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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Künstlerin auf eigenen Pfaden - Lassnig wird 90 PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 02. September 2009 um 05:19 Uhr

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Von Arved Gintenreiter, dpa

 

Wien (dpa) - Auf den ganz großen Durchbruch musste die «Grand Dame» der österreichischen und europäischen Malerei lange warten. Seit einigen Jahren aber überschlagen sich förmlich die Kritiker vor Begeisterung angesichts der emotionalen Bilder der mehrfach ausgezeichneten Künstlerin. Am nächsten Dienstag (8. September) wird Maria Lassnig 90 Jahre alt - und scheint immer noch kein bisschen schaffensmüde.   

 

Sie gilt als Vorreiterin feministischer Kunst und als Altmeisterin der zeitgenössischen österreichischen Malerei. Die Künstlerin hatte inzwischen große Ausstellungen in Metropolen wie London und New York. Im März waren ihre Werke in Köln zu sehen.    Lassnigs Bilder zeigen nicht einfach nur Gefühl. Die schonungslos offenen Selbstporträts können teilweise verstörend wirken - Ergebnis jahrzehntelanger Selbsterforschung, fast bis zur Obsession. «Es ist sicher, ich male und zeichne nicht den Gegenstand Körper, sondern ich male Empfindungen vom Körper», erklärte sie einst in einem Interview. Wer sich die Bilder ansieht, versteht schnell, wovon sie spricht.   

 

In manchen Werken zeigt sich eine Mischung aus schwarzem Humor und Verletzlichkeit. Zu sehen zum Beispiel in «Du oder Ich» (2005), ein Selbstporträt, in dem sie völlig nackt je eine Pistole auf den Betrachter und gegen ihren Kopf richtet. Oder in «Mit einem Tiger schlafen» (1975), das sie beim Liebesakt mit einer Raubkatze zeigt.   

 

Einordnen lassen sich Lassnigs Arbeiten schwer. Zeitlebens bewegte sich die gebürtige Kärntnerin auf ganz eigenen Pfaden malend und zeichnend und sogar als Trickfilmerin zwischen informeller Abstraktion und Surrealismus durch die Kunstwelt. Beeinflusst von vielen, aber immer ihren eigenen Stil verfolgend.   

 

Geboren wurde Lassnig 1919 im österreichischen Ort Kappel. Ihr künstlerischer Werdegang begann 1941 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, die sie allerdings zwei Jahre später wieder verlassen musste; ihre Bilder galten bei den Nationalsozialisten als «entartete Kunst». In einer Schau 1948 in Klagenfurt stellte die junge Malerin dann erste Arbeiten öffentlich aus.   

 

Mit dem «Selbstporträt als Zitrone» (1949) zeigte sich schon früh, welche Richtung Lassnig thematisch einschlägt: Die Individualistin bildet die eigene Körperlichkeit ab, aber nicht real porträthaft, sondern gerne auch ironisch als innere Selbsterkundung betont.   

 

Lassnig hat sich ganz der Kunst verschrieben. Ihr war klar, dass vor allem zur damaligen Zeit Kunst und Kinder so gut wie nicht zu vereinbaren waren. «Es gab immer Frauen, die wollten alles haben. Ehe, Kinder, Ruhm, alles. Aber das geht nicht. Man konnte schon froh sein, wenn man nur die Kunst hat, in meiner Zeit wenigstens. Jetzt gibt's ja all die Männer, die kochen...», sagte die 89-Jährige in einem Interview.   

 

1951 zog Lassnig nach Wien und fand Anschluss an die «Hundsgruppe» der Jungen Wilden um Arnulf Rainer. Im selben Jahr entstand auch das «Informelle Knödelselbstporträt» (1951), interpretiert als chiffriertes weibliches Geschlecht. In Reisen nach Paris lernte sie unter anderen den Surrealisten André Breton kennen, der sie ebenso beeinflusste wie der Tachismus, eine Form der abstrakten Malerei.   

 

Wie immer ging Lassnig letztlich ihren eigenen Weg. Ende der 1960er zog sie nach New York, wo sie zwölf Jahre blieb. In der Phase fragmentierter Körper-Darstellungen entstand 1969 zum Beispiel das «Selbstporträt als Playboystuhl», bei dem sich ein weiblicher Torso mit Brüsten und Armen zum purpurroten Sitzmöbel verwandelt. In den USA kam Lassnig auch in Kontakt mit dem Animationsfilm.   

 

Nach ihrer Rückkehr 1980 nach Wien übernahm sie als erste Frau im deutschsprachigen Raum an der Kunst-Akademie eine Professur für Malerei. Darauf folgten Jahre voller Auszeichnungen: Zusammen mit Valie Export stellte Lassnig bei der Biennale in Venedig aus, 1982 und 1997 wurde sie zur Teilnahme an der documenta in Kassel eingeladen. 1988 wurde sie als erste bildende Künstlerin mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet und erhielt den Oskar-Kokoschka-Preis sowie den Max-Beckmann-Preis.   

 

Auch in den vergangenen Jahren arbeitete Lassnig mit schier unerschöpflicher Kreativität weiter. In ihrem Spätwerk zeigt sich der vielfältige Erfindungsreichtum der lange unterschätzten Künstlerin, wenn sie zum Beispiel mit comicartigen Figuren fleischlicher Plastizität oder mit dem eher gespenstischen «Teekannenselbstporträt» (1999) kurz vor ihrem 90. Geburtstag noch einmal neue künstlerische Pfade einschlägt.

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