| Heller: «Keine übertriebenen Erwartungen für Ruhr 2010» |
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| Sonntag, 20. September 2009 um 17:58 Uhr | ||
Linz/Essen (dpa) - Martin Heller ist der Künstlerische Leiter von Linz09, der derzeitigen Kulturhauptstadt Europas in Österreich. Nach den ersten Monaten zieht er eine positive Bilanz für Linz und sieht für die kommende Kulturhauptstadt Ruhr 2010 einige Schwierigkeiten am Horizont.
Herr Heller, worauf beziehen sich Ihre Bedenken für die Ruhr 2010?
«Ich habe keine Bedenken. Aber Respekt davor, was es heißt, 53 Gemeinden zusammen unter einen Hut zu bringen. In Linz ist es so, dass wir bei den Veranstaltungen die Stadt zum Zentrum machen und zusätzlich in die Region gehen. Das ist bei der Ruhr 2010 anders. Die Größe und die Notwendigkeit, das ganze Ruhrgebiet darzustellen, das halte ich für schwierig. Da bleibt auf jeden Fall die Frage der Erkennbarkeit im Ganzen wie im Einzelnen. Auch für ausländische Gäste ist es anspruchsvoller, eine Region zu besuchen, die sich als Ruhrgebiet definiert, gegenüber einer klar umrissenen Stadt. Auch für die Menschen in der Region ist die Kulturhauptstadt sowohl Chance wie auch Herausforderung: In einer einzelnen Stadt ist es leichter, ein «Wir-Gefühl» und eine Begeisterung aufzubauen.»
Heißt das, Sie glauben, dass die Ruhr 2010 ein Flop wird?
«Keineswegs! Aber man muss vor allzu übersteigerten Erwartungen absehen. Zudem ist Linz mit dem Ruhrgebiet nicht unbedingt vergleichbar. Linz ist keine strukturschwache Stadt, sondern läuft wirtschaftlich auf Hochtouren. So haben wir beispielsweise eine Theaterhalle gesucht und kein einziges geeignetes leer stehendes Gebäude finden können! Glücklicherweise wurde schließlich der geplante Bau einer Containerreparaturhalle vorgezogen.»
Herr Heller, nun läuft das Programm der Kulturhauptstadt Linz09 seit einige Monaten. Wie sind ihre Erfahrungen?
«Ich bin sehr zufrieden. Das Programm greift gut, regional wie international, und die Stadt reagiert intensiv auf unsere Angebote. Auch eine schwierige Ausstellung wie «Kulturhauptstadt des Führers» hat sich mit 60 000 Besuchern zu einem Publikumsmagnet entwickelt. Sie hat für viele Diskussionen gesorgt, und auch für Streit. Aber das Gute ist: Man kann in der Auseinandersetzung nicht mehr hinter diese Ausstellung zurück. Man muss sagen: Diese Stadt, in der Adolf Hitler einen Teil seiner Jugend verbracht hat und die als Patenstadt des Führers kulturell ausgebaut werden sollte, hat viel für die Aufarbeitung ihrer Geschichte getan. Und ich kann dafür nur mein Lob aussprechen, wie Linz seine eigene Hypothek der Stadtgeschichte angeht. Das Konzentrationslager Mauthausen steht unweit von hier. (...) Solche Auseinandersetzungen mit europäischer Geschichte sind für Kulturhauptstädte wichtig. Dazu gehört, was die Rüstungsindustrie der NS-Zeit und die großen Familiendynastien der Stahlindustrie für das Ruhrgebiet bedeuteten. »
Gespräch: Sabine Kwapik,dpa Tags: f
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