| Paris: Retrospektive zum 90. Geburtstag von Soulages |
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| Donnerstag, 15. Oktober 2009 um 05:07 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dp
Paris (dpa) - Pierre Soulages liebt Schwarz, nicht weil die Farbe Trauer, Anarchismus oder Feierlichkeit zum Ausdruck bringt, sondern Licht. «Meine Vorliebe für die Farbe ist frei von jeglichem Gemütszustand. Mit Schwarz beginnt das Licht zu leben», sagte der Maler, der einer der bedeutendsten lebenden Künstler Frankreichs ist. Anlässlich seines 90. Geburtstags widmet das Pariser Centre Pompidou dem Franzosen, der am 24. Dezember 1919 in Rodez, in Südfrankreich, geboren ist, eine umfangreiche Retrospektive. Rund 120 Werke sind bis zum 8. März zu sehen, die dem Besucher auf den ersten Blick zeigen, dass sich der Künstler seit rund 60 Jahren dem Schwarz verschrieben hat.
Schwarz-Malerei - wohin das Auge reicht. Und dennoch wirken die Säle mit ihren großformatigen Arbeiten nicht monoton. Denn der Maler spielt auf den schwarzen Farbflächen mit der Reflexion des Lichtes. Die Bilder, zum Teil nur aus wenigen heftigen Pinselstrichen bestehend, verändern sich je nach Lichteinfall und lösen beim Betrachter ganz unterschiedliche Assoziationen aus. Die rund 120 Werke, darunter Gemälde und Papierarbeiten, decken die gesamte künstlerische Schaffensphase des Hauptvertreters der abstrakt- ungegenständlichen Malerei ab und reichen von 1946 bis 2009. «Wir sind stolz darauf, auch die jüngsten Werke ausstellen zu können, die direkt aus seinem Atelier stammen», erklärte der Direktor des Centre Pompidou, Alfred Pacquement.
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut, was dem Besucher erlaubt, der auf den ersten Blick vor allem schwarze Bildserien entdeckt, den allmählichen Stilwechsel des Künstlers nachzuvollziehen. Die ersten abstrakten Kompositionen sind in den Nachkriegsjahren entstanden und bilden schwarze kräftige und dynamische Striche auf hellem Hintergrund ab. Bei dieser gestischen Malerei verwendet Soulages die Farbe Schwarz, um den Lichteffekt von Weiß und anderen Farben zum Ausdruck zu bringen. 1979 schließlich nimmt seinen Malerei eine Wende. Der Künstler entscheidet sich, Schwarz als Farbfläche zu nehmen und lässt jeglichen hellen Hintergrund verschwinden. Diese vom monochromen Schwarz beherrschte Schaffensphase nennt er «Outrenoir», was übersetzt etwa «jenseits von Schwarz» heißt.
«Mit diesem Begriff wollte ich zum Ausdruck bringen, dass sich hinter der Farbe Schwarz noch etwas anderes befindet», erklärte Soulages. Von diesem Zeitpunkt an benutzte der Künstler Schwarz nicht mehr nur dazu, Licht einzufangen, sondern als Farbfläche, um Licht zu schaffen. Seine Kompositionen werden flächendeckend schwarz. Ihre Ausdruckskraft wird durch den Rhythmus der Pinselstriche bestimmt, die horizontal, vertikal oder diagonal durch die Komposition verlaufen und dem Bild eine Struktur, ein Relief verleihen, was die schwarze Oberfläche des Bildes zum Glänzen bringt.
Die großformatigen Werke haben in der Ausstellung genügend Platz, um ihr faszinierendes Lichtspiel zu entfalten. Einige der Arbeiten, vor allem die aus den vergangenen fünf Jahren, wurden an Stahlseilen an der Decke aufgehängt, damit der Besucher die «Schwarz-in-Schwarz- Malereien» als dreidimensionale Kunstwerke wahrnehmen kann. Soulages Faszination für Schwarz ist auch 60 Jahre nach seinen ersten abstrakten Kompositionen, die chinesischen Schriftzeichen gleichen, ungebrochen: «Ich liebe die Autorität des Schwarz. Es ist eine Farbe, mit der sich nicht verhandeln lässt. Eine gewalttätige Farbe, die aber gleichwohl zur Verinnerlichung zwingt, denn sie ist gleichzeitig Farbe und Nichtfarbe.» |
























































