| Tizian, Tintoretto und Veronese: Rivalen in Venedig |
|
|
|
| Mittwoch, 23. September 2009 um 05:01 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dpa
Paris (dpa) - Jeder für sich und alle gegen alle - ein Sprichwort, dass in den unterschiedlichsten Zusammenhängen angewandt wird und besser als jedes andere das Verhältnis zwischen den drei größten italienischen Malern des 16. Jahrhunderts kennzeichnet. «Tizian, Tintoretto, Veronese. Rivalitäten in Venedig» heißt die Ausstellung im Louvre, die zeigt, wie sehr der nicht immer sehr lautere Konkurrenzkampf zwischen den drei Künstlern, die Malerei der venezianischen Schule zur Virtuosität führte. Die mehr als 85 Gemälde sind Leihgaben der größten Museen der Welt, die nicht gezögert haben, für diese bis zum 4. Januar dauernde Ausstellung, ihre Meisterwerke dem Louvre zur Verfügung zu stellen.
«Weil er sich mit Veronese konfrontiert sah, musste Tintoretto diese Gemälde mit besonders viel Sorgfalt malen, denn die Präsenz eines Rivalen kann manchmal stimulierend sein», schrieb der italienische Autor, Maler und Kunstsammler Carlo Ridolfi im Jahr 1642. Was für Tintoretto zutraf, war auch für Veronese gültig. Jeder hatte zwar seinen eigenen Stil, versuchte aber, in dem, was der andere gerade tat, besser zu sein.
Tintoretto (1518-1594), der fast 30 Jahre später geboren wurde als Tizian (1487-1576) und zehn Jahre früher als Veronese (1528-1588) zeichnete sich durch seine meisterhafte Beherrschung dramatischer Perspektiven und extremer Raumtiefe aus. Der ungemein produktive Veronese war für seine visuell äußert wirkungsvollen dekorativen Kompositionen bekannt, und Tizian, Doyen und Meister der Venezianischen Schule, diente beiden als Vorbild.
Nicht immer beschränkte sich die Rivalität der drei Künstler darauf, den anderen malerisch zu übertrumpfen. Vor allem Tintoretto griff - fast schon gezwungenermaßen - auf unlautere Mittel zurück, um an Auftragsarbeiten heranzukommen, denn Tizian arbeitete am Hof und bei Sammlern und Kunstkritikern gegen ihn. «Er bot seine Werke zu Dumping-Preisen an oder verschenkte sie sogar, um sich gegen Tizians Vorherrschaft und Veronese, seinen Günstling, durchzusetzen», erklärte der Kurator Jean Habert.
Tizian hatte damals in Venedig das Sagen: 1533 wurde er Hofmaler Kaiser Karls V., 1545 war er für den Papst in Rom tätig, und in seiner Spätzeit stand er fast ausschließlich im Dienste Philipps II. Er definierte die Grenzen der Malerei völlig neu. Seine idealisierten und doch erstaunlich lebensnahen Porträts von Dogen und Patriziern der Republik Venedig sind von einzigartiger psychologischer Tiefe. Sie sind zu Archetypen für die nachfolgenden Malergenerationen geworden, so auch für Tintoretto und Veronese, was in der Ausstellung sehr schön zum Ausdruck kommt.
«Die Künstler versuchten, Tizian nachzuahmen. Deshalb war bei einigen der hier gezeigten Porträts die Zuweisung nicht immer sehr eindeutig», erzählte Vincent Delieuvin, der zweite Kurator. Unter den Porträts befindet sich auch das einzigartige Bildnis des Dogen Francesco Venier von Tizian, eine Leihgabe des Thyssen-Bornemisza Museums in Madrid.
Die Ausstellung ist in mehrerer Hinsicht gelungen: Das Thema ist in sich schlüssig und überzeugend. Higlights der Ausstellung sind unter anderem die Werke «Susanna im Bade» von Tintoretto, eine Leihgabe des Kunsthistorischen Museums in Wien, das von Tizian im Jahr 1542 entworfene Porträt von Ranuccio Farnese und das von Veronese angefertigte Porträt des Bildhauers Alessandro Vittoria aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art.
«Ohne die Großzügigkeit des Kunsthistorischen Museums in Wien und des Prado in Madrid hätten wir diese Ausstellung nicht organisieren können», erklärten die Kuratoren einstimmig. Tags: f
|
























































