| «Behinderte Cartoons» zum Lachen und Nachdenken |
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| Mittwoch, 23. September 2009 um 05:05 Uhr | ||
Von Grit Büttner, dpa
Schwerin (dpa/mv)- Sagt eine Passantin zur anderen: «Schlimm, so an den Rollstuhl gefesselt zu sein», und weist auf einen mit dicken Stricken an seinen «Rolli» gebundenen Mann. «Wie geht es ihm?», wird auf einem nächsten Bild ein Rollstuhl schiebender Mann angesprochen. Darauf brüllt der Behinderte aus dem Gefährt: «Gut, wenn Sie mich so indirekt fragen!». Die neue Ausstellung «Behinderte Cartoons - Lachen erlaubt» des Magdeburger Zeichners Philipp Hubbe im Schweriner Schloss soll in erster Linie aufmerksam machen und zum Nachdenken über Alltagssituationen anregen, wie der Künstler zur Ausstellungseröffnung am Dienstag sagte.
Philipp «Phil» Hubbe, 1966 geboren, ist seit 1985 an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Die Diagnose 1988 sei ein Schock gewesen, und sein Arzt riet ihm sogar, die Zeichnerei an den Nagel zu hängen, erzählt Hubbe. Freunde und das Vorbild eines amerikanischen Künstlers indes hätten ihn auf die Idee gebracht, sich zeichnerisch mit Behinderten und deren Umwelt auseinanderzusetzen. Vor allem positive Reaktionen betroffener Menschen auf seine Karikaturen bestätigten ihn, sagt Hubbe. «Behinderte wollen als normale Menschen behandelt werden, Humor gehört dazu», betont der Zeichner. «Er liebt den schwarzen Humor», sagt Ehefrau Ute Hubbe. Das gebe auch Kraft im Alltag. Nicht-Behinderte würden mit den Cartoons möglicherweise sensibilisiert und dazu angeregt, etwas weniger zu jammern, hofft sie.
«Solche Witze sind genial», meint die Vorstandsvorsitzende der Multiple Sklerose Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern, Gudrun Schoefer. Hubbe mache sich nicht lustig über Behinderte. «Aber drüber lachen kann man», sagt die selbst Betroffene. Die Comics seien Begebenheiten aus dem wahren Leben, machten aufmerksam, regten an, über bestimmte Situationen oder auch die eigene Wortwahl nachzudenken. Hubbe sagt, die meisten Kritiker seiner Arbeiten seien selbst nicht behindert. Er wolle vor allem Hemmnisse im Umgang von Behinderten und Nicht-Behinderten abbauen helfen. «Ich würde nicht solche Witze machen, wenn ich nicht selbst betroffen wäre», sagt der Künstler.
Angesprochen von Hubbes Cartoons fühlt sich Ralf Grabow, Mitinitiator der Ausstellung, selbst Rollstuhlfahrer und FDP- Abgeordneter im Schweriner Landtag. Etliche Situationen, wie von Hubbe gezeichnet, habe auch er so oder ähnlich schon erlebt. Meint etwa eine Rollstuhlfahrerin mit deutlich rundem Bauch freudestrahlend: «Ich bin schwanger!» Ein Mann darauf: «Auch das noch. Reicht dir eine Behinderung nicht?» Grabow erzählt von Vorurteilen, als seine jetzt neunjährige Tochter geboren wurde. Bekannte etwa fragten, wie sein Kind denn jemals richtig laufen lernen solle. Vor allem Aufklärung erhofft sich Grabow von Hubbes Karikaturen, wie er sagt.
Phil Hubbe arbeitet seit 1992 als Zeichner und veröffentlicht seine Cartoons in mehr als 20 Tageszeitungen und Zeitschriften. Er erhielt 2002 den Deutschen Preis für politische Karikatur und 2006 den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe. 2009 kam sein drittes Buch mit Behinderten-Cartoons heraus. Die Schweriner Ausstellung ist bis zum 16. Oktober zu sehen. |
























































