Die Sammlung 101. 1943 ausgelagert – zurückgekehrt 2000
Anlässlich des 50. Jahrestages der Rückführung von Kulturgütern aus der Sowjetunion zeigt die Kunsthalle Bremen vom 14. Oktober bis 30. November 2008 die Ausstellung „Bremen – Moskau – Bremen. Die Sammlung 101. 1943 ausgelagert – zurückgekehrt 2000“. Im Rahmen der Initiative „Deutsch-Russischer Museumsdialog“ werden wertvolle Blätter aus der „Sammlung 101“ präsentiert, die im Jahr 2000 in das Kupferstichkabinett zurückkehrten.
Der 50. Jahrestag der Rückführung von Kulturgütern aus der Sowjetunion ist Anlass für 28 deutsche Museen, sich an diesem Jubiläum zu beteiligen. Die Kunsthalle Bremen zeigt eine Auswahl zurückgegebener Kunstwerke aus der sogenannten „Sammlung 101“. Ein Soldat der sowjetischen Armee hatte die Blätter – darunter Werke von Dürer, Manet, Delacroix und Toulouse-Lautrec – aus Schloss Karnzow, einem Auslagerungsort der Kunsthalle im Mai 1945, mitgenommen und 1993 anonym in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Moskau abgegeben. Mit der Ausstellung möchten wir an diese selbstlose Tat erinnern und uns gemeinsam mit Ihnen an den zurück gewonnenen Kunstwerken freuen.
Eine Odyssee für die Kunst
Für viele Kunstschätze aus deutschen Museen begann während des Zweiten Weltkriegs eine Odyssee. Wie die meisten Museen in Deutschland hatte auch der Kunstverein in Bremen als Träger der Kunsthalle seit 1943 seine wertvollsten Bestände an Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafik ausgelagert, um sie vor den Bombenangriffen der Alliierten zu schützen. Im Schloss Karnzow in der Mark Brandenburg fanden zahlreiche Kunstwerke ein Unterkommen. So erging es auch dem mit Abstand wertvollsten Werk der „Sammlung 101“, dem Landschafts-Aquarell von Albrecht Dürer, das unter der Bezeichnung „Felsenschloss“ weltweit bekannt ist. Die Arbeit Dürers aus dem Jahr 1494 – und weitere 45 Zeichnungen und 56 Grafiken – gelangten 1945 von Brandenburg in die Sowjetunion, wo sie bis zur anonymen Rückgabe verschollen blieben. Andere deutsche Kunstschätze wurden nach einem Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU bereits im Mai 1957 nach Ost-Berlin, Dresden und andere Teile der DDR zurückgeführt. Auf inoffiziellem Weg kehrten einige wenige Werke nach Bremen zurück, viele von ihnen befanden sich in verheerendem oder sogar zerstörtem Zustand.
Rückgabe nach Verlust
Für die Kunsthalle war es eine schicksalhafte Fügung, als die 101 Blätter im März 1993 anonym bei der Botschaft der Bundesrepublik abgegeben wurden. Parallel zur Rückgabe eines Mosaiks und einer Kommode aus dem Bernsteinzimmer an Russland kehrten die Blätter aus der Sammlung des Kunstvereins in Bremen am 30. April 2000 nach langjährigen Verhandlungen in die Kunsthalle zurück. Seitens Russland hatten sich das russische Kultusministerium und Präsident Putin für die Rückführung des Konvoluts stark gemacht. Auch in Deutschland hatte sich die Politik, unter anderem durch die Fürsprecher Henning Scherf und Staatsminister Michael Naumann, intensiv für die Rückgabe eingesetzt. Im Herbst 1999 ermöglichte ein offizieller Beschluss die Rückkehr.
Deutsch-Russischer Museumsdialog
„Bremen – Moskau – Bremen“ ist im Rahmen der Initiative „Deutsch-Russischer Museumsdialog“ in Bremen zu sehen. Als Ständiges Mitglieder dieser Initiative ist die Kunsthalle Bremen stetig darum bemüht, den Informationsstand über die in Russland vorhandenen Bestände an deutschen Kunst- und Kulturgütern zu optimieren. Eine Offenlegung von und Zugang zu bisher von Russland verschlossen gehaltenen Depots und zu den entsprechenden Archivmaterialien trägt, ebenso wie Arbeitsaufenthalte von deutschen Wissenschaftlern in russischen Museen und Depots zur Lokalisierung deutschen Kulturgutes dazu bei. Zudem sollen die fachlichen Kontakte und Kooperationen zwischen deutschen und russischen Museen, beispielsweise durch gemeinsame Ausstellungsvorhaben, intensiviert werden.
Tag der Rückgabe
Am Donnerstag, dem 30. Oktober, findet aus Anlass des 50. Jahrestages der Rückführung und um das Thema „Verlust und Rückgabe“ in einen öffentlichen Rahmen zu stellen, der „Tag der Rückgabe“ statt. An diesem Tag erinnert der „Deutsch-Russische Museumsdialog“ im Pergamonmuseum in Berlin an die Rückgabeaktion zwischen 1955 und 1958. Die Kunsthalle bietet ihren Besuchern am 30. Oktober freien Eintritt.
Das Kupferstichkabinett
Die 101 Blätter stellen eine wichtige Gruppe für die Substanz der Sammlung dar. Mit ihnen kehren kostbare Mosaiksteine aus der über 150-jährigen Geschichte des Bremer Kupferstichkabinetts in das Gesamtbild der Sammlung zurück. Noch heute bildet das Kabinett mit seinen über 200.000 Handzeichnungen und druckgrafischen Blättern einen besonderen Schwerpunkt im Gesamtbestand der Kunsthalle. Diese unersetzlichen Schätze tragen zum Kulturerbe Deutschlands bei und prägen die kulturelle Identität eines Landes. Bis heute fehlen dem Kabinett der Kunsthalle immer noch 28 Gemälde, rund 1500 Zeichnungen und mehr als 3000 druckgrafische Blätter. Eine kleine Auswahl von Blättern der „Sammlung 101“ war im Juni 2000 in der Bremischen Vertretung der Hauptstadt zu sehen. Vom 9. Juli bis 20. August 2000 wurden die Werke im Kupferstichkabinett der Kunsthalle präsentiert.
[Bilder (von oben nach unten) Bild1: Francisco de Goya Tampaco Radierung und Aquatinta Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen; Bild2: Edouard Manet Die Katzen, 1868-69, Radierung und Aquatinta Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen; Bild3: Henri de Toulouse-Lautrec Idylle Princière Farblithografie Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen]
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