| Zucker für die Augen - Alfons Mucha in München |
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| Donnerstag, 08. Oktober 2009 um 11:07 Uhr | ||
Von Britta Gürke, dpa
München (dpa/lby) - Ein Haarlocke wickelt sich wie eine Blumenranke um den Arm einer schönen Frau, ihre Augenlider sind leicht geschlossen, der Blick geht nach unten - direkt auf eine brennende Zigarette der Marke «Job». Auf einem anderen Werbeplakat lehnt sich eine götterartige, rothaarige Schönheit mit träumendem Blick an eine Eisenstange - es ist der Lenker eines Fahrrads, das ganz und gar irdisch zum Verkauf steht. Alfons Muchas Werbeplakate verfehlen ihre Wirkung bis heute nicht. Sie sind echte Hingucker, Zucker fürs Auge.
Um 1900 stieg Mucha in Paris zum gefeierten Grafiker, Designer und Künstler des Jugendstils auf. In einer großen Retrospektive gibt die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München seit Donnerstag einen Einblick in diese und andere Lebensphasen des tschechischen Multitalents. Bis zum 24. Januar 2010 sind unter dem Titel «Alfons Mucha - Meister des Jugendstils» mehr als 200 Gemälde, Zeichnungen, Plakate, Juwelen und einiges mehr zu sehen. Gleichzeitig gibt es einen Einblick in die Zeit der Belle Époque. München ist nach Montpellier und Wien die letzte Station der Schau. Stilisierte Blumenranken, auffällige Ornamente, Mosaike, Schnörkel, zarte Farben und Frauenfiguren - für solche und andere auf das Schöne gerichtete Blickwinkel ist Mucha bis heute bekannt. Noch immer finden sich seine Bilder in Büchern, als Plakate oder Postkarten. «Aber Mucha war mehr als die Werbeplakate», sagt Leonie Mellinghoff von der Kunsthalle. «Die Ausstellung soll vor allem seine Vielseitigkeit zeigen.» Kurator Roger Diederen will auch die Wahrnehmung Muchas verändern: «Mucha hat bei vielen Leuten einen schlechten Ruf. Das liegt vor allem an schlechten Reproduktionen seiner Kalender und Plakate.»
Die Schau ist chronologisch angeordnet, und aus diesem Blickwinkel wird die Vielseitigkeit verständlich. 1878 wird der damals 18-Jährige an der Prager Kunstakademie abgelehnt und geht nach Wien. Hier arbeitet er als Kulissenmaler und ist fasziniert von der mondänen Kunst seiner Kollegen und dem Zauber des Theaters. Zwei Jahre studiert er in München, 1889 zieht er nach Paris. Er malt Plakate für die Schauspielerin Sarah Bernhardt und schafft damit den Durchbruch. Zahlreiche große Firmen fragen an, Mucha wird berühmt.
Bald hängen seine Bilder in den Häusern der Bourgeoisie, werden zu Teppichen und Wandbehängen. Aufregende und arbeitsreiche Zeiten beginnen. Mucha gestaltet einen ganzen Juwelier-Laden. In München sind erstmals wieder die Wandmalereien zu sehen, die er für den Pavillon Bosnien-Herzegowina zur Pariser Weltausstellung 1900 schuf. Auch Schmuck und andere Gebrauchsgegenstände entwirft er. Er illustriert Bücher und bringt eine Art Lehrbuch über seine Kunst heraus. Seine Ornamente und Figuren zieren sogar Keksdosen.
Erst 1910 sinkt sein Stern, er kehrt nach Prag zurück. Jetzt legt er allen Zwang zum Dekorativen, zur Gebrauchsgrafik ab und malt zwanzig monumentale Bilder, das «Slawische Epos». Er stirbt 1939 an einer Lungenentzündung.
Die Münchner Ausstellung öffnet den Blick auf all diese Stationen im Leben Muchas. Heute haftet dem Begriff Produktdesign viel Negatives an, selten wird er als Kunst verstanden. Für Mucha spielte die umstrittene Frage, wann die Kunst aufhört und zum Design wird, offenbar nie eine besonders große Rolle. Was zählte, war das schön Anzusehende.
«Die äußere Form ist eine Sprache, welche die Sinne auf die gleiche Weise anspricht wie die Musik», fasste Mucha selbst sein Kunst- und Designverständnis zusammen. «Denn auch die Musik sollte, um Vergnügen zu bereiten, harmonisch auf die Hörenerven ausgerichtet sein und alle Klangkombinationen vermeiden, die das Ohr ermüden könnten. Ähnlich sollten auch die Künste der Malerei, Bildhauerei und Architektur, die sich an das Auge richten, alle Bedingungen erfüllen, um dem Auge möglichst angenehm zu sein.» Tags: mucha
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