| Kulturhauptstadt an der Ruhr sagt «Goede dag» Von Gerd Korinthenberg, dpa |
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| Freitag, 23. April 2010 um 06:36 Uhr | ||
Düsseldorf/Essen (dpa/lnw) - Pécs in Ungarn und die Bosporus- Metropole Istanbul sind in diesem Jahr die Partner des Ruhrgebiets als Kulturhauptstädte Europas. Doch das Programm der Ruhr-Kultur klingt weder Türkisch noch Ungarisch: Direkt vom Nachbarn, aus den Niederlanden, kommt die mit Abstand größte Auslandsbeteiligung bei dem ehrgeizigen Kunstfest im ehemaligen «Kohlenpott». Mindestens an 150 Projekten der Ruhr2010-Veranstaltungen in 53 Städten sind Kulturschaffende aller Sparten aus den Niederlanden beteiligt, zählte das Generalkonsulat des Königreichs in Düsseldorf.
Die Palette reicht von Designern, Architekten und Modemachern über Maler und Tänzer bis zu klassischen Orchestern, deren Gastspiel an der Ruhr sich die Niederländer einen Gesamtetat von 1,4 Millionen Euro kosten lassen, schildert Inez Boogaarts als Kulturattaché des Generalkonsulats. «Und vielfach ist der Ruhr2010-Auftritt ein Impuls für eine intensivere Zusammenarbeit in den kommenden Jahren», sagt die Expertin.
Zu bieten hat das kulturelle Export-Programm von «NL-Ruhr», das ab Anfang Mai richtig in Schwung kommt, jede Menge Originelles - ganz so, wie man es von den individualistischen Niederländern erwarten darf. Selbst Gäste im Revier, kreieren sie die Reihe «GastGastgeber» und laden bis Oktober zur Übernachtung an ausgefallenen Orten. Für das coole Ambiente im Bahnhofsturm von Oberhausen sorgen dabei etwa die holländischen Top-Designer Jurgen Bey und Gilian Schrofer.
«Trekhaak gezocht» heißt es bei dem Musiker Tjerk Ridder aus Utrecht. In feiner Selbstironie ist er seit Januar mit seinem Wohnwagen als dem bespöttelten «typischen» Niederländer-Vehikel über Pécs und Istanbul in Europa unterwegs - allerdings ohne Auto. Stets suchen er und seine Hündin Dachs willige «Schlepper» für den Weg an die Ruhr: «Es ist Wahnsinn, welche Hilfsbereitschaft er weckt», weiß Kulturattaché Boogaarts.
Wenn sich für den Sommer 30 «Büdchen» im Revier zu Design-Kiosken verwandeln, sind natürlich die Niederländer wieder die größte Teilnehmer-Gruppe und ebenso selbstverständlich wird der langjährige künstlerische Direktor der Nederlandse Opera Amsterdam, Pierre Audi, Hans Werner Henzes neues Musiktheater «Gisela» am 25. September in Gladbeck zur Uraufführung bringen. Rund 85 Millionen künstliche Grashalme sprießen auf dem in den Niederlanden ausgetüftelten Kunst- Rasen, der ab 1. Juli in Essens City zum Picknick einlädt und auch zur Bühne für zeitgenössischen Tanz made in NL werden soll.
Dass es in einem vielfach dem Meer abgerungenen Land gerade auch um die Gestaltung von Landschaft geht, zeigt nicht nur eine Ausstellung mit niederländischer Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts in Bochum oder ein Fach-Symposium zur Umnutzung von Industrie-Brachen und Entwicklung von Wasserlandschaften. Künstler aus den Niederlanden beteiligen sich mit fantasievollen Brücken- Projekten und Gartengestaltungen auch an der «Emscherkunst», dem größten Kunstvorhaben der Kultur-Kapitale. So ganz nebenbei geben sie den östlichen Nachbarn dabei eine Lehrstunde in der für ihr Land so kennzeichnenden zeitgemäßen Verschmelzung von Kunst, Design und Architektur.
Allerdings ist es nicht nur die reine Freude an der Kunst, die viele offizielle Städtevertreter aus dem Nachbarland in den kommenden Wochen an die Ruhr treibt. Mehrere niederländische Städte oder Kommunen-Kooperationen möchten sich nämlich um die Kulturhauptstadt- Ehren für 2018 bewerben, weiß das Generalkonsulat: «Und die verfolgen genau, was im Ruhrgebiet passiert.»
Internet: www.nl-ruhr.de
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