| Neo Rauch: Angst und Respekt vor dem Zeichnen |
|
|
|
| Samstag, 12. September 2009 um 04:42 Uhr | ||
London (dpa) - Der Leipziger Maler Neo Rauch hat in London erstmals Zeichnungen vorgestellt. «Ich habe enormen Respekt vor dem Zeichnen. Die Angst, hier etwas in den Sand zu setzen, ist viel größer» als bei seinen großformatigen Bildern, sagte der weltweit gefragte Maler in einem seltenen Diskurs am Donnerstagabend in der Deutschen Botschaft in London. Die medienscheue Leitfigur der neuen deutschen Malerei gab dabei einen ungewöhnlich offenen Einblick in ihre Arbeit.
Beim Umzug in seine neue Galerie seien Rauch Schmierblätter in die Hände gefallen. «Da dachte ich auf einmal, das sollte ich nicht beiläufig behandeln. Meine Frau sagte, "Mach was draus".» So sei die Idee für sein erstes Buch mit Zeichnungen entstanden, das vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. Die Werke seien «Handgelenk-Eskapaden, Hirnaussetzer, was beim Telefonieren entsteht», sagte der 49-Jährige. «Das sind Begleiterscheinungen zu Bildern, für die ich keine Vorstudien anfertige.» Er habe sich beim Malen «feigerweise immer gleich auf die Leinwand geworfen», sagte Rauch. «Papier ist eben nicht so geduldig wie die Leinwand.»
Der Mitbegründer der Neuen Leipziger Schule sagte, er habe mehr als 20 Jahre an seiner Bildsprache gearbeitet. «Das ist nicht, wie viele meinen, sozialer Realismus. Ich mache figurative Malerei mit Anklängen von Werbemalerei und amerikanischem Comic.» Dabei verwende er eigene Codes und Allegorien. Beim Meditieren sei ihm ein grünes Fabelwesen erschienen. «Dieser Unterholzbewohner kommt aus dem Bereich der Lichtungen und Dickichte, ein Pfadfinder, der auch Verlockungen ausspricht, ein Orter - wenn man es rückwärts liest: Retro; ein Vorwurf, dem ich mich immer ausgesetzt sah.»
Nicht nur Kritik, auch die Zensur in der DDR habe Spuren bei dem ostdeutschen Maler hinterlassen. «Ich kann mich wundreiben an Widerständen, kann mich aber auch daran aufrichten», sagte der frühere Student von Bernhard Heisig an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. «Ein Künstler erweist sich immer im Zustand der Einschränkung, nicht der Freiheit.» Tags: f
|
























































