| Kämpferische Kisseler als «Neumann-Alternative» |
|
|
|
| Montag, 21. September 2009 um 13:05 Uhr | ||
Von Wilfried Mommert, dpa
Berlin (dpa) - Barbara Kisseler gibt sich kämpferisch: «In den Kampf für Kultur muss man heutzutage mit harten Bandagen reingehen.» Wohl erst recht in den nächsten Jahren mit den neuen Sparrunden allerorten. Als «Kulturfrau» der SPD hat sie nicht den leichtesten Stand im Wahlkampfteam von Frank-Walter Steinmeier. «Kultur zuletzt», nannte einmal ein früherer Berliner Kultursenator seine Memoiren, anspielend auf seine Erfahrungen bei der Tagesordnung am Kabinettstisch.
Dabei weiß Kisseler mit Steinmeier einen ausgesprochenen «Kulturfreund» an ihrer Seite, was er auch schon als Außenminister deutlich gemacht hat. Die Chefin der Berliner Senatskanzlei beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat aber noch keinen bundesweiten Bekanntheitsgrad, der sie als Alternative für Kulturstaatsminister Bernd Neumann von der CDU auf Anhieb empfehlen würde. Dabei muss man allerdings auch an die Verblüffung in der Kulturszene 2005 erinnern, als der ihr weitgehend unbekannte Neumann von Angela Merkel in das Amt berufen wurde.
Die SPD setzt im Falle Kisseler auf eine Verbindung von «kultureller Herkunft» und «politischer Alltagserfahrung», also nicht auf einen «kulturellen Quereinsteiger» oder «politischen Schöngeist», wie die Partei es mit ihrem ersten Kulturstaatsminister, dem Verleger und Publizisten Michael Naumann, versucht hatte. Die 60-jährige Kisseler hat Theater- und Filmwissenschaft sowie Germanistik studiert und hat später in verschiedenen Kulturämtern gearbeitet. Von 1993 bis 2003 war sie Abteilungsleiterin für Kultur im niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.
Sie gilt als weltläufig und ebenso charmant wie durchsetzungsstark. Im Kreis der 16 Leiter der Staatskanzleien ist Kisseler bisher die einzige Frau. So hat sie, wenn bisher auch eher nur auf Länderebene, als politische Alltags- und Hintergrundakteurin «Politprofi»-Erfahrungen, die auch in der Kultur durchaus von Nutzen sein können. Allerdings weiß der langjährige CDU-Mann Neumann dabei auch tatkräftig die «Parteistrippen» zu ziehen, Kisseler ist parteilos. Aber Kisseler beharrt darauf, dass es im Amt des Kulturstaatsministers eben nicht nur darum geht, «gezielte Klientelpolitik» zu betreiben.
Der auffallende Unterschied zu Neumann ist Kisselers leidenschaftliches Plädoyer für mehr «Streitkultur» im öffentlichen Disput über gesellschaftspolitische Fragen. Sie ermuntert die Künstler ausdrücklich zu mehr «Einmischung», denn sie seien es, die oftmals gesellschaftspolitische Strömungen in ihren Werken vorwegnähmen oder doch ahnten. «Künstler sind auch Minensuchhunde bei gesellschaftlichen Problemlagen», meint Kisseler. Daher sucht sie ebenso wie Steinmeier auch ganz persönlich immer wieder den Rat auch von Künstlern.
Natürlich müssten auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Künstler verbessert werden, wofür sich Neumann immer besonders stark gemacht hat. Aber die SPD wolle auch das «Widerstandspotenzial der Kultur» hervorheben, «ihren kritischen Geist, ihre Widerborstigkeit - da muss sich die Kultur zurückmelden». Man merkt Kisseler wie auch Steinmeier an, dass sie die Gespräche mit Schriftstellern und Künstlern auch persönlich interessieren und sogar eine «Herzensangelegenheit» im politischen Alltag sind.
Zur Unterstützung haben sich bisher «künstlerische Gefolgsleute» wie Peter Maffay, Senta Berger, Elke Heidenreich, Iris Berben, Ulrich Khuon, Klaus Staeck oder Armin Mueller-Stahl und natürlich Günter Grass gemeldet. «Hellsichtige Querdenker und produktive Zweifler» sind für Kisseler eine große Chance für die ganze Gesellschaft. Und darin weiß sie sich mit Steinmeier auch einig: Deutschland erwerbe Vertrauen, Achtung und Zuneigung in der Welt «weit weniger, als wir uns das manchmal vorstellen, über wirtschaftliches Wachstum, Produkte und Dienstleistungen, sondern durch das, was in der kulturellen Arbeit hier geschaffen wird». |
























































