| Scheinwelten aus Pappe - Thomas Demand in Berlin |
|
|
|
| Donnerstag, 17. September 2009 um 05:12 Uhr | ||
Von Caroline Bock, dpa
Berlin (dpa) - Das Studio aus der Ratesendung «Was bin ich?» sieht aus wie echt. Nur das «Schweinderl» auf dem Pult fehlt, das wäre Thomas Demand zu plump. Er hat das Fernsehstudio aus Pappe nachbauen lassen, es fotografiert und hinter Acrylglas versiegelt. So arbeitet Demand immer. Das Modell kommt in den Schredder. Was bleibt, ist das Abbild vom Abbild der Wirklichkeit. Berühmt sind seine Bilder von der Badewanne, in der der tote Uwe Barschel lag oder von der Wolfsschanze, dem Schauplatz des Attentats auf Hitler 1944.
Was bestimmt unser Gedächtnis? Wie sind wir von Bildern aus den Medien geprägt? Wo liegen die Grenzen der Fotografie? Das sind Demands große Themen. 40 Bilder sind von Freitag bis zum 17. Januar in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen. Es ist die größte Ausstellung, die Demand in Deutschland je hatte. Künstler wie er brachten Schwung in die Debatte um eine Kunsthalle für die Hauptstadt. Demand, 1964 in München geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Das merkten aber viele erst, als der Fotograf 2005 im New Yorker Museum of Modern Art eine Ausstellung bekam.
Kunst der Gegenwart bekommt in Berlin einen neuen Stellenwert. Das ist auch zu spüren, seitdem der neue Chef der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, das Sagen hat. Er hat bereits dem Hamburger Bahnhof eine Frischekur verordnet. Jetzt gibt es die Demand-Ausstellung mit dem stolzen Titel «Nationalgalerie». «Es ist ein Statement», sagt Kittelmann. Für ihn ist Demand einer der wichtigsten Künstler, die es gibt.
Die Ausstellung ist keine Retrospektive, sondern Demands Blick auf Deutschland. Dazu passen die grau-grünen Vorhänge, die aus der lichten Halle eine Galerie machen. Der Bau Mies van der Rohes sieht nach 50er Jahren und Adenauer aus. Auch neue Bilder sind in Berlin dabei, die «Heldenorgel» oder ein Blick ins Bonner Parlament, wie immer bei Demand menschenleer. Den Helmut Kohl denkt sich der Besucher dazu.
Verblüffend ist, mit welcher Akribie Demand und sein Team Kartonpapier, Scheren, Grafikmessern, Leim, Büroklammern und Klebeband verarbeiten. Selbst der Schalter an der Kaffeemaschine, der Kuli oder die vertrockneten Blätter einer Zimmerpalme wirken realistisch. «Wenn ich ein Kunstwerk schaffe, bin ich noch nicht an dem Punkt, an dem ich sagen kann, welche Bedeutung es haben soll. Am Anfang bin ich einfach nur erstaunt», hat Demand einmal erzählt.
Ob «Badezimmer» oder «Raum»: Die Titel sind abstrakt. Erklärende Texte gehören nicht zum Konzept. In Vitrinen sind Sprachkunstwerke von Botho Strauß zu lesen, die wie ein fernes Echo auf Demands Bilder wirken. Während der Ausstellung ist eine Vortragsreihe «How German is it?» geplant. «Wie deutsch ist das Ganze?» - das werden sich dann auch die Politikerbrüder Hans-Jochen und Bernhard Vogel fragen. Tags: demand
|
























































