| Knappe Kassen: Museen leiden unter Sparzwang |
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| Sonntag, 18. Oktober 2009 um 09:00 Uhr | ||
Von Leticia Witte, dpa
Magdeburg/Bernburg (dpa/sa) - Knappe Kassen, Personalmangel, fehlende Mäzene: Vor allem kleine und mittlere Ausstellungshäuser haben nach Angaben des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt mit solchen Widrigkeiten zu kämpfen. Einzelne Museen sind sogar in ihrer Existenz bedroht, wie Verbands-Geschäftsführerin Susanne Kopp-Sievers in Bernburg sagt. So seien etwa das Winckelmann-Museum in Stendal und das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum in Freyburg (Burgenlandkreis) gefährdet - immerhin Häuser, die sich mit dem Archäologen Johann Joachim Winckelmann und Turnvater Jahn bekannten Persönlichkeiten widmen.
In Sachsen-Anhalt gibt es Kopp-Sievers zufolge 225 Museen, vom Weltkulturerbe bis zur Heimatstube. «Die Museen in kommunaler Trägerschaft sind sehr knapp mit Personal ausgestattet. Es gab einen rigiden Abbau im Zuge von Haushaltskonsolidierungen», sagt die Geschäftsführerin. Auch fehlten Mittel für Sonderausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik. Kopp-Sievers betont, dass auch große Museen von Sparmaßnahmen betroffen seien. Wenn hauptamtliche Mitarbeiter fehlen, leide zum Beispiel die Qualität von Ausstellungen oder die Dokumentation von Beständen.
«Wir sind ein Kernland deutscher Geschichte», sagt Kopp-Sievers. So gehören zum Beispiel die Stätten, an denen der Reformator Martin Luther (1483-1546) gewirkt hat, zum UNESCO-Welterbe, so sein Wohnhaus in Wittenberg. «Wir haben in Sachsen-Anhalt ein überregional bedeutendes Erbe», betont sie. Es sei richtig und wichtig, dies zu pflegen und zu fördern. Dabei dürften aber nicht die Museen zur Stadt- oder Regionalgeschichte aus dem Blick geraten. «Es gilt ja auch, regionale Identitäten zu stärken.» Zudem wäre es wünschenswert, wenn mehr Touristen etwa nach dem Besuch des zum UNESCO-Welterbe zählenden Bauhauses Dessau oder des Halberstädter Domschatzes überregional nicht so bekannte Museen in der Nähe entdecken würden.
Im Kreis Mansfeld-Südharz haben sich einige Museen zu einem Verbund zusammengeschlossen. Überalterte Ausstellungen, nur wenige Museumsexperten, fehlende Vernetzung - das wollten fünf Einrichtungen hinter sich lassen und eine höhere Qualität erreichen, erläutert die Amtsleiterin von Sangerhausen, Sibylle Lucas. Auch wenn mehr Qualität ihren Preis habe. «Wir wollen unser kulturelles Erbe erhalten.» Zudem sollten Touristen länger in der Region gehalten werden. «Einer allein schafft das nicht.»
Finanziert würden die verbundenen Häuser weiter von der Stadt oder dem Kreis, das Land habe für das Modellprojekt «Luthers Heimat» 2008 und 2009 insgesamt 88 480 Euro zur Verfügung gestellt. In den nächsten Jahren werde das Projekt weiterentwickelt. Luther wurde in Eisleben (Landkreis Mansfeld-Südharz) geboren, er starb dort auch.
Nicht jedes Museum abseits der bekannten Pfade hat Grund zur Klage. «Wir sind relativ zufrieden», sagt der Leiter des Museums Haldensleben zur Kulturgeschichte der Region, Ulrich Hauer. Für das vom Landkreis getragene Haus sehe er auch künftig keinen Grund zur Sorge. Die Finanzierung sei bislang konstant geblieben. Hauers Rezept: «Was wir leisten können, bieten wir.» In dem Museum arbeiteten derzeit vier hauptamtliche Mitarbeiter.
Große Häuser wie das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle oder die Stiftungen Moritzburg und Luthergedenkstätten befinden sich in Trägerschaft des Landes, kleinere Museen werden meist von einer Kommune unterhalten. Die Sprecherin des Kultusministeriums, Kathrain Graubaum, betont, dass die Sicherung der Finanzierung und Ausstattung Sache des jeweiligen Trägers sei.
Der Städte- und Gemeindebund verweist darauf, dass Museen in den Kommunen lediglich zu den freiwilligen Aufgaben gehören. Dabei gelte laut Enquete-Kommission, dass die Stärke der bundesweit kleinteiligen Museumslandschaft bewahrt und die mittleren und kleineren Häuser «vor Nachteilen einer ausschließlichen "Leuchtturmpolitik" zugunsten großer Häuser» gesichert werden müssten. Tags: museen
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