| Experte: Zahlreiche NS-Raubkunstwerke noch im Handel |
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| Mittwoch, 02. September 2009 um 12:04 Uhr | ||
Düsseldorf (dpa/lnw) - Zahlreiche Kunstwerke, die von den Nazis aus jüdischen Sammlungen entwendet worden sind, werden nach Expertenmeinung bis heute im internationalen Kunsthandel angeboten. «Genaue Zahlen existieren nicht, aber nach wie vor suchen weltweit hunderte Erben nach ihrem Familieneigentum», sagte der Publizist Stefan Koldehoff am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Düsseldorf. Dies betreffe teils hochkarätige Gemälde, aber auch Grafiken und wertvolle Möbel. Auffällig häufig seien Bilder von Max Liebermann und Lovis Corinth betroffen. «Beide waren bei jüdischen Sammlern sehr beliebt und die Werkverzeichnisse sind unzuverlässig, geben kaum Vorbesitzer an.»
Zentren des Handels mit diesen «Werken ungeklärter Herkunft» seien Auktionshäuser und Galerien in den traditionellen Kunsthandelsstädten Berlin, Köln und München. «Geschäfte mit jüdischer Raubkunst hat es nach 1945 aber in jeder deutschen Stadt gegeben», sagte der Autor des gerade erschienenen Buches «Die Bilder sind unter uns - Das Geschäft mit der NS-Raubkunst» (Eichborn-Verlag).
«Eine Stunde Null im deutschen Kunsthandel existiert nicht», betonte Koldehoff. Anders als etwa die Bahn, Anwälte oder Ärzte «hat der deutsche Kunsthandel seine Geschichte nie durchleuchtet». Im Unterschied auch zu den großen internationalen Auktionshäusern fehle «in aller Regel» bei deutschen Versteigerern eine systematische Erforschung der Herkunft ihrer angebotenen Objekte. «Die Kunsthandelsverbände sollten sich verpflichten, dieser historischen Aufgabe endlich nachzukommen», forderte der Experte. Öffentliche Museen hätten sich dazu schon vor einem Jahrzehnt verpflichtet.
Quellen für den «dubiosen und anhaltenden Handel» mit Raubkunst seien teils die Privatsammlungen ehemaliger NS-Größen wie Göring, Speer oder Außenminister Ribbentrop. Namhafte NS-Kunsthistoriker hätten bis in die 60er Jahre Galerien und Auktionshäuser beraten: «Es gab hier eine ungebrochene personelle Kontinuität», sagte Koldehoff. Beweis dafür, dass «lange kein Bewusstsein für diese Problematik existiert hat», sei, dass ein Raubkunst-Altmeistergemälde selbst in der privaten Kunstsammlung des NS-verfolgten Bundeskanzlers Konrad Adenauer aufgetaucht sei. Auch habe bis vor wenigen Jahren im Bundespräsidialamt ein Spitzweg-Bild aus zwangsenteignetem jüdischen Besitz gehangen.
Gespräch: Gerd Korinthenberg, dpa |
























































