| Bis an die «Grenzen des Herstellbaren»: Bildhauer Lechner wird 85 Von Frederik Obermaier, dpa |
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| Donnerstag, 15. April 2010 um 19:20 Uhr | ||
Ingolstadt/Obereichstätt (dpa/lby) - Mit seiner Kunst geht er an Grenzen - an die Grenzen des Vorstellbaren, aber vor allem an die «Grenzen des Herstellbaren»: Alf Lechners Material ist der Stahl, ein Werkstoff dreimal so schwer wie Stein. Um ihn zu bezwingen, braucht Lechner riesige Walzen, Kräne und hydraulische Pressen. An diesem Samstag wird der Stahlbildhauer 85 Jahre alt. Zwar war er ein Späteinsteiger - erst im Alter von 43 Jahren stellte er seine erste Skulptur öffentlich aus -, doch Lechner zählt heute zu den bedeutendsten Vertretern seiner Zunft.
Lechner kam am 17. April 1925 in München auf die Welt. Bereits mit 15 Jahren nahm er Unterricht bei dem Landschaftsmaler Alf Bachmann - seinem «Vorbild, als Künstler und als Mensch», wie Lechner heute sagt. Nach dem Abitur wurde Lechner zur Kriegsmarine eingezogen - «und da kam ich auf den Stahl als unheimlich zuverlässiges Material - und er hat mich nicht mehr losgelassen».
Nach dem Zweiten Weltkrieg verdiente der gelernte Schlosser jedoch seinen Lebensunterhalt zunächst als Industriedesigner. Seine ersten abstrakten Stahlskulpturen fertigte er quasi im Nebenberuf. Erst als er - unter anderem mit der Erfindung einer Kaltlichtlampe für die Zahnmedizin - genügend Geld verdient hatte, wagte er den Sprung in die freie Künstlerexistenz. Auf seine erste Ausstellung im Jahr 1968 folgten schnell weitere Aufträge und positive Kritiken. Schon bald wurde er in einem Atemzug mit dem Spanier Eduardo Chillida und dem Amerikaner Richard Serra genannt.
1999 gründete Lechner seine eigene Stiftung, ein Jahr später bekam er in Ingolstadt sein eigenes Museum. Einige Kilometer weiter, im Altmühl-Dörfchen Obereichstätt, schuf er sich zusammen mit seiner Frau auf dem Gelände eines früheren fürstbischöflichen Eisenhüttenwerks sein künstlerisches Altersrefugium mit imposantem Skulpturenpark.
Lechners Kunst lebt von seiner Liebe zum Stahl und seiner Leidenschaft für dessen Formung. Seine Skulpturen, so schreibt der Kunsthistoriker Manfred Schneckenburger, gehen aus der «Verbindung chthonischer Urgewalten mit geistiger Bewältigung» hervor. Denn Lechner will formen und verformen. «Meine Kunst geht einher mit der technischen Entwicklung der Industrie», sagt er selbst.
Er lässt Stahl bersten und splittern, er zersägt, staucht und faltet ihn - kurzum: er bricht seinen Widerstand. Heraus kommen Skulpturen, die von einfachen Formen und großer Spannung geprägt sind. Trotz ihres gewaltigen Gewichts wirken sie leicht und elegant. Sie sind Sinnbild von Lechners erklärtem Lebensziel, der Einfachheit. Auf eine nachträgliche Behandlung des Materials verzichtete er schon bald, die Arbeitsprozesse sollen sichtbar bleiben. Auch Rost stört Lechner nicht - im Gegenteil: «In den Dimensionen, ich denen ich arbeite, ist Rost nichts Zerstörerisches, sondern eine sehr ästhetische Oberfläche.»
Die Skulpturen des vielfach ausgezeichneten Künstlers zieren heute das Maximilianeum, die Alte Pinakothek und den Flughafen in München. Sie stehen aber auch beispielsweise im saudi-arabischen Riad vor der King-Saud-Universität. Leicht konsumierbar sind sie nicht - ihr tieferer Sinn erschließt sich nicht jedem Betrachter. Dies sei eine logische Konsequenz aus der provozierenden Einfachheit von Lechners Werken, befand einmal Dieter Honisch, der damalige Direktor der Berliner Nationalgalerie: «In einer Welt, die voller Botschaften, Mitteilungen, Bilder und Symbole ist, muss die karge Sprache seiner Arbeit befremden.» Lechner selbst will seine Werke auch gar nicht interpretieren: «Die Skulpturen sind, was sie sind, das ist das Wichtigste.»
Anlässlich seines Geburtstags eröffnet Lechner am 25. April in seinem Museum die Ausstellung «Diagonale». Sie thematisiert die Diagonale im zwei- und im dreidimensionalen Raum, aber auch die Rückkehr Lechners zu seinen Wurzeln - zum Papier. So werden neben Stahlarbeiten aus den Jahren 1979 bis 1984 auch Flächenkonstruktionen aus Stahl und Papier gezeigt.
Internet: www.lechner-museum.de
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