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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Gigantisch, schön und schrecklich: Ai Weiwei in München PDF Drucken E-Mail
Samstag, 10. Oktober 2009 um 07:25 Uhr

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Von Britta Gürke, dpa

 

 

München (dpa) - Es ist ein beunruhigender Kontrast. Fast fühlt es sich an, als wäre der Wald aus verschrumpelten, uralten Baumstämmen lebendig, als lauerten überall bösartige Monster. Der Boden aber ist weich, ganz und gar nicht gefährlich, einlullend. Draußen, am Rand des Waldes, blicken genau 1001 Augenpaare auf den Spaziergänger. Regelrecht in seine Kunst hinein zieht Ai Weiwei die Betrachter seiner gigantischen Installation «Rooted upon». Das raumfüllende Werk hat der chinesische Künstler zum Teil eigens für seine neue Ausstellung «So Sorry» im Münchner Haus der Kunst geschaffen. Drei Jahre sind zwischen Idee und Umsetzung vergangen, an diesem Sonntag (11. Oktober) wird die langerwartete Schau eröffnet. Bis 17. Januar 2010 ist sie zu sehen.   

 

«Wir müssen einen Kommentar zu den schlechten Dingen in unserer Welt abgeben, sonst sind wir ein Teil davon», sagte Ai Weiwei, der zu den international berühmtesten chinesischen Künstlern gehört, am Freitag. Er selbst ist einer der provokantesten Kritiker des kommunistischen Systems in seiner Heimat. Leidenschaftlich kommentiert und kritisiert er das Regime in seinen Blogs und in seiner Kunst.   

 

Dafür nimmt er immer wieder Risiken auf sich. Erst vor einigen Wochen wurde er von chinesischen Sicherheitsleuten so brutal zusammengeschlagen, dass ihn nur eine Operation in München rettete. Vor seinem Haus in Peking sei erst vor zwei Wochen eine noch größere Überwachungskamera installiert worden, hieß es. Gesundheitlich gehe es ihm mittlerweile wieder gut, auch wenn er einen Besuch auf der Frankfurter Buchmesse hatte absagen müssen. «Die Ärzte haben gesagt, es dauert zwei Monate, bis mein Erinnerungsvermögen wieder ganz normal funktioniert. Aber ich habe sowieso kein gutes Gedächtnis», sagte er lächelnd. Überhaupt lächelt der 1957 geborene Ai Weiwei oft, berichtet schmunzelnd von seiner Zeit als Kunststudent in New York in den 1980er Jahren.   

 

Gleich mehrere Arbeiten geben einen Überblick über Ai Weiweis Idee, wertvolle Antiquitäten zu zerstören oder umzufunktionieren und so in einen ganz neuen Zusammenhang zu setzen. So hat er fünf neolithische Vasen aus der Zeit zwischen 3000 und 5000 vor Christus einfach in Industriefarbe getaucht und ihnen dadurch einen Fließband- Look verpasst.   

 

Eindeutig schrecklich und gleichzeitig sehr berührend ist die wohl spektakulärste Installation, die die Außenfassade des Haus der Kunst je gesehen hat. 9000 eigens angefertigte Rucksäcke hängen dort und erinnern an die namenlosen Kinder, die beim verheerenden Erdbeben im Mai 2008 in der chinesischen Provinz Sichuan ums Leben gekommen sind. Zusammen mit einem Team Freiwilliger recherchierte Ai Weiwei gegen den Widerstand der Regierung die Namen der Toten und veröffentlichte sie in seinem Blog. Die Rucksäcke schließen sich von Weitem zu dem chinesischen Schriftzug «Sieben Jahre lang lebte sie glücklich in dieser Welt» zusammen.   

 

Vielen Deutschen ist Ai Weiwei vor allem mit seinen Arbeiten bei der documenta 2007 in Kassel in Erinnerung. Auch darauf blickt die Ausstellung zurück. So ist die riesige Skulptur «Template» aus Türen chinesischer Hofhäuser, die dem Pekinger Baumboom zum Opfer fielen, zu sehen. Sie war in Kassel nach Dauerregen eingestürzt - Ai Weiwei gefiel die neue Form. Einen Rückblick gibt es auch auf das Projekt «Fairytale», bei dem Ai Weiwei 1001 Chinesen nach Deutschland reisen ließ. Ihre Fotografien umgeben «Rooted Upon».   

 

Der Teppich «Soft Ground», auf dem die Baumstämme von «Rooted Upon» stehen, sieht dem Fliesenboden des Haus der Kunst täuschend ähnlich und es ist schwer, sich einen passenderen Ort dafür vorzustellen. Da liegt die Frage nahe, ob Ai Weiwei sich vor allem auch nach den Schlägen auf ihn vorstellen könnte, nicht mehr nach China zurückzukehren und in Deutschland zu bleiben. Auch dafür hat er trotz aller Schrecken eine humorvolle Antwort parat: «Ohne mich wäre das Regime dort sehr einsam.»



Tags: weiwei  
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