| Schnittmuster und Schnüre - Große Hoehme-Werkschau |
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| Samstag, 12. September 2009 um 04:30 Uhr | ||
Von Dorothea Hülsmeier, dpa
Düsseldorf (dpa/lnw) - Mit Wäscheleinen, die aus der Leinwand hingen, verstörte Gerhard Hoehme die Kunstsammler. Farbe trug er spachteldick auf, um sie dann abzukratzen und wieder anzukleben. Er entdeckte die Schnittmusterbögen seiner Mutter und bearbeitete sie künstlerisch ebenso wie Damastdecken. Eine große Werkschau in gleich drei Museen in Düsseldorf und Duisburg würdigt jetzt den Abstraktionskünstler (1920-1989), der zu den Mitbegründern des informellen Stils zählt, mit dem Nachkriegsdeutschland den Weg in die internationale Kunstwelt zurückfand.
20 Jahre nach seinem Tod präsentieren das Museum Küppersmühle und das Lehmbruck-Museum in Duisburg sowie das Düsseldorfer museum kunst palast das vielschichtige Werk Hoehmes. Unter dem gemeinsamen Titel «die Unruhe wächst» (13.9.2009 bis 10.01.2010) ehren sie damit einen Künstler, der ein höchst eigenwilliges Werk hinterlassen hat. Das Museum Küppersmühle präsentiert dabei eine große Retrospektive, das museum kunst palast Zeichnungen und das Lehmbruck-Museum plastische Werke aus dem eigenen Bestand, die Hoehme 1972 in der Ausstellung «Schnüre» dort selbst zeigte.
Erst mit 28 Jahren kam Hoehme nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er Jagdflieger war, zur Kunst. Im Licht der Öffentlichkeit wie der gleichaltrige Joseph Beuys stand Hoehme nie. Der gelernte Litograph studierte nur drei Semester in Düsseldorf. Wegweisend war für Hoehme die Bekanntschaft mit dem Kunstvermittler Jean-Pierre Wilhelm in den 1950er Jahren, der den Kontakt zu den bedeutenden «Informel»- Künstlern in Paris wie Jean Dubuffet herstellte.
Kunstfremde Materialien wie Draht, Holz oder bunte Plastikschnüre prägen den Stil Hoehmes. Schläuche und Schnüre sind sein Markenzeichen. Sie stellen Verbindungen her zwischen den Werken und zum Betrachter. Fäden, Schnüre und später den neuen Kunststoff Polyäthylen arbeitete er in seine Bilder ein. Ohne Rücksicht auf Schönheit ging Hoehme rauh mit dem Material um. Im Bild «Hymne an Heraklit» ist die Leinwand zerschnitten und dann dick mit gelber Farbe übertüncht. Dick ist die Farbe auch an seinen «Farbpfählen» aufgetragen.
In seinen collagen-artigen «Borkenbildern» kratzte er die Farbe ab und klebte sie dann wieder an. Arbeit in Serien lag ihm nicht, Hoehme suchte immer neue Ausdrucksmittel. 1957 brach Hoehme aus der Tradition des klassischen Tafelbildes aus und nutzte ungewöhnliche Bildformate. Die Kunstgeschichte werde es einmal schwer haben mit ihm, sagte er einst.
Auch die Schrift beschäftigte den gelernten Litographen. Im «Berliner Brief» von 1966 setzt sich Hoehme über die Schrift mit der geteilten Stadt auseinander - im Westen eine Vielzahl von bunten Geschäfts-Inschriften, im Osten einheitliche sozialistische Kampfslogans. Immer wieder trifft die Kunst bei Hoehme auch auf das Wort. Gedichte von Paul Celan bearbeitete er künstlerisch in einem Triptychon. «Meine Bilder sollen gelesen, nicht betrachtet werden», sagte er einmal.
1959 war Hoehme Teilnehmer der documenta II in Kassel. Er lehrte später viele Jahre an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo unter anderem Sigmar Polke zu seinen Studenten gehörte. Hoehme reflektierte intensiv die Arbeit des Künstlers und arbeitete die geistige Auseinandersetzung in seine Werke mit ein. «die Unruhe wächst» ist der Titel eines Bildes, mit der er auch die Unruhe seiner Künstler- Generation thematisiert, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland um Anerkennung kämpfen musste. «Nicht jammern, nicht klagen» klebt als Spruch unter dem Bild. Tags: hoehme
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