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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Sehnsuchtsorte Worpswede, Paris oder Ostfriesland PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 20. Oktober 2009 um 17:55 Uhr

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In diesem Sommer konnte das Overbeck-Museum mit der großen Sonderausstellung „Ich bin nicht sentimental“ zum 100. Todestag von Fritz Overbeck mit 7.500 Besuchern neue Rekorde feiern. Jetzt stehen die „Sehnsuchtsorte“ des Malers und seiner Frau im Mittelpunkt. Aber nicht nur die Träume der Worpsweder sind Thema der aktuellen Ausstellung, sondern auch ganz moderne Sehnsuchtsorte von acht Bremer Künstlerinnen und Künstlern. Ergänzend zeigt das Overbeck-Museum außerdem in einem eigenen Saal eine reiche Auswahl an Radierungen Fritz Overbecks, die im Rahmen der Sonderschau im Sommer auf großes Interesse gestoßen sind. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Führungen, Künstlergesprächen und einer musikalischen Lesung rundet das Angebt ab.

 

Am 15. November um 19 Uhr bitten Hans Kemner und Jan Christoph zu einem besonderen Abend im Overbeck-Museum. Unter dem Titel „Geh bis an deiner Sehnsucht Rand“, ein Zitat von Rainer Maria Rilke, präsentiert das Duo einen Lyrikabend mit Klavieruntermalung zum Thema Sehnsucht. Zwischen den Werken von Fritz und Hermine Overbeck, die im Großen Ausstellungssaal nach Sehnsuchtsthemen wie Frühling, Mondnacht, Berge und Meer oder dem Blick aus dem eigenen Fenster geordnet sind, liest der u.a. durch viele Radio-Bremen-Produktionen bekannte Schauspieler Hans Kemner Gedichte von Rilke, Goethe und Claudius und kombiniert diese mit Texten des Schriftstellers Robert Walser, der in seinen Miniaturen ebenfalls Sehnsuchtsorte beschreibt. Jan Christoph ist seit langem Kemners musikalischer Partner und Spezialist für freie Klavierimprovisationen. Zusammen haben sie das Projekt „Lyrical“ entwickelt, die lyrische Variante des Musicals, mit dem sie in der ganzen Republik erfolgreich auf Tour gehen.

 

Darüber hinaus laden zwei Künstlergespräche die Museumsbesucher zum Dialog ein: „Sehnsuchtsorte“ lautet der Titel der Ausstellung, die im Vorderhaus ganz moderne Video- und Textinstallationen, Computerprints und Diasecs vereint. Kuratorin Marikke Heinz-Hoek präsentiert in der speziell für das Overbeck-Museum konzipierten Schau neben eigenen Arbeiten außerdem Werke von Christine Prinz, Michael Wendt, Edith Pundt, Isolde Loock, Thomas Behling, Claus Haensel und Herwig Gillerke. Einige der Künstler werden am 1. November 2009 und am 10. Januar 2010 um 16 Uhr im Overbeck-Museum selbst durch die Ausstellung führen und die Besucher zum Gespräch einladen. Das Thema der Schau kann dabei sehr frei interpretiert werde: Kleine Tuschezeichnungen von Paris laden ebenso zum Träumen ein wie ein Video, das an die versunkenen Dörfer Torum, Fletum und Okkeweer in Ostfriesland erinnert, oder aber der Schwellenmann (ein Bildobjekt mit Sound), der sich auf den Weg zu seinem persönlichen Sehnsuchtsort macht. Zusätzlich bietet die Kunsthistorikerin Regina Gramse am 29. November 2009 um 15 Uhr, am 13. Dezember 2009 um 11.30 Uhr sowie am 3. Januar 2010 um 15 Uhr Rundgänge durch den modernen Ausstellungsteil an.

 

Auch das Worpswede, das Fritz und Hermine Overbeck auf ihren Gemälden in Szene setzen, ist ein Sehnsuchtsort, steht es doch im Zeitalter der um sich greifenden Industrialisierung für ein Stück unberührte Natur, in der Mensch und Umgebung noch in einem ungebrochenen Zusammenhang miteinander zu leben scheinen. Nach Sehnsuchtsthemen gegliedert bietet die Dauerschau des Overbeck-Museums damit eine reizvolle Korrespondenzausstellung zu der zeitgenössischen Kunst im Vorderhaus. Die Sehnsuchtsorte der Overbecks erläutert Museumsleiterin Dr. Friederike Daugelat bei zwei Führungen am 8. November und am 6. Dezember 2009 um 11.30 Uhr. In dieser Konstellation sind die Werke des Malerpaars bisher noch nie präsentiert worden, und sie wollen Lust machen, eigene verborgene Sehnsüchte zu entdecken.

 

Ein zweiter Ausstellungssaal schließlich zeigt rund 50 Radierungen Fritz Overbecks. Dieser Teil der Schau greift den Wunsch vieler Besucher aus der Sommerausstellung auf, in der nur ein kleiner Teil des grafischen Werks von Overbeck präsentiert wurde. Aufgrund des großen Interesses ist diesem wichtigen Teil seines Schaffens nun ein eigener Raum gewidmet. Die Radiertechnik ist während seiner gesamten Schaffenszeit von großer Bedeutung für Fritz Overbeck gewesen. Erste Radierversuche stammen bereits aus seiner Düsseldorfer Studienzeit Anfang der 1890er Jahre. Der größte Teil seines grafischen Werks entstand jedoch in den frühen Worpsweder Jahren 1894 – 1900. Zur Internationalen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast 1895, die den Durchbruch der Worpsweder Künstler markiert, schickte Fritz Overbeck drei Gemälde und sechs Radierungen. An dieser Auswahl wird der Stellenwert deutlich, den er selbst seinen grafischen Arbeiten beimaß.

 

Auf der Internationalen Kunstausstellung 1897 in München schließlich wurde Fritz Overbeck nicht nur mit einer Großen Goldenen Medaille für sein Gemälde „Im Moor“ geehrt, sondern erhielt auch eine Kleine Goldene Medaille für seine – auch in der Ausstellung gezeigte – Radierung „An der Landstraße“. Die Druckplatten aus dem Werk Fritz Overbecks sind nicht erhalten: Bei einem Bombenangriff im Jahr 1944 wurde die Kunstdruckerei Felsing in Berlin zerstört, wo die Platten verwahrt wurden. Erst bei einer Nachlasssichtung im Jahr 1990 wurde der sensationelle Fund von zwei Platten gemacht. Alle übrigen Vorlagen sind vernichtet, so dass die letzten erhaltenen Radierungen Overbecks ebenfalls zu Sehnsuchtsorten werden können.



Tags: overbeck  fritz  f  
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