| Pionier der Abstraktion: Vantongerloo neu entdeckt |
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| Samstag, 10. Oktober 2009 um 18:00 Uhr | ||
Von Gerd Korinthenberg, dpa
Duisburg (dpa/lnw) - Er war einer der aufregendsten und einflussreichsten Künstler der Abstraktion - und ist dennoch selbst manchen Kunstkennern kaum mehr ein Begriff. Den Belgier Georges Vantongerloo (1886-1965), an der Seite Piet Mondrians 1917 Mitbegründer der geometrisch-puristischen De-Stijl-Gruppe, stellt seit Samstag eine umfangreiche Ausstellung im Duisburger Lehmbruck Museum vor. Erstmals wird (bis 10. Januar 2010) das Werk des zeitlebens experimentierenden Utopisten in einen europäischen Zusammenhang eingebettet: Als anspruchsvolle Seh- und Denkschule stehen in Duisburg seine 140 Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Möbelentwürfe und Architekturen im Dialog mit 60 Werken Kandinskys, zeitgenössischer Konstruktivisten wie Mondrian und van Doesburg oder des Schweizer Künstlerfreundes Max Bill, aus dessen Nachlass viele der nie zuvor gezeigten Arbeiten des Belgiers stammen.
Dass sich Vantongerloos Oeuvre gedanklich tiefgründig zwischen Baruch Spinozas «Ethik», monistischer Weltsicht und modernen Erkenntnissen von Mathematik, Physik und Astronomie bewegt, hat sicher nicht zur Popularisierung des Lebenswerkes beigetragen. Aber: Hinter dem spröden Titel «Konstruktion der Beziehungen von Volumen, die sich aus der gleichseitigen Hyperbel xy=k ableiten» (1929) verbirgt sich eine fast schwerelose, weit in den Raum ragende kühne Rechteck-Konstruktion ohne optischen Schwerpunkt, hinter der vieles von Malewitsch bis Mondrian brav aussieht.
«Das Denken von Einheit und unendlichem Raum hat sein Leben bestimmt», verknappt Duisburgs Museumschef und Vantongerloo-Forscher Christoph Brockhaus den Anspruch des Künstlers, der auch in seinen utopischen Architektur- und Stadtplanungen immer und eigentlich Bildhauer geblieben sei. Und dass er dabei in äußerst verknappten Zeichnungen zum Pionier der erst 50 Jahre später aktuellen Minimalkunst geworden ist, zudem mit seiner Art Foto-Skizzen der Lichtbildnerei neue Wege gezeigt hat, gehört zu den überraschenden Erkenntnissen der überaus detailreichen Schau.
Recht konventionell mit einer Reihe von Porträts begann die Laufbahn des Antwerpeners, der zunächst die Frauenfigur zu seinem Leitmotiv erkoren hatte: Binnen weniger Jahre, so zeigt die Ausstellung frappierend, dekonstruierte er das Sujet von der akademischen Bleistiftzeichnung (1915) zu einer winzigen, kantigen aber dennoch bezwingenden Mini-Skulptur, die aus «Klötzchen» in klaren De-Stijl-Farben zur «Komposition aus dem Ovoid» (1918) gefügt ist. Schon bald wandte sich Vantongerloo von der Verliebtheit zum rechten Winkel seiner Konstruktivisten-Kollegen ab, ließ farbige, sich verjüngende Linien gekrümmt in den Raum schießen («Parabelfunktion»/1937) und findet sich damit im Museumssaal in der Nähe eines federleichten Calder-Mobiles von 1940 wieder.
Im Nachkriegswerk mehren sich amorphe Formen vor allem in den Plastiken, die kaum mehr durchschaubaren mathematischen Regeln gehorchen; Fältelungen des Nordlichts standen zu «Aurora Borealis» (1960) als Zwitter aus Malerei und Skulptur Pate. Plexiglas taucht schließlich als «Komposition mit Lichtbrechung» (1958) auf, in dessen Prismen die Farben schillern - verschieden, je nach Standpunkt. Tags: vantongerloo
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