| Zurück aus Amerika: Düsteres und Heiteres von Neo Rauch Von Sophia-Caroline Kosel und Britta Schultejans, dpa |
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| Montag, 19. April 2010 um 07:05 Uhr | ||
Leipzig (dpa) - Normalerweise hängen sie in Privathäusern in New York, London, Miami oder Honolulu. Zum 50. Geburtstag ihres Schöpfers Neo Rauch sind die Gemälde nun in riesigen Kisten nach Deutschland zurückgekehrt. Je 60 Werke, die der Malerstar in den vergangenen 17 Jahren schuf und die ihm - vor allem von Amerikanern - für hübsche Summen aus den Händen gerissen wurden, sind größtenteils erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen. Zum Geburtstag am Sonntag öffnet ein Teil der Doppel-Retrospektive im Leipziger Bildermuseum, am Montag der andere Teil in Münchens Pinakothek. Der Maler selbst zeigt sich von der «massiven Anballung von Bildern an zwei Orten» stark beeindruckt.
Zunächst überrascht in den verwinkelten Räumen im Souterrain des Leipziger Bildermuseums nichts: Auf den riesigen Rauch-Werken tummeln sich Männer in Arbeitskleidung oder Frack und Zylinder und Frauen in farbenfrohen Kleidern; meist ergänzt um surreale Details und überwiegend vor tiefdunklem oder purpurrotem düsterem Himmel. Für solche Szenarien ist Rauch berühmt. Dazwischen hängen kleine Bilder mit kargen, realistischen Szenen.
«Der Dörfler» (2009) etwa ist ein Mann in Arbeitskluft, der eine alte Maschine säubert - auf der rechten Bildhälfte. Links davon befinden sich ein Bauernhaus und ein Schuppen. Für den Leipziger Künstler ungewöhnlich sind auch «Sonntag» und «Mittag» (beide 1997): Die von hellblauem Himmel dominierte Szenerie wirkt unbeschwert. «Ich kann eine bügelnde Hausfrau so malen, dass ein sentimentales Rührstück draus wird - oder so, dass die Dämonie des 20. Jahrhunderts zum Ausdruck kommt», sagt der Künstler.
In München zieren drei riesige, meterhohe Gemälde den ersten Raum - eins in rot, eins in gelb, eins in blau; obwohl Kurator Bernhart Schwenk sich im Wettbewerb mit Leipzig bewusst eher für kleinere Bilder entschieden hat. «Ich wollte einen Auftakt haben, den man nicht mit Neo Rauch in Verbindung bringt», sagt Schwenk. «Rauch selbst hätte diese Bilder sich so wahrscheinlich nie zusammen vorgestellt.»
Ob an Pleiße oder Isar: Für beide Museen ist die Retrospektive das Ereignis des Jahres: Schon in der Woche vor der Ausstellungseröffnung tummelten sich Sammler und Journalisten in der Münchner Pinakothek der Moderne. «So in dieser Form habe ich das noch nie erlebt», sagt die Museumssprecherin. In Leipzig wurde bereits die Ankunft der Bilder-Kisten groß gefeiert.
Der pressescheue Rauch ist in Leipzig von Kameras so umgeben, als wäre er Fußballnationaltrainer oder Bundeskanzler. «Ich will versuchen, unter Dauerfeuer konsequente Gedanken zu entwickeln», sagt er bei dauer-klickenden Kameras. «Wie kein anderer Maler Ihrer Generation gelten Sie international als Ausnahmekünstler, als gefeierter Weltstar, Wegbereiter und Leitfigur der Furore machenden "Neuen Leipziger Schule"», schrieb Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) in seinen Geburtstagsglückwünschen an Rauch.
Internet: www.neo-rauch.com
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