| Kunsthalle Schweinfurt zeigt Kunst im Schatten der Grenze |
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| Freitag, 02. Oktober 2009 um 05:23 Uhr | ||
20 Jahre Deutsche Einheit 1989 – 2009 Kunst im Schatten der Grenze 3. 10. 2009 – 10. 1. 2010 Kunsthalle Schweinfurt im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad Eröffnung der Ausstellung Samstag 3. Oktober 2009, um 11 Uhr
Ansprachen von Frau Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser und Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer. Zur Ausstellung spricht Kuratorin Andrea Brandl.
Schweinfurt ist durch seine Lage im ehemaligen Zonenrandgebiet - im Schatten der Grenze - von der Wiedervereinigung in besonderer Weise betroffen. Zum benachbarten Thüringen hat man bereits im November 1989 rasch wieder Kontakte geknüpft. „Nur mal schauen, wie es bei euch ist“, nur ein spontaner Ausspruch unter hunderten eines ehemaligen DDR-Bürgers, der in der Nacht zum Freitag die Gunst der Stunde nutze. Um 3.40 Uhr rollte der erste Trabbi ohne Kontrolle über die thüringisch-bayerische Landesgrenze. Zahlreiche Banken, Firmen und Geschäfte errichteten Filialen im südlichen Thüringen. Die Bürger reaktivierten auch auf kultureller Ebene alte Beziehungen auf unterschiedlichste Weise.
Vor diesem Hintergrund ist das Ausstellungsprojekt „20 Jahre Deutsche Einheit 1989 – 2009“ entstanden und will Grenzerfahrung sowie Grenzüberschreitung im Spiegel der Kunst dies- und jenseits der einstigen Grenzlinie darstellen. Gemeinsames Merkmal der ausgestellten Arbeiten ist die offenkundige wie hintergründige künstlerische, meist sehr emotionale Auseinandersetzung mit und die Reaktion auf die geschichtlich-gesellschaftlichen Veränderungen, die der Mauerbau, der Kalte Krieg und die Wiedervereinigung 1989 hervorgerufen haben. Allen gemeinsam ist eine tiefe Verunsicherung, der kritische Blick in die Zukunft - der Mauerfall als Sieg der Freiheit wird skeptisch in Frage gestellt. Die Ausstellung will diese Kunst aus dem heute wiedervereinten Deutschland aus der Sicht der Region Franken wie aus dem Blickwinkel der Kunstmetropolen im anregenden Dialog beispielhaft zeigen.
Rainer Fetting, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Karl Horst Hödicke oder A. R. Penck, Hartwig Ebersbach, Michael Morgner und Volker Stelzmann haben dem geteilten Land insbesondere der Mauer zum Teil wegen ihrer eigenen Biografie größte Aufmerksamkeit geschenkt. Eine besondere Brisanz und Schärfe in der Bildaussage prägt die Handschrift der ostdeutschen Maler, die im Kosmos ihrer Arbeiten die Geschichte der Teilung zugleich als ihr eigenes Schicksal aufarbeiten. Deutliche Spuren hinterließ diese Problematik zeitgleich im Kunstschaffen in der sogenannten Provinz - weit entfernt von vermeintlicher „Heimatkunst“. Erich Husemann hat beispielsweise aus der Idylle im unterfränkischen Trappstadt heraus mit unmittelbarem Blick auf die Grenze seine Erlebnisse kritisch reflektiert ebenso wie der Schweinfurter G. Hubert Neidhart. Das Gemälde „An der Mauer“ von 1964 illustriert nur wenig zeitversetzt die Katastrophe des Mauerbaus und die allgemeine Stimmung im Deutschland der Nachkriegszeit. „Aus einer Mauer wurde „die Mauer“ als Synonym für das Lebensgefühl einer ganzen Generation im Deutschland der Nachkriegszeit.“ (Erich Schneider)
Das zeitliche Spektrum der Schweinfurter Ausstellung reicht von Klassikern wie Karl Hofer, Otto Dix, Gustav Seitz und Bernhard Heiliger zurück bis in die Nachkriegszeit. Am Beispiel von Willi Baumeister und dem Informel wird die Kunstdiskussion um abstrakt und figurativ der 1950er Jahre erläutert. Für die Emanzipationsbewegungen und das Aufbegehren gegen die Adenauer-Ära stehen in Süddeutschland die Künstlergruppe SPUR und andere. Als Kerngedanke zeigt die Ausstellung mit Hans Ticha, Johannes Heisig, Claus Weidensdorfer oder Rolf Händler prägnante Beispiele von konfliktbezogener Malerei vor und nach der Wende. Der in Chemnitz agierenden Künstlergruppe Clara Mosch ist ein eigener Beitrag gewidmet. Der Überblick greift bis in das nachbarschaftliche Heute mit jüngeren Künstlern wie der Würzburgerin Verena Rempel, dem aus Gera stammenden Erik Buchholz oder den Rheinländern Harald Klemm und Thomas Baumgärtel, die das geschichtsträchtige Symbol für das getrennte und wiedervereinte Berlin, das Brandenburger Tor, mit Esprit und Hintergründigkeit darstellen.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt wird im Museum Otto Schäfer mit einem Beitrag zum Thema „Deutsche Einheit in der Literatur des 19. Jahrhunderts 1813–1866“ begleitet und geht anschließend in Teilen an die Städtische galerie ada in Meiningen, die 2010 ihr 20-jähriges Jubiläum begehen kann.
Kunsthalle Schweinfurt im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad Di – So 10 – 17 Uhr. Do 10 – 21 Uhr. Rüfferstraße 4, 97421 Schweinfurt Tel. 09721/51477. Fax 09721/51320 Führungen unter Tel 09721/51215 info@kunsthalle-schweinfurt.de
Begleitveranstaltungen zur Ausstellung im Rahmen der Winterakademie des Schweinfurter Museums-Service Oktober 2009 bis Januar 2010 Freitag 9. 10. 2009, 19.30 Uhr, Kunsthalle Schweinfurt, Große Halle Rüfferstraße 4
Privatdozent Dr. phil. Matthias Stickler, Lehrstuhl für Neueste Geschichte Würzburg, Universität Würzburg: „Krise und Zusammenbruch der DDR 1971 bis 1990“ In Zusammenarbeit mit Historischer Verein Schweinfurt e.V.
Matthias Stickler gibt einen knappen Überblick zur Geschichte der DDR von den Anfängen bis zur frühen Ära Honecker in den 1970er Jahren. Behandelt die in den 1980er Jahren ständig wachsende Krise des politischen und ökonomischen Systems der DDR, die schließlich zu ihrem Untergang führte, und die Friedliche Revolution von 1989/90.
Mittwoch 28. 10. 2009, 19:30 Uhr, Kunsthalle Schweinfurt, Große Halle Rüfferstraße 4
Eine Idee vom Anderssein. Die Künstlergruppe CLARA MOSCH. Gezeigt wird der preisgekrönte Dokumentarfilm von Christian Frei „Clara Mosch oder die schöpferische Zersetzung“ (1992). Anschließend ist Gelegenheit mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.
Montag 9. 11. 2009, 19.30 Uhr, Theater der Stadt Schweinfurt Roßbrunnstraße 2, www.theater-schweinfurt.de
Florian Henckel von Donnersmarck „Das Leben der Anderen“. Bühnenfassung von Albert Ostermaier nach dem Film von Florian Henckel von Donnersmarck. Théâtre Des Capucins Luxemburg. Euro Studio Landgraf Titisee-Neustadt.
Freitag 27. 11. 2009, 19.30 Uhr, Kunsthalle Schweinfurt, Große Halle Rüfferstraße 4
„Freiheit“ - Vortrag und Führung durch die Ausstellung mit der Berliner Galeristin Ingrid Raab.
Donnerstag 7. 1. 2010, 19 Uhr, Kunsthalle Schweinfurt, Große Halle Rüfferstraße 4
Finissage mit der Leseperformance „Schwarz-Rot-Gold. Arbeit am Symbol“ von Helga Franke und Rudolf Sievers, Frankfurt und Trennfurt. Helga Frankes Glas- und Stahlobjekt Gestell D. Werkstatt Deutschland, das zur Zeit in der Ausstellung Deutsche Einheit in der Kunsthalle Schweinfurt zu sehen ist, steht im Zentrum der Leseperformance. Helga Franke und Rudolf Sievers drehen an Schrauben, mischen und kombinieren die Farben Schwarz-Rot-Gold neu und untersuchen die Vielfalt ihrer Bedeutung in Politik und Kunst.
Freitag 15. 1. 2010, 19.30 Uhr, Museum Otto Schäfer Judithstraße 16
Vortrag „Deutsche politische Lyrik im 19. Jahrhundert“ von und mit Dr. h.c. Rudolf Kreutner M.A. Kulturamt Stadt Schweinfurt in Kooperation mit der Rückert-Gesellschaft Schweinfurt und mit dem Historischen Verein Schweinfurt e.V.
Bitte beachten Sie auch das Programm des Filmforums
Das Filmforum der VHS und der LAG Bayern e. V. zeigt internationale Filme im Original mit Untertiteln. Außerdem werden unter dem Motto „Vor der Wende/Nach der Wende“ ergänzend zur Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe „20 Jahre Deutsche Einheit“ Filme aus der DDR und Spiel- und Dokumentarfilme über das wiedervereinigte Deutschland vorgestellt. Kurzfristige Programm-Änderungen können notwendig werden; bitte nutzen Sie deshalb auch aktuelle Informations-Angebote. Begleitausstellung im Museum Otto Schäfer Judithstraße 16, 97422 Schweinfurt „Einigkeit vor Recht und Freiheit?
Die deutsche Einigung im Spiegel der Literatur zwischen 1813 und 1871“ 27. 9. – 29. 11. 2009
Der lange Weg zur »ersten deutschen Einheit« des Hohenzollern-Kaiserreiches begann mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813-1815 und endete mit den »Reichseinigungskriegen« von 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und seine Verbündeten und 1870/71 gegen Frankreich, um am 18. Januar 1871 in der prachtvollen Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles seinen buchstäblich krönenden Abschluß zu finden. Die deutsche Literatur von Goethe über Heine bis Fontane begleitete diesen alles andere als geradlinigen Prozeß des »Werdens einer Nation« von Anfang an in der gesamten Bandbreite von Euphorie bis Fundamentalkritik. Der Referent, Dr. Rudolf Kreutner, wissenschaftlicher Leiter der Rückert-Gesellschaft e.V., wird an ausgewählten Beispielen die geistesgeschichtlichen Grundlagen sowie die Haupttendenzen der »Deutschland-Literatur« jener Zeit aufzeigen.
Bildquelle: Wolfgang Mattheuer, ohne Titel, 1979. Holzschnitt. VG Bild-Kunst
Tags: Johannes Heisig
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