| Reaktion auf Schau im Gropius-Bau: 40 DDR-Werke |
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| Sonntag, 11. Oktober 2009 um 08:28 Uhr | ||
Von Elke Vogel, dpa
Berlin (dpa) - Der Aufschrei war groß, als im Berliner Martin- Gropius-Bau im Sommer die Ausstellung «Sechzig Jahre. Sechzig Werke» eröffnete und klar wurde: Kein Künstler aus der DDR war für die Schau über deutsche Kunst der Jahre 1949 bis 2009 berücksichtigt worden. Was die Ausstellungsmacher mit ihrem Konzept «Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland» begründeten, ließ bei Künstlern und Kunstfreunden in Ostdeutschland ein Gefühl der Ausgegrenzheit zurück.
Die 99-jährige Schriftstellerin Elfriede Brüning («Ein Kind für mich allein», «Regine Haberkorn») und der Verlag Neues Leben (Berlin) reagierten auf die Empörung jetzt auf schlichte, aber wirkungsvolle Weise: Mit der Kunstmappe «40 Kunst-Werke aus der DDR» stellten sie ein Kompendium von Kunst aus 40 Jahren DDR zusammen, das viel, aber vielleicht immer noch zu wenig über die Arbeits- und Denkweisen der Künstler in dem Land hinter Mauer und Stacheldraht verrät.
Ausgesucht wurden für die Mappe mit Kunstdrucken ausschließlich Gemälde - gegenständliche wie abstrakte, die im Osten Deutschlands zwischen 1945 und 1990 entstanden und die DDR-Bürger begleiteten. Nicht fehlen darf da natürlich Walter Womackas Werk «Am Strand» (1962/63). Als Reproduktion hing das Sehnsuchts-Bild eines verliebten Paares in vielen DDR-Wohnungen und auch eine Briefmarke zierte das Bild.
Von der Studie zu Werner Tübkes in der DDR als fortschrittlich gefeiertem «Bauernkriegspanorama» in Bad Frankenhausen (1983-1987) bis zu Harald Metzkes regimekritischem «Abtransport der sechsarmigen Göttin» (1956) deckt die Auswahl alle großen Namen ab. Zu sehen ist auch Lothar Zitzmanns pathetisches «Weltjugendlied» (1975). Aber auch unpolitischere, unverfänglichere Bilder sind dabei: ein Stillleben von Günther Brendel, Frauen-Akte von Jutta Damme und Curt Querner, Stadtansichten von Otto Nagel und Konrad Knebel und Bernhard Heisigs «Meine Mutter» (1967).
Die Mappe sei «eine Auswahl bekannter, wichtiger Werke aus der untergegangenen DDR mit verschiedenen Handschriften, Ansichten und Absichten», heißt es im Begleittext von Brüning. Was fehlt, ist die Einordnung der Werke in den zeitgeschichtlichen Kontext. Vor allem jüngere Betrachter werden wissen wollen, unter welchen Umständen Gemälde wie Wolfgang Mattheuers «Die Flucht des Sisyphos» (1972), Eberhard Heilands «Die Aura der Schmelzer» (1988) oder Willi Sittes «Schwimmer» (1971) entstanden sind.
Wie sah die DDR-Biografie der Künstler aus? Waren sie reine «Staats-Künstler», die Aufträge erfüllten oder gab es auch Maler, die in mehr oder weniger offener Opposition zur SED-Herrschaft lebten und arbeiteten? Wie konnte künstlerischer Widerstand aussehen? Alles Fragen natürlich, die ein ganzes Buch rechtfertigen würden, das weit über die bloße Betrachtung von Kunst hinausgeht. Tags: ddr
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