| Münchner Museen locken Nachtschwärmer |
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| Montag, 19. Oktober 2009 um 05:16 Uhr | ||
Von Charlotte Gerling, dpa
München (dpa/lby) - Die Ausstellungsräume des Museums Brandhorst in München sind gut gefüllt. Vor den bunten Bildern von Andy Warhol drängen sich sowohl Studenten als auch Rentner. Gesprächsfetzen sind zu hören, die Stimmung ist angeregt. Nur ein etwa 40-jähriger Mann sitzt etwas verlassen auf einer Bank und reibt sich die müden Augen. Bis auf ihn scheint sich niemand daran zu stören, dass es schon fast 2.00 Uhr nachts ist, eigentlich eine ungewöhnliche Zeit, um in ein Museum zu gehen. Der nächtliche Besuch ist einmal im Jahr zur «Langen Nacht der Münchner Museen» möglich, die am Samstag schon zum elften Mal stattgefunden hat und sich großer Beliebtheit erfreut. In diesem Jahr haben sich nach Schätzungen der Veranstalter etwa 20 000 Menschen eine Eintrittskarte für die «Lange Nacht» gekauft, mit der sie zwischen 19:00 und 2:00 Uhr insgesamt 90 Museen und Ausstellungen in München besuchen konnten.
Berühmte Frauen spielen im Bayerischen Nationalmuseum in dieser Nacht die Hauptrolle. Dort können die Besucher die Vorlage für das Plakatmotiv bewundern, eine Bronzestatue der Schleiertänzerin Loie Fuller. Um Wassernixen, die Fischersleute in die Tiefe des Meeres locken, Hexen und eine schöne Sennerin geht es in den Geschichten, die Katharina Ritter um Mitternacht erzählt. Ganz in schwarz gekleidet entführt sie die Zuhörer in ferne Welten. Beatrice und Thomas Kade hat besonders das Ambiente der Lesung gefallen. Das Ehepaar ist für die Museumsnacht aus Egling angereist und war vorher schon in der Pinakothek der Moderne und im Max-Planck-Haus. Das Bayerische Nationalmuseum soll die letzte Station an diesem Abend sein, den sie im Foyer bei einem Glas Wein ausklingen lassen. «Das ist praktisch, die Kinder schlafen schon und wir haben Zeit, ins Museum zu gehen», sagt Beatrice Kade. Ihr Mann ist vor allem mit der guten Organisation zufrieden.
Transportiert werden die Besucher in Shuttlebussen, die Eintrittskarte gilt gleichzeitig als Busfahrschein. Auch im Bus ist es voll. Viele Besucher scheinen es sich zum Ziel gesetzt zu haben, an diesem Abend möglichst viele Museen von innen zu sehen. Ein Mann in Jeans und Schirmmütze, etwa Mitte 30, fragt seinen Sitznachbarn: «Wollen wir ins Haus der Kunst reinschauen?» «Wenn, dann nur zehn Minuten, wir wollen doch weiter zu den Pinakotheken», antwortet sein Begleiter. Die meisten Besucher schaffen in den sieben Stunden fünf bis sechs Museen. Martin ist mit seiner Freundin Reyes, die aus Madrid zu Besuch ist, unterwegs. Die beiden waren in der Villa Stuck, im Haus der Kunst und im Museum Brandhorst. Ihnen gefällt besonders gut, dass man nicht jedes Mal eine Eintrittskarte kaufen muss und einfach nach Lust und Laune von einem Museum ins andere gehen kann. «Sonst würde ich bestimmt nicht in drei Museen am Tag gehen», meint Martin.
Das Museum Brandhorst gehört zu den meistbesuchten Orten dieser Nacht. Der Besucherstrom reißt nicht ab und die Dame an der Garderobe hat alle Hände voll zu tun. Für sie ist der Abend ein ganz normaler Arbeitstag: «Hier unten bekommt man gar nicht mit, ob es draußen hell oder dunkel ist, da muss man schon auf die Uhr schauen.» Das Publikum sei gemischt, wie immer. Einer der Aufpasser ist aber davon überzeugt, dass an diesem Abend weniger Touristen in den Ausstellungsräumen seien als sonst. Vielmehr schienen die Münchner die Gelegenheit zu nutzen, ihre eigenen Museen zu entdecken. |

























































