Experiment Radierung im Jahrhundert Dürers
Eine Ausstellung im Studiensaal des Kupferstichkabinetts der Kunsthalle Bremen
Teil I: 8. Juli – 14. September 2008
Teil II: 16. September – 30. November 2008
In zwei Etappen präsentiert das Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen ab dem 8. Juli Radierungen aus dem Jahrhundert Dürers. Teil I stellt Schätze deutscher Radierkunst aus, in Teil II sind Radierungen aus den Niederlanden, Italien und Frankreich zu sehen.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, dem Jahrhundert der Druckgraphik schlechthin, kam zu den bewährten Techniken des Holzschnitts und des Kupferstichs die Radierung als neue Möglichkeit des Bilddrucks hinzu. Das mühsame, schwierige und zeitaufwändige Arbeiten mit Schneidemesser oder Grabstichel direkt in den Holzblock oder die Kupferplatte übernahm nun ein chemischer Vorgang: die Ätzung der mit einem weichen, säureresistenten Ätzgrund bedeckten Platte durch eine Säure. Die Säure kann sich nur in die Linien auf dem Metall einfressen, die der Künstler mit einer feinen Nadel in dem weichen Ätzgrund freigelegt hat.
Dies ermöglichte ein Arbeiten, das eher dem spontanen, skizzenhaften Zeichnen als dem beherrschten, strengen Gravieren in Kupfer oder dem Schneiden in Holz ähnelte. Doch gerade dieser leichte, freie, oft so modern anmutende Strich in seinem zeichnerischen Charakter findet in der Frühzeit dieser Technik, um 1515/20, nicht viele Freunde; die Technik blieb zunächst sehr experimentell; die Abzüge waren oft fehlerhaft, unrein und fleckig, weil den Künstlern die Erfahrung im Umgang mit den Ätzflüssigkeiten auf den Eisenplatten noch fehlte (Säuren, die das gewohnte Kupfer angriffen, wurden offenbar erst in der Jahrhundertmitte erfunden). Aus diesem Grund gaben manche Künstler – wie z.B. Albrecht Dürer, Sebald Beham oder Hans Burgkmair - die Radierung nach wenigen Experimenten wieder auf, zumal der feine Strich im Ätzgrund keine hohen Auflagen, d. h. keine großen Gewinne zuließ.
Ursprünglich arbeiteten Harnischmacher und Plattner für die Verzierung von Rüstungen, Helmen oder Schwertblättern mit der Ätztechnik und fertigten Abdrucke auf Papier der von ihnen geschaffenen Ornamente an. Langsam entwickelte sich die Technik jedoch zu einer freien Kunstübung.
Der freie, spontane Strich erlaubte nun auch bisher ungewöhnliche Bildinhalte wie die ersten freien Landschaften, Historien, aktuelle Ereignisse und Bildnisse und feinste Ornamentstiche. Anhand des reichen, aber sehr unbekannten Bildmaterials des Kupferstichkabinetts wird dieser, oft zögerliche, Fortgang der neuen Kunst in Deutschland, den Niederlanden, in Italien und Frankreich bis um 1600 verfolgt.
Die Eröffnung findet am Dienstag, dem 8. Juli 2008, um 18 Uhr statt. Es sprechen Katharina Duckwitz (Vorstand des Kunstvereins in Bremen) und Dr. Anne Röver-Kann (Kustodin der Kunsthalle Bremen).
Am Dienstag, dem 22. Juli 2008 gibt es um 18.00 Uhr eine öffentliche Führung durch die Ausstellung. Folgende Kunstpausen beschäftigen sich mit der Ausstellung: Donnerstag, 25. September 2008 und Donnerstag, 2. Oktober 2008, jeweils um 13.00 Uhr mit Dr. Anne Röver-Kann.
Zu den Ausstellungen erscheinen in zwei Bänden zwei jeweils 96 Seiten umfassende Kataloge mit Texten von Anne Röver-Kann zum Preis von jeweils 16,- Euro.
[Bilder (von oben nach unten): Bild1: Hieronymus Hopfer Bildnis Kaiser Karl V., um 1520 Eisenradierung Inv. 22510 Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen; Bild2: Albrecht Dürer Die Kanone, 1518 Eisenradierung Inv. Klugkist 141 Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen; Bild3: Hanns Lautensack Die Landschaft mit dem Weidenbaum, 1553 Radierung Inv. 9438 Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen]
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