| Monumentale Skulpturengruppe aus China erstmals im Westen |
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| Donnerstag, 24. September 2009 um 05:04 Uhr | ||
Von Thomas Maier, dpa
Frankfurt/Main (dpa) - Erstmals wird im Westen eine in der Blüte der Mao-Zeit entstandene monumentale Skulpturengruppe aus China gezeigt. Die Frankfurter Schirn präsentiert unter dem Titel «Kunst für Millionen» ein Ensemble von über 100 lebensgroßen Figuren, die 1965 vor Beginn der Kulturrevolution von einer anonymen Künstlergruppe geschaffen wurden. Die Ausstellung ist von diesem Donnerstag (24. September) bis zum 3. Januar geöffnet.
«Hof für die Pachteinnahme» heißt die Groß-Installation, die auf rund 70 Metern in sieben Szenen plastisch die Ausbeutung der Bauern durch einen feudalistischen Großgrundbesitzer dokumentiert. Die bis zum 3. Januar geöffnete Ausstellung begleitet den Auftritt des Ehrengastes China bei der Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober.
Die Skulpturen gelten als eine Mischung aus sozialistischem Realismus, chinesischer Volkskunst sowie Einflüssen aus der westlichen Bildhauerei. Das «Musterkunstwerk» der Mao-Zeit beeinflusste in der Folge nicht nur zahlreiche chinesische Künstler. Es erregte auch in der Nach-68er Zeit unter den im Westen mit Mao sympathisierenden Intellektuellen Aufsehen. Der damalige documenta- Chef Harald Szeemann war so beeindruckt, dass er - vergeblich - versuchte, die Skulpturengruppe 1972 nach Kassel zu holen.
Für die Frankfurter Kuratorin Esther Schlicht ist die Ausstellung eine Chance, sich am Beispiel eines faszinierenden Werks von hoher visueller Ausstrahlung mit der Kulturrevolution auseinanderzusetzen. Tatsächlich ist die Wirkungsgeschichte der Skulpturengruppe, die durch ihre Emotionalität beeindruckt, am interessantesten.
Schon 1966 in der beginnenden Kulturrevolution, deren Aufarbeitung heute in China immer noch tabu ist, wird das Werk in neuen Kopien propagandistisch umfunktioniert. Die in der Schlussszene dargestellten Bauern, die gegen den Grußgrundbesitzer Liu Wencai siegen, sind nicht mehr klassenkämpferisch genug: Sie werden jetzt mit einer roten Fahne dargestellt, die Mao huldigt.
In Frankfurt ist die aus den 1970er Jahren stammende einzige «reisefähige» Kopie zu sehen, die zugleich dem Original am nächsten kommt. Dieses steht weiterhin auf dem früheren Anwesen des Großgrundbesitzers im Landkreis Dayi in der Provinz Sichuan, das inzwischen als Museum zum «kulturgeschützten Gut» erklärt wurde. Und im Unterschied zum Original, das aus dem traditionellen chinesischen Material Trockenlehm gefertigt wurde, wurde für die «Reisekopie» Fiberglas verwendet.
Das Museum in Dayi wird heute vom offiziellen China weniger als Klassenkampf-Museum beworben, sondern als Architekturdenkmal. Sogar der jahrzehntelang dämonisierte Großgrundbesitzer Liu hat in chinesischen Medien eine Rehabilitierung erfahren. Ein positives TV- Porträt aus dem Jahr 2003 durfte aber nicht mehr wiederholt werden, wie dem informativen Katalog zu entnehmen ist. Die Bedeutung der Skulpturengruppe ist daher ohne den geschichtlichen Hintergrund nicht zu verstehen. Die Ausstellung dokumentiert dies zwar auch in einer eigenen Abteilung - diese hätte aber noch umfassender ausfallen können. |
























































