| Zukunft des Gängeviertels weiter ungewiss |
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| Dienstag, 20. Oktober 2009 um 12:43 Uhr | ||
Von Christina Lohner, dpa
Hamburg (dpa/lno) - Es ist bitterkalt in der «Puppenstube». Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden lassen erahnen, was sich hier vor 100 Jahren abspielte. Der karge Raum gehört zum letzten Zeugnis von Hamburgs früherem Stadtbild: das Gängeviertel, heute eingezwängt zwischen modernen Bürokomplexen. Unentwegt klingelt es an der Tür, Menschen verschwinden im Büro der Initiative «Komm in die Gänge». Ende August haben Hamburger Künstler die 12 leerstehenden Gebäude besetzt. Sie wollen damit auf die Raumnot Hamburger Künstler aufmerksam machen und das historische Viertel bewahren. Sie fordern, dass die Hansestadt vom Kaufvertrag mit dem holländischen Investor zurücktritt.
Doch am Dienstag hat der Investor Hanzevest überraschend eine der fälligen Raten doch noch gezahlt - nachdem er eine erste Frist hatte verstreichen lassen. «Endgültige Klarheit, was mit den Häusern und den Künstlern passiert, wird es erst in einer Woche geben», sagte Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) am Dienstag. Der Investor hat noch einen weiteren Vertrag mit der Sprinkenhof AG. Hier ist die Rate bis zum 26. Oktober fällig.
Der Investor will 80 Prozent der Gebäude abreißen und Büros und Wohnungen errichten. «Wir arbeiten weiter daran, den Künstlern eine Alternative anzubieten, wenn sie nicht bleiben können», sagte die Senatorin. Sie machte aber auch deutlich, dass der Investor bestimmt, was passiert. «Wir können reden, aber es gibt letztlich keine Handhabe mehr», betonte von Welck.
Die Künstler sind von der aktuellen Entwicklung entsetzt. «Das ist für uns das Worst-Case-Szenario», sagt Christine Ebeling (43) von der Gängeviertel-Initiative. «Wenn der Investor seine Planungen umsetzt, lässt sich das nicht mehr mit unserem Plan, das Viertel zu erhalten, vereinbaren.» Inzwischen ist die Schar der Unterstützer jedoch so groß, dass das Quartier nicht sang- und klanglos geräumt werden könnte. Seit der Besetzung im August waren über 10 000 Besucher da und Prominente wie der Regisseur Fatih Akin und der Maler Daniel Richter machen sich für den Erhalt stark. Am Wochenende bringen Busse sogar Touristengruppen zu dem Häuser-Ensemble.
Den Besuchern wird ein buntes Kulturprogramm geboten. «Wir haben Anfragen aus ganz Europa von Künstlern, die hier gerne mitmachen wollen», berichtet Ebeling. Insgesamt hätten sich bisher über 400 Menschen an dem Projekt beteiligt. In der «Druckerei» und «Fabrik» finden Lesungen, Theateraufführungen, Konzerte, Filmvorführungen und Vorträge statt. Eine russische Theatergruppe war schon da, genauso wie eine Schulklasse aus Wilhelmsburg, Künstler aus Berlin, München, Boston und Brüssel. Immer wieder kommen auch ältere Menschen vorbei, die hier vor Jahrzehnten gelebt oder gearbeitet haben. Ganz neu sind sonntags das Zeitzeugen-Café und die Führung durchs Viertel.
Die Initiative hat ein Nutzungskonzept erarbeitet, das für rund 60 Prozent der Fläche Wohnraum und Wohnateliers vorsieht. Im Moment sind die Obergeschosse aber aus Brandschutzgründen nach wie vor geschlossen. In den Erdgeschossräumen stellen Künstler aus, von Malerei über Skulpturen bis zu Video- und Klang-Installationen. Jeanette Kratzert (34) kommt so oft wie möglich, um das Haus «Speckstraße» mitzubetreuen. «Ich bin verliebt in diesen Ort», sagt die Grafikdesignerin. Ihr Mitstreiter Mark Matthes würde sofort in eines der geplanten Wohnateliers ziehen. «Das Gängeviertel ist für mich die Perspektive, einen Raum zu schaffen, den man schon immer vermisst hat», sagt der Künstler. Tags: k
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