| GRASSIMESSE: 23.10. – 25.10.2009 |
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| Donnerstag, 08. Oktober 2009 um 17:56 Uhr | ||
An der vom 23.10. bis 25.10. 2009 stattfindenden GRASSIMESSE im Leipziger GRASSI Museum für Angewandte Kunst nehmen insgesamt 80 Aussteller aus Dänemark, Italien, Irland, Österreich, Japan, der Schweiz und Deutschland teil. Die von einer Fachjury ausgewählten Kunsthandwerker, Designer, Fachhochschulen und Künstlergemeinschaften präsentieren und verkaufen an 71 Messeständen ihre neuesten Arbeiten. Unikate, Kleinserien und Industrieerzeugnisse aus den Bereichen Mode und Textil, Schmuck und Accessoires, Möbel und Holz, Metall und Glas, Papier und Buchkunst, Keramik und Porzellan erwarten den Besucher.
Neben international bekannten Künstlern und zahlreichen Kunstpreisträgern präsentieren Absolventen und Studierende von neun europäischen Hochschulen mit dem Schwerpunkt Industriedesign aktuelle Arbeiten. Die Fachklassen der Freien Universität Bozen und der Hochschule für Gestaltung Pforzheim setzen beispielsweise auf interaktive Vermittlung ihrer Arbeit. Während die Hochschule Pforzheim die heute an allen Instituten gelehrte und praktizierte CAD Technik (computer aided design) vorstellt, wird eine Studentin der Fakultät für Design und Künste der Universität Bozen ihr Projekt „scott“ präsentieren. Dahinter verbirgt sich eine neuartige Beschichtung von Möbeln, die sich aus der interaktiven Beteiligung der Besucher entwickelt. Im Ausstellungsbereich werden speziell dafür Sitzmöbel für Messebesucher bereit stehen, an denen mit Hilfe eines besonderen Klebstoffes textile Spurenfasern der Kleidung haften bleiben und auch die jeweilige Sitzhaltung registriert wird. Auf diese Weise entsteht im Laufe der Messetage ein ganz individueller textiler Überzug, eine Art Patina.
Schmuckdesigner zeigen die gesamte Bandbreite zeitgenössischer Gestaltung. Man findet sowohl das zeitlos moderne Goldschmuck beispielsweise von Ulla und Martin Kaufmann/ Hildesheim oder Ursula Gnädinger/ Potsdam wie auch das experimentelle, künstlerisch freie Objekt. Auffallend ist die Hinwendung zu Broschen, oft sehr farbig und von biomorphen Formen inspiriert, wie sie beispielsweise Alessandra Pizzini/ Nürnberg und Mirjam Hiller/ Potsdam präsentieren. Edle Messer bieten zwei junge Designer: Jan Hebach/ Hildesheim und Günther Löbach/ Braunschweig arbeiten beide in der aufwändigen Damasziertechnik. Messern und Schwertern dieser Machart wurden in der Vergangenheit oft mythische Kräfte nachgesagt. Heute sind sie nicht nur wegen ihrer tatsächlichen Härte beliebt, sondern auch wegen des interessanten Musters, das durch die spezielle Schmiedetechnik entsteht.
Traditionelle Handwerkstechnik hingegen wird die Glasfachschule Zwiesel mit ihren am Glasofen entstandenen Unikaten vorstellen. Seit langem wieder einmal auf der Grassimesse zu sehen: ein Korbflechter alter Schule. Allerdings überschreitet der in Dänemark lebende Klaus Titze die üblichen Grenzen seines Handwerks. Seine Idee der „Betonkörbe“ besteht in der Verwandlung von Weide-Flechtwerk zu Beton durch den Prozess des Verglühens bzw. Verbrennens. Auf die Weidebogen trägt der 57-Jährige lagenweise Fasermörtel auf. Bei dem sich anschließenden Verbrennen fällt das lose Material ab, der Rest des Weidengeflechts verschmilzt mit dem Mörtel und hinterlässt einen fossilartigen Abdruck. Der in Bremen lebende Manfred Schmid, der sich seit Jahren auf japanische Lacktechniken spezialisiert, stellt seine sensationell edlen „Erbstücke“ vor. Ein Dosenpaar aus Sterlingsilber und schwarzem Urushi-Lack, beide perfekt in Form und makelloser Oberfläche.
Die GRASSIMESSE gilt als wichtige internationale Verkaufsmesse für angewandte Kunst und Produktdesign mit einer bis ins Jahr 1920 reichenden Erfahrung. Die alljährlich Ende Oktober stattfindende Messe lädt zum Schauen, Informieren und Kaufen ein und ermöglicht einen Blick auf internationale Gestaltungstrendsund Innovationen.
Die Fachjury vergibt vier Grassipreise für herausragende Arbeiten:
Für die Teilnahme an der diesjährigen GRASSIMESSE hatten sich knapp 300 Kunsthandwerker, Designer, Hochschulen und Künstlergemeinschaften aus ganz Europa, Asien und Südamerika beworben.
[Bilder (von oben nach unten): Bild1: Aliki Apoussidou: Vier-Würfel-Schale. Eisen, geschmiedet. 60 x 150 x 150 mm (Foto Aliki Apoussidou); Bild2: Dörte Behn: Trompetenschal. Leinen, Mehrfachgewebe. 50 x 200 cm (Foto: Jürgen Liefmann); Bild3: Maike Dahl: Milchkannen. Silber, gefaltet, gelötet. H 13 – 19 cm, Dm 6 – 9,5 cm (Foto: Thomas Langreder); Bild4: Marianne Eggimann: Gorilla auf Sessel. Porzellan-Paperclay, modelliert, glasiert. H 12 cm (Foto: Jörn Lies)]
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Design im Prozess – Kunsthandwerk in Perfektion
Im Bereich Porzellan reicht das Spektrum von praktischem Gebrauchsgeschirr von Martina Zwölfer/ Österreich bis hin zu extrem provozierendem figürlichen Porzellan der in Leipzig lebenden Schweizerin Marianne Eggimann. Ihr sitzender, aggressiv anmutender Gorilla ist weit davon entfernt, behagliches Vitrinenstück sein zu wollen.
Poetisch, spielerisch und mit leisem ironischem Unterton wirken die bunten Papierobjekte von Heike Roesner/ Berlin. „Kuh in Hanglage“ oder „Hund im Wald“ heißen einige der durchaus benutzbaren stabilen Schatullen aus Papierkasché auf Maschendraht.
Der Bereich Textil bietet neben den in aufwändiger Shibori-Technik von Hiroshi Murase/ Japan gefertigten, plastisch wirkenden Stoffen u.a. qualitätsvolle Schals von Andreas Möller/ Hamburg. Die Leipzigerin Gabriele Wiegand präsentiert ihre neueste Kollektion eleganter Mode, junge tragbare Mode in veredeltem Strickverfahren hergestellt.