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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Die Rückkehr der «Frankfurter Schule» PDF Drucken E-Mail
Freitag, 18. September 2009 um 05:00 Uhr

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Von Ira Schaible, dpa

 

Frankfurt/Main (dpa) ­ Rund 15 Jahre nach seiner Vertreibung aus Nazi-Deutschland kehrte Max Horkheimer im Mai 1948 in das Land der Täter zurück. «Wie sehr ich persönlich unter dieser Reise leide, ich fühle, dass sie den künftigen Boden bereiten wird», schrieb der Denker der «Frankfurter Schule» zuvor an Theodor W. Adorno. Am Main stellt Horkheimer bald fest: «Deutschland ist ja wieder einmal das Land der Zukunft, und es ist kräftiger und lebensfroher und böser als je.» Exil, Rückkehr und Wirken des Instituts für Sozialforschung in der Bundesrepublik der Adenauer-Jahre sind die Themen einer anschaulichen Sonderausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt, die unter dem Titel «Eine Rückkehr nach Deutschland» bis zum 10. Januar 2010 zu sehen ist.   

 

«Ich versuche herauszufinden, ob unter deutschen Menschen, vor allem unter deutschen Studenten, noch einige sind, um die es sich lohnt», schreibt Horkheimer während seines ersten Aufenthalts im Nachkriegs-Frankfurt. Warum er, Adorno und Friedrich Pollock zurückkehrten, andere Repräsentanten des Instituts wie Herbert Marcuse, Erich Fromm und Leo Löwenthal aber nicht, ist einer der Schwerpunkte der multimedialen Ausstellung, die am Mittwochabend eröffnet wurde.   

 

Sie beginnt mit dem Exil und endet mit der Verleihung der Frankfurter Ehrenbürgerschaft an Horkheimer 1960. Die Umfragen zur Meinung der westdeutschen Bevölkerung nach dem Krieg und die umstrittene Ausarbeitung eines Interviewschemas für Offiziersanwärter (1954) sind auch Thema der Ausstellung; der Einfluss auf die Studentenbewegung dagegen nicht.   

 

«Die Mitglieder des Instituts für Sozialforschung sind als linke Intellektuelle und als Juden verfolgt worden», sagt Kuratorin Monika Boll. Ihr jüdischer Erfahrungshintergrund ist ein Schwerpunkt der Schau. Die Gruppe sei «eine der bemerkenswertesten jüdischen Sekten, die das deutsche Judentum hervorgebracht hat», zitiert der Direktor des Museums, Raphael Gross, einen ironischen Ausspruch des Religionslehrers Gershom Scholem. Dokumentiert werden unter anderem die Zusammenarbeit der vom Marxismus beeinflussten Denker mit jüdischen Organisationen im amerikanischen Exil, ihre groß angelegte Antisemitismusstudie und die Etablierung eines Judaistik-Vorläufers an der Frankfurter Uni.   

 

Die Kuratoren Boll und Erik Riedel haben sich zusammen mit dem Frankfurter Gestaltungsbüro Atelier Markgraph einiges einfallen lassen, um die intellektuellen Prozesse visuell darzustellen. Zahlreiche Fotos, Radio- und Filmdokumente mit den Repräsentanten des Instituts für Sozialforschung und andere Zeitzeugen machen «das sehr theoretische Thema» (Gross) lebendig. Auch die zunächst angenehmen Seiten des Exils werden gezeigt, etwa in einer Fotocollage mit launigen Szenen aus dem Leben des Instituts - ein Geburtstagsgeschenk von Maidon Horkheimer an ihren Mann.   

 

Die teils sehr kontroversen Diskussionen der Intellektuellen werden Kernsätzen veranschaulicht, die unterschiedlich groß an die Wand gepinselt sind. Besonders originell: In einem verschachtelten Spiegelsaal werden wichtige Passagen aus den Briefen der Denker zwischen ihre Fotos mit Kurzporträt gespiegelt. An der Wand einige der «tausenden von Briefen, die diese Gruppierung ausgetauscht hat - zwischen Europa, Israel und den USA - zum allergrößten Teil auf Deutsch», wie Gross sagt.   

 

Die Konstellationen in Frankfurt waren - auch das zeigt die Ausstellung - nach dem Ende der Hitler-Diktatur deutschlandweit besonders günstig für eine Rückkehr. Im Bewusstsein, «dass Frankfurt reich und groß wurde, nicht zuletzt durch die Leistungen und die Arbeit seiner jüdischen Mitbürger», ruft Oberbürgermeister Walter Kolb (SPD) in seiner ersten Radio-Neujahresbotschaft 1947 emigrierte jüdische Bürger der Stadt auf, «trotz aller Not und allen Misstrauens» wieder zurückzukehren. Horkheimer zögert zunächst, trifft dann bei seiner Reise 1948 aber auch auf Kultusminister Erwin Stein (CDU/1903-1992), dessen jüdische Ehefrau sich angesichts der drohenden Deportation 1943 das Leben genommen hatte.   

 

Zwiespältig wirken dagegen die Bemühungen der Universität auf ihn, das Institut für Sozialforschung wieder nach Frankfurt zu holen. «Die Fakultät (...) ist überfreundlich und erregt Brechreiz. Die Brüder sitzen noch genauso da und machen ihre heimtückischen kleinen Schelmenstreiche wie vor dem Dritten Reich (und unter ihm) als ob nichts geschehen wäre», schreibt er seiner Frau nach seinem ersten Besuch. Den sich rasch anschließenden «kometenhaften Aufstieg Horkheimers» (Boll) dokumentiert die Ausstellung ebenfalls: Das Institut wird wieder eröffnet, Horkheimer Rektor der Universität. Ein Jahr später (1952) kommt Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zum Uni- Fest - ein Besuch mit Symbolcharakter.

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