| WORLD CULTURE FORUM hat „Dresdner Manifest“ Bundeskanzlerin Merkel zugeleitet |
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| Freitag, 23. Oktober 2009 um 18:26 Uhr | ||
Das WORLD CULTURE FORUM in Dresden hat heute Bundeskanzlerin Merkel ein DRESDNER MANIFEST zugeleitet. Es enthält 10 Thesen und Forderungen an die Regierungschefs der G 20, die auf dem 2. WORLD CULTURE FORUM am 10. Oktober 2009 verabschiedet wurden.
Dresden, den 23. Oktober 2009. Wie bekannt fand vom 8. bis 10. Oktober in Dresden das 2. WORLD CULTURE FORUM – Initiative für eine „Kultur in Balance“ mit knapp 1000 Teilnehmern und 80 Referenten statt. Das WORLD CULTURE FORUM ist eine Initiative des FORUM TIBERIUS – Internationales Forum für Kultur und Wirtschaft und wird unterstützt von der Robert Bosch Stiftung, vom Freistaat Sachsen und vom Bundeskulturstaatsminister. Die ursprünglich von Prof. Kurt Biedenkopf und Prof. Meinhard Miegel erdachten Grundsatzthesen dieser Initiative wurden jetzt im Oktober 2009 weiterentwickelt und von allen Beteiligten und Teilnehmern zu diesem Abschlusskommunique als DRESDNER MANIFEST verabschiedet.
Zur Überwindung der globalen Krise werden in dem DRESDNER MANIFEST für die Regelung des Zusammenlebens der Menschen und Völker die Kulturen als Letztinstanz der Dominanz des Ökonomischen entgegengestellt. Zentrale Prinzipien für eine zukunftsfähige Ordnung der Weltwirtschaft werden darin aufgezeigt. Unterzeichner sind unabhängige Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft, darunter namhafte Vertreter des Club of Rom, des Club of Budapest, der Goi Peace Foundation, Japan und der International Art of Living Foundation, Indien. Diese bürgerschaftliche Initiative will die Bemühungen der Bundeskanzlerin unterstützen, eine weltweite Verständigung über gemeinsame Grundwerte des Wirtschaftens zu erreichen.
DRESDNER MANIFEST 10 Thesen und Forderungen an die Staats- und Regierungschefs der G20
1. Kulturen als Letztinstanz Kulturen bzw. Zivilisationen sind die Letztinstanz für die Regelung des Zusammenlebens der Menschen und Völker. Sie klären Fragen der Werte, der Ethik und des Ausbalancierens unterschiedlicher Kräfte und Antriebe. Sie klären, was letztlich die zentralen Anliegen von Gesellschaften sind und mit welchen Mitteln diese verfolgt werden.
2. Zentrale Prinzipien Zentrale Prinzipien, die sich in allen großen Kulturen und Zivilisationen entwickelt haben, betreffen das Wechselspiel von Freiheit und Solidarität, die universellen Menschenrechte, die Verantwortung für die Natur und die ganze Schöpfung, die Sorge um die Würde aller Menschen, Fragen der Gerechtigkeit und der Verantwortung innerhalb und zwischen Generationen, die Freude am Tun und die Freude am Leben.
3. Zur Rolle der Ökonomie Das Ökonomische ist ein wesentlicher Teil aller Kulturen und Zivilisationen. Es liefert Güter und Dienstleistungen als Basis für unser Leben und für Entwicklungen, eröffnet Felder der Betätigung, gibt Raum für Arbeitsteilung, Kooperation und Konkurrenz, befördert Innovation, schafft Sicherheit im Lebensalltag und eröffnet Zukunftschancen. 4. Erforderliche Grenzen für die Ökonomie Bei aller Bedeutung des Ökonomischen bleibt dieses dennoch nur Teil der Kultur, so wie das Zusammenleben, die Reproduktion, die Künste, die Wissenschaft, die Medien. Und aus der Kultur müssen die „Leitplanken“ gewonnen werden, um das Ökonomische immer wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Die zunehmende Dominanz enger und einseitiger ökonomischer Maßstäbe für immer weitere Bereiche des Lebens hat die Welt in der jüngeren Zeit an den Abgrund gebracht – schon lange vor der aktuellen Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise.
5. Eine zukunftsfähige Ordnung für die Weltökonomie Für eine zukunftsfähige Ordnung der Weltökonomie bieten sich Erfahrungen erfolgreicher Nationalstaaten so wie der Nachhaltigkeitsbewegung an. Es gilt, mit durchsetzbaren Regeln, Anreize und Sanktionen, eine zukunftsfähige Balance zwischen den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales nachhaltig zu sichern. An die Stelle von Selbstregelung und freier Eigensteuerung der Märkte im marktfundamentalistischen Sinne muss eine weltweite ökologisch-sozial regulierte, nachhaltige Marktwirtschaft treten: ökosozial statt marktradikal!
6. Die neue Rolle der G20 ist ein großer Fortschritt Das WORLD CULTURE FORUM begrüßt den in Pittsburgh verabredeten Entschluss der Staatenwelt, die G20 anstelle der G8 zur wesentlichen Koordinierungsinstanz aller weltweiten Fragen zu machen, die mit Ökonomie, Finanzen, Ressourcen etc. verknüpft sind – natürlich in Wechselwirkung mit den Vereinten Nationen. Das ist für die Welt ein Schritt von epochaler Bedeutung, das vielleicht wichtigste und bleibende Resultat der aktuellen schweren Krise.
7. G20 und Weltdemokratie Eine gute Zukunft für die Menschen gibt es auf diesem Globus nur gemeinsam oder überhaupt nicht. Partizipation aller, aufmerksamer Dialog und faire Berücksichtung aller in Bezug auf die Regelung von Fragen weltumspannender Bedeutung sind dafür die Voraussetzung. Mit der Etablierung der Verantwortung der G20 für alle Regelungsbereiche des Zusammenlebens der Menschen und Völker ist aus Sicht des WORLD CULTURE FORUMs ein wichtiger Schritt in Richtung von mehr Demokratie auf Weltebene erfolgt. Zwei Drittel der Menschen und über 90% der Weltwirtschafsleistung sind damit an entscheidender Stelle vertreten.
8. Kritische Themen adressieren Das WORLD CULTURE FORUM begrüßt den Mut der G20, sofort zentrale Themen anzugehen, die verdeckte Interessen betreffen, die sich geschickt hinter scheinbar wissenschaftlich oder sogar naturwissenschaftlich abgesicherten Tabus zu verstecken wussten. Endlich wird offensiv über die Einhegung von Steuerparadiesen, die Besteuerung weltweiter Finanzaktivitäten und die Verhinderung sachlich nicht begründeter Bereicherungsprozesse durch bestimmte Akteure in Schlüsselpositionen diskutiert. Hier muss die G20 weiter vorangehen – weil es gerecht ist, aber auch deshalb, weil anders die Entschuldung der Staaten und die Finanzierung von weltweitem Umwelt- und Klimaschutz nicht geleistet werden kann.
9. Mutig vorangehen Das WORLD CULTURE FORUM fordert die Regierungen der G20-Staaten auf, mutig weiter voranzugehen – wir brauchen die G20 zur Koordinierung weltweiter Prozesse! Die Welt wartet deshalb auf Ihr Handeln! Ersetzen Sie Marktfundamentalismus durch eine weltweite ökologisch-sozial regulierte Marktwirtschaft. Argumentieren Sie für eine gemeinwohlverpflichtete Ausgestaltung des Eigentumsbegriffs in weltweiter Perspektive, regulieren Sie konsequent den Finanzsektor, adressieren Sie Fragen der Besteuerung mit Blick auf weltweite Wertschöpfungsprozesse, machen Sie Nachhaltigkeit zu einer Schlüsselforderung, engagieren Sie sich für eine parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen, fördern Sie die Idee von Muhammad Yunus für ein Sozialunternehmertum als weitere Säule des Ökonomischen, unterstützen Sie Transparency International bei der Bekämpfung der Korruption und sichern Sie die volle Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen. 10. Alte Fragen neu stellen Das WORLD CULTURE FORUM fordert die Regierungen der G20-Staaten auf, etablierte Denkgewohnheiten konsequent zu hinterfragen. Wo verbergen sich Partikularinteressen hinter Tabus? Wo finden wir die wirklich relevanten Maßstäbe? Von Seiten des WORLD CULTURE FORUMs sind wir davon überzeugt, dass wir die entscheidenden Erfahrungen in den großen Kulturen und Zivilisationen finden. Ihre Substanz in jedem Einzelfall und der Grad an Kohärenz zwischen ihren verschiedenen Manifestationen, sind glücklicherweise von so hoher Qualität, dass sie die Basis sein können für eine neue Zukunft in Balance. Wir können es schaffen auch oder gerade in der Transformation durch die Kunst bzw. der Kultur im engeren Sinne, die als Kommunikationsplattform vermitteln helfen kann durch ihre Emotionalität. Sie als Verantwortliche auf G20-Ebene sind in einer Schlüsselposition bezüglich der Gestaltung der Welt, in einem Augenblick höchster politischer Signifikanz.
Schlussbemerkung Die aktuelle Situation ist extrem schwierig und kritisch. Aber in jeder Krise liegt auch eine Chance. Wo die Bedrohungen wachsen, wächst auch das Rettende. Es geht heute darum, die Weltökonomie als Teil einer zu schaffenden, zukunftsfähigen neuen Zivilisation der ganzen Welt adäquat zu regulieren. Nach Regeln der Nachhaltigkeit, der Demokratie, der Verantwortung, der Gerechtigkeit und der Freiheit.
Die Erfahrungen der großen Zivilisationen und Kulturen sind ein guter Kompass auf dem Weg in eine bessere Zukunft.
Dresden, 10. Oktober 2009 2. WORLD CULTURE FORUM Initiative für ein Bündnis „Kultur in Balance“
Vertreten durch: Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher Mitbegründer Global Marshall Plan Initiative, Member Club of Rome Hans-Joachim Frey Vorstandssprecher Forum Tiberius und Generalintendant Theater Bremen Dr. Bernhard Freiherr von Loeffelholz ehem. Präsident des Sächsischen Kultursenats Prof. Dr. Ulrike Detmers Prof. für Betriebswirtschaftslehre Prof. Dr. Dr. Ervin László Gründer Club of Budapest Aiman A. Mazyek Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland Armin Mueller-Stahl Schauspieler Dr. Jürgen B. Mülder Vorstand FORUM TIBERIUS – Internationales Forum für Kultur und Wirtschaft Dr. Jürgen Ohlau Präsident des Sächsischen Kultursenats Prof. Dr. Dr. Hermann Rauhe Musikwissenschaftler und Ehrenpräsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Hiroo Saionji Präsident Goi Peace Foundation - Japan Sri Sri Ravi Shankar International Art of Living Foundation Prinz Alexander von Sachsen Tags: f
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