinko an der Kunsthochschule in Berlin- Weißensee studiert. «Die Hochschule war sehr liberal», erinnert er sich, während er in seinem Garten sitzt und über das hügelige Grün der mecklenburgischen Wiesen auf ein neu entstandenes CD-Werk blickt. So hatte er als Student einmal eine Zeitung aus Westberlin eingesteckt, in der über die Verbrechen von Stalin berichtet wurde. «Das wollte ich wissen», sagt er. Ein «SED-Genosse» habe in einer FDJ-Versammlung versucht, daraus eine Anklage zu konstruieren. «Wenn sich nicht mein Professor für mich eingesetzt hätte, wäre es vielleicht das Ende für das Studium gewesen.»
Heute stört den Zeichner, der sich nie von der SED vereinnahmen ließ, wenn die Geschichte der Wende auf 1989 reduziert wird. «Es gab auch eine Vorgeschichte für diese Zeit», meint er. Zudem seien in der DDR Künstler auch Nutznießer des Systems gewesen. «Viele hätten unter kapitalistischen Bedingungen nicht studieren können», erklärt Schinko.
Er selbst habe schon 1961 in einer Künstlerverbandsversammlung erklärt, diese Mauer könne nur von innen abgebaut werden, erinnert er sich. Damals habe keiner reagiert, aber die Prognose sollte sich als richtig erweisen. Aber als seine Tochter 1988 sagte, die DDR sei ein Auslaufmodell, habe er es noch nicht für möglich gehalten.
Mit einer ganzen Serie von Ausstellungen wird in Mecklenburg- Vorpommern 2009 das Schaffen des Jubilars gewürdigt. So werden im Röbeler «Haus des Gastes» bereits Schinkos Arbeiten über seine mecklenburgische Heimat gezeigt - hier will er auch feiern. Im Herbst sind zudem Sonderschauen in Schwerin und Neubrandenburg geplant und ein Verlag will ein Buch über das Werk des Zeichners auflegen.
Zu einer späten Genugtuung für Schinko kam es schon in Tollenseheim bei Neubrandenburg. 51 Jahre nachdem SED-Funktionäre sein Wandmosaik «Der Hahn begrüßt den Tag» in einer Agrarschule zerstören ließen, wurde es Anfang September neu enthüllt. Die übereifrigen Genossen hatten es als Familienwappen von Gutsbesitzern missgedeutet. Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellte 4000 Euro für die Wiederherstellung bereit. «Seine Heimat hat er mit seinen Arbeiten noch bunter gemacht», schrieb Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dem Jubilar, dessen Skizzenbuch immer noch randvoll ist. Tags: f
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