| «Sehen heißt, die Augen schließen»: Der Künstler WOLS Von Sophia-Caroline Kosel, dpa |
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| Montag, 12. April 2010 um 21:15 Uhr | ||
Leipzig (dpa) - Feine abstrakte Aquarelle zählen ebenso zu seinem Werk wie Schwarz-Weiß-Fotografien, filigrane Grafiken und Illustrationen zu Texten von Jean-Paul Sartre. Alfred Otto Wolfgang Schulze (1913-1951), der sich selbst WOLS nannte, zählte zu den Wegbereitern der abstrakten Malerei-Richtungen Informel und Tachismus. Trotz seines frühen Todes hinterließ er ein umfangreiches Schaffen. Die Galerie der Leipziger Kunsthochschule widmet dem Universal-Künstler nun eine Schau unter dem WOLS-Arbeitsmotto «Sehen heißt, die Augen schließen». Von Dienstag an bis zum 15. Mai schmücken rund 100 Exponate die Wände der Hochschule. Es sind Leihgaben von Sammlern und Museen.
«Im Ausland hat er fast eine größere Reputation als Beuys», sagt die Leiterin der Galerie, Christine Rink. Sie beendet mit der Schau ihre 30-jährige Arbeit als Galeristin an der Hochschule, an der ihr Mann Arno Rink Rektor und Malereiprofessor war - und an der all jene Kunstrichtungen studiert werden können, die WOLS vertrat.
Alfred Otto Wolfgang Schulze kam in Berlin zur Welt und wuchs in Dresden auf. Dort gehörte die Kunst zum Alltag seiner Familie: Sie pflegte Kontakte mit Otto Dix, Paul Klee und Conrad Felixmüller.
1932 reiste der kunstinteressierte junge Mann nach Paris. Er lernte Hans Arp, Jean-Paul Sartre und Alberto Giacometti kennen, blieb an der Seine und arbeitete zunächst als Fotograf. Von 1933 bis 1935 lebte WOLS in Spanien. Dort entstanden auch Zeichnungen und Aquarelle. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam er in französische Internierungslager, weil der in Paris lebende Deutsche nun als «feindlicher Ausländer» galt. Dort schuf WOLS Aquarelle und Skizzen. Später verlagerte sich sein Schwerpunkt auf Ölbilder. Mit einer Einzelausstellung wurde er 1947 schlagartig bekannt. Doch kurz darauf starb der Künstler 38-jährig in Paris an den Folgen einer Lebensmittelvergiftung.
Ein Mann mit hohem Haaransatz und Schnurrbart schaut mal entgeistert und mal schelmisch in die Kamera: Fotografische Selbstporträts aus den 30er Jahren erwarten den Besucher zu Beginn der WOLS-Schau. Daneben hängen Aquarelle mit zarten Fantasiegebilden in Rosa und Hellblau. Darauf krabbelt ein riesiges Insekt über die Silhouette einer Stadt, oder ein Pferdekopf trägt Möhren statt einer Mähne. Abstrakt und zart sind auch die Grafiken; auch jene, die etwa in limitierten Büchlein Texte von Jean Paul Sartre und Franz Kafka illustrieren. Dutzende WOLS-Schwarz-Weiß-Fotos halten Alltagsszenen fest, etwa Blumen am Fenster oder einen Eimer mit Lappen.
Mitte der 40er Jahre hatte sich in Paris die abstrakte Kunstrichtung Informel gebildet, die jegliche organisierte Formstruktur - etwa geometrische Figuren - ablehnte. Bei WOLS sind stattdessen etwa wild positionierte Farbflecken oder amöbenartige Gebilde zu sehen. Die Farbflecken zählen wiederum zur Informel- Unterkategorie Tachismus. Bis heute sei WOLS im Osten Deutschlands kaum bekannt, weil dort zu DDR-Zeiten der abstrakten Malerei kein Interesse geschenkt wurde, sagt Rink. «Die Westdeutschen hingegen sind mit Informel und Abstraktion groß geworden.»
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