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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Millionen-Kunststreit im Nebel von Erinnerungslücken PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 04. Oktober 2009 um 05:37 Uhr

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von Karin Güthlein, dpa

 

 

Oldenburg (dpa/lni) - Sie waren überzeugt, rechtmäßige Eigentümer eines expressionistischen Meisterwerks im Wert von bis zu zwei Millionen Euro zu sein. Ein inzwischen rechtskräftiges Gerichtsurteil teilt diese Ansicht nicht. Für den von kunstsinnigen Bürgern ehrenamtlich geführten Oldenburger Kunstverein (OKV) bedeutet das nicht nur den endgültigen Verlust des Bildes «Spätnachmittag», das 1907 von Erich Heckel (1883-1970) in der Sommerfrische der Berliner «Brücke»-Maler im friesländischen Dangast gemalt wurde. Als Verlierer der von ihm vor einer Zivilkammer des Landgerichts Oldenburg erhobenen Klage gegen die Claus Hüppe-Stiftung mit Millionen-Streitwert muss der OKV auch die gesamten Prozesskosten in Höhe von 80 000 Euro bezahlen.    

 

Gegenseitige Schuldzuweisungen und Mutmaßungen über Steuermauscheleien, lückenhafte Erinnerungen und fehlende schriftliche Belege haben sich im Verlauf der Auseinandersetzungen zu einem Nebel aus Konfusion und Widersprüchen vereint. Immerhin herrscht bei allen Beteiligten Einigkeit darüber, dass der «Spätnachmittag» 1978 vom damaligen OKV-Vorsitzenden, einem Arzt und ausgewiesenen Kunstexperten, an den Oldenburger Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen Claus Hüppe übergeben wurde. Das war nach OKV-Lesart eine «Leihgabe» als Dank für Spenden in Höhe von insgesamt 70 000 Mark in den Vorjahren. Ihr Vater habe das Bild «erworben», sagt dagegen Anna-Julia Hüppe, die seit einigen Jahren als Nachfolgerin ihres kranken Vaters Vorstand und Sprecherin der nach ihm benannten Stiftung ist.    

 

Außer Spendenquittungen, ausgestellt auf mehrere Mitglieder der Familie Hüppe, haben der Zivilkammer nach Angaben von Landgerichtssprecher Daniel Mönnich für die Urteilsfindung keine verwertbaren Dokumente oder Aussagen von Zeitzeugen über die Beziehungen zwischen OKV und Hüppe vorgelegen. Schlechte Karten für den OKV, der als Kläger hätte nachweisen müssen, der rechtmäßige Eigentümer des Gemäldes zu sein, das mit dem Hinweis «Leihgabe der Claus Hüppe-Stiftung» in der Dauerausstellung der Klassischen Moderne im Oldenburger Landesmuseum für Kunst hing. Dort hatte die Stiftung das Bild vor zwei Jahren nach längeren Querelen über Sicherheitsvorkehrungen und Versicherungswert entfernen lassen und den Leihvertrag gekündigt. Nach dem Eklat war der Kunstverein juristisch aktiv geworden.    

 

Nicht nur die Zivilrichter haben sich offenbar gewundert, dass der Verein nicht spätestens 1995 seinen Anspruch auf den «Spätnachmittag» erhoben hat. Damals hatte Claus Hüppe, der seiner Heimatstadt mit maßgeblichen Geldspritzen auch zu Bau und Sammlungsgrundstock des Horst-Janssen-Museums verholfen hat, bei der Eröffnung eines ebenfalls von ihm finanzierten Anbaus an das Stadtmuseum das Heckel-Bild als Dauerleihgabe an das Landesmuseum übergeben. Zur geladenen lokalen Prominenz gehörten auch der damalige OKV-Vorsitzende und sein Vorgänger aus den 70er-Jahren. Letzterer allerdings in seiner neuen Eigenschaft als Beirat der kurz zuvor gegründeten Hüppe-Stiftung. Von ihm stammt nach Angaben der aktuellen OKV-Vorsitzenden Gertrude Wagenfeld-Pleister eine 10 000-Euro-Spende für die Gerichtskosten. Für 15 000 Euro wurde eine «Brücke»-Grafik aus der bescheiden gewordenen Kunstsammlung des Vereins verkauft. Für die noch fehlenden 55 000 Euro werden Spender gesucht.    

 

In den 50er Jahren gehörten dem Verein drei Heckel-Bilder aus der Dangaster Phase. 10 000 Mark stiftete damals eine regionale Bank für den Ankauf der Werke, die heute pro Stück auf bis zu zwei Millionen Euro geschätzt werden. Neun Papierarbeiten von «Brücke»-Künstlern waren im Preis eingeschlossen. Zwei der Ölgemälde hat der Verein im Lauf der Jahrzehnte für insgesamt weniger als 400 000 Euro an das Landesmuseum verkauft, um Neu- oder Umbauten finanzieren zu können. Der jetzige Aufenthaltsort des «Spätnachmittags» ist geheim. Gerüchte über einen geplanten Verkauf weist Anna-Julia Hüppe zurück: «Zu gegebener Zeit wird die Stiftung prüfen, mit welchem norddeutschen Museum sie Verhandlungen über die Ausleihe aufnehmen wird.»a



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