| Pariser Kunstmesse FIAC entpuppt sich als Krisengewinner |
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| Donnerstag, 22. Oktober 2009 um 17:31 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dpa
Paris (dpa) - Von der Wirtschaftskrise profitieren nur wenige. Die Pariser Kunstmesse, die bis vor knapp zwei Jahren noch im Schatten der Londoner Frieze oder der Kölner Art Cologne stand, scheint nun als Gewinner aus dem abgekühlten finanziellen Klima hervorzugehen. «Die FIAC galt für viele als zu konventionell, bürgerlich, nicht jung genug. Ihre Beständigkeit, Solidität und sichere Werte sind heute zu Pluspunkten geworden», sagte Jennifer Flay, die künstlerische Leiterin der vor 36 Jahren gegründeten Messe. Der Andrang sei dieses Jahr sehr stark gewesen. Sie mussten viele Galerien ablehnen, erklärte die ehemalige Galeristin. Insgesamt nehmen an dem viertägigen Kunstevent, das an diesem Donnerstag eröffnet wurde, 194 Galerien aus 21 Ländern teil, wobei das Gros der ausländischen Teilnehmer erstmals aus Deutschland kommt.
Die Galeristin ist wieder mit Jan Albers vertreten. Der in Wuppertal geborene Künstler ist bekannt für seine konzeptuellen Werke zwischen Figuration und Abstraktion. Der Verkaufswert der mit Gold- und Silberblatt bedeckten und perforierten Papierschichten- und streifen, die eine Art Krake bilden, liegt je nach Format zwischen 4 000 und 14 000 Euro. Preise, in denen sich die meisten Künstler im Cour Carrée des Louvre bewegen. In dem weißen Zelt sind 80 Galerien untergebracht, darunter auch die vor sechs Jahren gegründete Galerie Iris Kadel aus Karlsruhe.
Die Galerie gehört zu den 14 ausgewählten Teilnehmern, denen der Galeries-Lafayette-Erbe Guillaume Houzé finanziell unter die Arme greift. Als Hauptsponsor der Messe bekommt jede dieser jungen aufsteigenden Galerien einen Zuschuss von 4 500 Euro zu den Standkosten, die auch bei FIAC schon immer recht hoch waren. Für 30 Quadratmeter im Grand Palais muss mit rund 13 000 Euro gerechnet werden - ohne Strom- und Installationskosten.
Im Cour Carré, in dem man vor allem junge Galerien findet, sucht man vergeblich nach Provokationskünstlern. In der Koje der Pariser Kunsthändlerin Eva Hober etwa ist Jérôme Zonder vertreten, der mit Tusche und Kugelschreiber tausende von Punkten oder Klammern zeichnet und daraus komplexe Werke entstehen lässt, die an sternartige Explosionen erinnern. Die Werke liegen zwischen 3 500 bis 12 000 Euro. Nur knapp eine Stunde nach der Preview-Eröffnung am Dienstagnachmittag waren die ersten Werke verkauft.
Die Berlinerin Barbara Thumm gehört zu den deutschen Galeristen, die erstmals auf der FIAC vertreten sind. Sie zeigt Arbeiten von Valérie Favre und Jota Castro. Beides Künstler, die in Frankreich bereits in bekannten Museen gezeigt wurden. «Die Zeiten, in denen schnell entstandene Kunst oder Provokationskünstler in waren sind vorbei», sagt die FIAC-Leiterin. Die jungen Galeristen würden nach einer anderen Kunst suchen, die nicht nur auf den sofortigen «visuellen Reiz» ausgelegt sei.
Zu den Stammgästen der FIAC gehört «Nächst St. Stephan» im Grand Palais, wo die Veteranen des Kunstmarkts ausstellen. Die renommierte Wiener Galerie zeigt neben Herbert Brandl die Malerin Katharina Grosse. Ihre mit breiten Pinselstrichen und Spritzpistole geschaffenen Farbräume liegen zwischen 52 000 und 68 000 Euro. «Die FIAC ist keine Hype-Messe, was wir persönlich bevorzugen», erklärte die Galeristin Rosemarie Schwarzwälder.
Der Grand Palais wartet dieses Jahr mit mehr Klassikern der Moderne auf als sonst. So haben sich erstmals acht große internationale Galerien - darunter Acquavella aus New York, Thomas Amman aus Zürich und Malingue aus Paris - vereint, um gemeinsam auf 300 Quadratmetern Meisterwerke des 20. Jahrhunderts zu zeigen wie Picasso, Bacon und Fernand Léger.
Frankreichs bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, Pierre Soulages, dem das Centre Pompidou zu seinem 90. Geburtstag im Dezember derzeit eine Retrospektive widmet, ist in der Galerie Karsten Greve vertreten, die außerdem Louise Bourgeois, Cy Twombly und Lucio Fontana zeigt. Nach einem Damien Hirst wie auf der Londoner Art Fair Frieze sucht man vergeblich. Aber solche Medien- und Kunststars, die ihre Werke für Millionen von Dollar verkaufen, gehörten noch nie zum Aushängeschild der FIAC. |

























































Die Kauflust am Abend vor der Eröffnung war spürbar. In den Gängen und Kojen drängelten sich Kunstsammler, Kunsthändler und Museumsdirektoren. «Die Franzosen sind keine schnellen Käufer. Sie lassen sich Zeit. Wenn sie aber sagen, sie kommen wieder, dann stimmt das», sagt Galeristin Daniela Steinfeld aus Düsseldorf. Die Kunsthändlerin ist dieses Jahr zum zweiten Mal auf der FIAC. Im vergangenen Jahr habe sie ganz gut verkauft. Und auch dieses Jahr zeigt sich die ehemalige Künstlerin optimistisch: «Paris ist keine Rekordzahlen-Messe, aber die Kunden sind da.» In Paris wurde noch nie schnelles Geld gemacht und in den oberen Segmenten operiert.