| Van Gogh hat das Wort: Bilder und Briefe vereint |
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| Montag, 12. Oktober 2009 um 12:21 Uhr | ||
Amsterdam (dpa) - Als Vincent van Gogh Sonnenblumen malte, tat er das «mit der Begeisterung eines Marseillers, der Bouillabaisse isst». Am liebsten hätte er im August 1888 nichts anderes auf die Leinwand gebracht und obendrein alle möglichen Wände mit Sonnenblumen bemalt. Wir wissen das vom Meister selbst. Woran er arbeitete und was ihm durch den Kopf ging, hat er in Hunderten von Briefen mitgeteilt. Seit dem Wochenende sind sie weltweit rund um die Uhr zugänglich, systematisch geordnet und per Mausklick verbunden mit Abbildungen sämtlicher Werke, eigenen und fremden, auf die Van Gogh jemals in seiner Korrespondenz Bezug nahm.
Gründlicher als mit der Website www.vangoghletters.org ist die häufigste Museumsbesucher-Frage «Was hat der Künstler sich dabei gedacht?» nie zuvor beantwortet worden. Zeitgleich mit dem Online-Start wurde die sechs Bände umfassende Gesamtausgabe der Korrespondenz Van Goghs veröffentlicht. Und bis zum 3. Januar 2010 zeigt die Ausstellung «Van Goghs Briefe - Der Künstler hat das Wort» in Amsterdam 120 ausgewählte Briefe jeweils in Kombination mit den darin erwähnten Gemälden und Zeichnungen. Viele der fragilen Schriftstücke aus dem Museumsfundus waren schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Original zu sehen.
«Niemals zuvor waren wir in der Lage, Van Gogh derartig nahe zu kommen, als Künstler wie als Mensch», sagt der aus Dortmund stammende Direktor des Van Gogh Museums, Axel Rüger. «Besucher werden Zeuge seiner Träume und seiner Enttäuschungen, seiner Freund- und Feindschaften, seines Kampfes gegen die Krankheit und seiner alles verschlingenden Passion, Kunst zu schaffen, die die Zeiten überdauert.»
15 Jahre haben Experten des Van Gogh Museums und der Königlichen Niederländischen Akademie der Künste und Wissenschaften an diesem größten und teuersten Forschungsprojekt gearbeitet, das dem genialen Mitbegründer der Modernen Malerei jemals gewidmet wurde. Van Goghs Werke, seinen Schaffensprozess, seine Gedanken- und Lebenswelt wurden für ein globales Publikum zugänglich gemacht. Mit der Suchfunktion lassen sich Briefpassagen leicht finden, ein Klick holt Hintergrundinformationen und die jeweils angesprochenen der weit mehr als 2000 Werke auf den Bildschirm.
Die 902 Briefe, die im Original niederländisch oder französisch geschrieben wurden, sind vollständig auch ins Englische übersetzt. Auf «Sunflowers» (Sonnenblumen) wird in 55 Briefen Bezug genommen. So berichtet Van Goghs Bruder Theo kurz vor Weihnachten 1889 aus Paris, zwei von Vincents Sonnenblumen-Bildern seien in der Galerie Tanguy auf wohlwollendes Interesse gestoßen. Ein echter Trost war das für den damals noch weitgehend verkannten Van Gogh freilich nicht. «Wir leben in Zeiten», beklagte er in einem Brief an Bruder Theo, «in denen es keinen Markt gibt für das, was wir tun ... Und ich fürchte, daran wird sich in unserer Lebenszeit kaum etwas ändern.»
Der 15-jährigen Forschungsarbeit mit den Briefen und ungezählten anderen Quellen ist nicht nur eine einzigartige digitalisierte Datenbasis zu verdanken, sondern auch ein nuancenreicheres Bild des Künstlers. So tritt an die Stelle des Klischees eines unberechenbaren geistesgestörten Genies das Bild einer entschlossenen starken Persönlichkeit, eines Malers, der in der Lage ist, seine Gedanken überzeugend zu Papier zu bringen - oft in literarischer Qualität.
Van Gogh erweist sich als Freund der Worte, und er bricht eine Lanze für die Künstler der schreibenden Zunft. So mancher Maler glaube, «dass Worte gar nichts sind», schrieb er im April 1888 an den 20-jährigen französischen Maler und Schriftsteller Emile Bernard. «Ganz im Gegenteil,... es ist ebenso interessant und schwierig, eine Sache zu beschreiben, wie sie zu malen.» |
























































