| Ausstellung zur Geschichte des Sitzens in China |
|
|
|
| Dienstag, 06. Oktober 2009 um 19:43 Uhr | ||
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Es ist eine Stuhlcollage, die den Besucher der Frankfurter Ausstellung «Sit in China» begrüßt. «Fake Chair» heißt das Exponat - ein nachgemachter Stuhl, der unterschiedlichste Materialien und Stile verbindet. Das geschwungene Gold geht auf die Zeit Ludwigs XIV. zurück. Schwarze, einfache Kanten sind traditionell chinesisch, der Bezug ist jedoch aus Fetzen von Replikathandtaschen bekannter westlicher Luxuslabels wie Prada und Gucci zusammengesetzt. Der «Fake Chair» gehört zu den ungewöhnlichsten Objekten unter mehr als 130 Sitzgelegenheiten aus China. Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen in der Geschichte des Sitzens in China - von edlen Holzstühlen aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastie bis zu aktuellen Massenfabrikaten, die Entwürfe westlicher Designer wie Le Corbusier oder Mies van der Rohe kopieren. Die Schau im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst gehört zum Begleitprogramm der Frankfurter Buchmesse, deren Ehrengast in der kommenden Woche China ist.
«Sitzen findet in China oft im öffentlichen Raum statt: ob an Garküchen, beim Haare schneiden oder beim Schuhe putzen», sagt Co- Kurator Volker Fischer. Deshalb zeigt die Ausstellung auch einige der sogenannten Bastard Chairs - oftmals kleine, aus Müll gebastelte Stühle oder Schemel, die auf offener Straße benutzt werden. Die Zeiten sind laut Fischer vorbei, in denen das einfache Volk noch auf dem Boden sitzen musste. Zur Not tut es dafür nun auch ein mit Klebeband umwickeltes Metallgestell, ein weiteres Exponat.
Sitzmetaphern lassen sich viele finden, berichtet Fischer. «Sitzen lassen», «sitzen bleiben», «vom Hocker reißen» - Beispiele gibt es sowohl im Deutschen wie im Chinesischen. Auch die Bezeichnung Vor- Sitzender Mao hebt die Bedeutung hervor. Dass in China Stühle sehr wichtig sind, hat die Installation von Chinas international berühmtestem Künstler Ai Weiwei bewiesen. Er hat vor zwei Jahren für die documenta in Kassel neben 1001 Chinesen auch 1001 chinesische Sitzmöbel nach Deutschland geholt.
Wichtiges Thema der vom 8. Oktober bis 31. Januar 2010 geöffneten Ausstellung ist das Fälschen oder Imitieren. Es ist in China weit verbreitet und bei weitem nicht so negativ belegt wie im Westen. Designklassiker wie Sessel aus verchromten Stahl und Leder von Le Corbusier werden in chinesischen Fabriken zu Modellnummern wie A492. Doch das Kopieren ist keineswegs immer nur eine Einbahnstraße nach China, wie Museumsdirektor Ulrich Schneider ergänzt. So hätten die Europäer beispielsweise das Porzellan aus China nachgeahmt.
Bei den Sitzmöbeln beschränken sich die Kuratoren aber fast ausschließlich auf chinesische Exponate, obwohl sich auch westliche Designer an asiatischen Vorbildern orientiert haben. Zu sehen sind nur einige wenige kleine «Nachbauten» aus dem Westen: Miniatur- Rikschas aus Überraschungseiern.
(Die Ausstellung ist vom 8. Oktober bis zum 31. Januar 2010 zu sehen; das Museum ist dienstags und von Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet; mittwochs von 10 bis 21 Uhr; der Eintritt beträgt acht Euro, ermäßigt vier Euro; zur Ausstellung liegt ein Katalog zum Preis von 25 Euro vor.) Tags: china ausstellung
|
























































