| Israels Bezalel-Kunstakademie hat Berliner Wurzeln Von Sara Lemel, dpa |
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| Montag, 12. April 2010 um 21:15 Uhr | ||
Jerusalem (dpa) - Die deutschen Austauschstudenten singen ein wahres Hohelied auf Bezalel, die Jerusalemer Hochschule für Kunst und Design. «Alles, was hier gemacht wird, ist top», sagt Jan Jungwirth, der in Mainz Fotografie studiert. Etwa 100 zeitgenössische Arbeiten der angesehenen Akademie, die auf dem Gelände der Hebräischen Universität am Nordrand Jerusalems liegt, sind von Mittwoch an (bis 6. Mai) in Berlin zu sehen. Unter dem Titel «100 Jahre jung» zeigt Bezalel in der Universität der Künste Werke aus verschiedenen Studienbereichen.
Viele der Arbeiten spiegeln den kulturellen Hintergrund der israelischen Studenten wider: Etwa ein besonders konstruiertes Instrument zum Pflücken der heimischen Kakteenfrüchte Sabres, die auch als Symbol des modernen Israelis gelten: Außen stachelig und innen süß.
Der Ausstellungstitel suggeriert ein 100-jähriges Jubiläum. Der Grundstein für Bezalel wurde allerdings schon 1903 von Boris Schatz gelegt. Berliner Künstler waren zentral an der Gründung der Hochschule beteiligt, das erste Exekutivkomitee tagte in Berlin und die gesamte Finanzierung kam aus Deutschland. Daher musste die Akademie während des Zweiten Weltkriegs auch vorübergehend geschlossen werden.
Bezalel gilt als beste Kunstschule Israels und Wiege des nationalen Kunststils, der aus der jüdischen, arabischen und europäischen Tradition schöpft. Entsprechend schwer ist es, angenommen zu werden. «Nur jeder Achte schafft es», erklärt Liv Sperber, Leiterin der Abteilung für Internationale Beziehungen. Sie führt durch die Gänge der Hochschule, auf denen sich Anwärter für das kommende Studienjahr drängen, die nervös auf ihre Aufnahmeprüfungen warten. Viele schleppen überdimensionale Mappen mit ihren Kunstwerken mit sich herum. Sie träumen davon, in einem der acht Studiengänge Bezalels zu lernen: Bildende Kunst, Fotografie, Architektur, Keramik und Glas, Visuelle Kommunikation, Schmuck und Mode, Produktdesign und Videokunst.
In etwa fünf Jahren will Bezalel vom peripher gelegenen Berg Scopus auf einen neuen Campus im Herzen Jerusalems umziehen, der maßgeschneidert für die Bedürfnisse der Hochschule ist. «Unsere Studenten brauchen das pralle Leben in der Stadt als Inspiration», sagt Sperber. Die Ausschreibung für den Entwurf des neuen Gebäudes hatte ein deutsch-türkisches Architektenteam gewonnen: Aysin Ipekci und Cem Yurtsever (Köln/Istanbul).
Besonders stolz ist Bezalel auf seine Weltoffenheit. Seit zwei Jahren ist die Vorsitzende der Studentenunion eine israelische Araberin, die Modedesign studiert. Marwat Hakusch hat in dem Gebäude der Kunsthochschule ihr eigenes kleines Büro. Die junge Frau, die von dem Studentenkorps gewählt wurde, trage eine besondere Verantwortung, erklärt ein Sprecher von Bezalel. In der Hochschule gebe es einen regen Austausch zwischen Studenten verschiedenster religiöser und ethnischer Herkunft, sagt Sperber. «Hier studieren jüdische Siedler zusammen mit israelischen Arabern, es wird viel diskutiert.»
Die Universität nimmt jährlich auch etwa 100 Austauschstudenten aus aller Welt an, davon gegenwärtig 19 aus Deutschland. Im Gegenzug werden hundert Israelis in alle Welt verschickt - am liebsten allerdings nach Berlin. Dem deutschen Austauschstudenten Jungwirth gefällt überraschenderweise besonders die Disziplin, die er als strenger als in Deutschland empfindet. «Ich denke, dass sie alles sehr ernst nehmen. Davon bin ich eigentlich am meisten begeistert», sagt der 27-Jährige. «Auch solche Sachen wie dreimal nicht da sein und der Kurs ist nicht bestanden. Ich finde das gut, weil man es dann nicht so schleifen lässt.»
Seine deutsche Kommilitonin Alina Goldberg aus Berlin, die in Bezalel Trickfilm studiert, ist besonders von der Gastfreundschaft angetan. «In jedem Kurs setzt sich irgendjemand neben uns und übersetzt freiwillig alles ins Englische. Und das sind dreistündige Kurse», sagt die 22-Jährige. Die israelischen Studenten seien extrem hilfsbereit. Die beiden Deutschen sind seit Februar in Israel und wollten eigentlich nur ein halbes Jahr in Bezalel bleiben, erwägen jetzt aber eine Verlängerung. «Die Atmosphäre ist so angenehm, besonders gefällt mir, dass die Leute einem auf der Straße direkt in die Augen sehen», sagt Goldberg.
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