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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Große Kirchner-Retrospektive im Städel Von Inga Radel, dpa (Mit Bild) PDF Drucken E-Mail
Freitag, 23. April 2010 um 06:36 Uhr

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Frankfurt/Main (dpa) - Drei kurios anmutende braune Pappen, darauf aufgeklebt Kirchner-Gemälde-Kopien in DIN-A4-Format. Wegen des Flugverbots verpassten einige Leihgaben am Donnerstag die Eröffnung der großen Kirchner-Retrospektive im Frankfurter Städel, der ersten in Deutschland seit 30 Jahren. «Die Aschewolke suchte auch uns heim», sagte Städel-Leiter Max Hollein galgenhumorig. Vermisst wurden etwa noch «Das Soldatenbad» aus dem New Yorker Guggenheim Museum und aus Stockholm «Marcella». «Bis Mittwoch dürften aber alle Werke hängen», versprach Hollein. Die Werkschau des großen Expressionisten Ernst Ludwig Kircher (1880-1938) läuft von diesem Freitag bis zum 25. Juli.

 

Ein Beinbruch sind die Verspätungen nicht, denn insgesamt sind rund 180 Gemälde, Skulpturen und Papier-Arbeiten Kirchners zu sehen - darunter einige seiner weltberühmten «Straßenszenen» wie «Die Straße» (1913) aus dem Museum of Modern Art in New York. Auf die im Februar mit einem Besucherrekord zu Ende gegangene «Botticelli»- Ausstellung folgt die nächste «Blockbuster»-Schau im Städel. Sie wird nur im Ausstellungsgebäude gezeigt, das Haupthaus ist im Zuge des großen Erweiterungsumbaus geschlossen. Wegen des zu erwartenden Andrangs hat Hollein für die Zeit ab Juni bereits die Öffnungszeiten erweitert.

 

Das Städel bietet sich für ein solches Kirchner-Projekt aber auch an. «Ich staune über die Kraft meiner Bilder im Städel», notierte der in Aschaffenburg geborene Künstler 1925 in einem Tagebuch. Das Städel hatte 1919 als eines der ersten Museen Kirchner-Werke gekauft. Heute besitzt es mit allein 15 Gemälden eine der bedeutendsten Sammlungen des Gründungsmitglieds der Künstlervereinigung «Brücke». Diese verdankt es vor allem dem Nachlass des Frankfurter Kunstsammlers Carl Hagemann. Er war Kirchners Mäzen und einer seiner wenigen Vertrauten.

 

«Kirchner war eine hochkomplexe, egozentrische Person und ein hochsensibler Künstler», sagt Hollein über Kirchner, der sich 1938 bei Davos mit zwei Schüssen ins Herz das Leben nahm. Kirchners Selbstinszenierung als Künstler ist Ausgangspunkt der Schau, wie Kurator Felix Krämer sagt. Der erste Raum zeigt einen Zitate-Teppich. Krämer: «Er war sehr wortmächtig, er hatte aber einen ambivalenten Umgang mit der Wahrheit.» Unter einem Pseudonym foppte Kirchner die Öffentlichkeit als sein eigener Kritiker, pochte schon damals auf das Urheberrecht bei seinen Werken. Journalistische Texte verlangte der Exzentriker Kirchner gern vorab und redigierte dann heftig rein.

 

Legendär ist auch sein gnadenloses Vordatieren. «Er wollte immer der Erste sein», sagt Krämer. Auf die Zitate folgt ein ganzer Raum mit Selbstporträts, dann geht die Ausstellung chronologisch vor, beleuchtet das Frühwerk, die expressionistischen Werke der Dresdner Jahre und auch Kirchners Wechsel nach Berlin. Mit eckigen, spitzen Formen, überlangen Körpern und giftigen Farben illustrierte er die nervöse, pulsierende Großstadt und aggressive Begegnungen zwischen Huren und Freiern - die «Straßenszenen» gelten als Krönung seines Schaffens. Erstmals seit 1933 ist auch das monumentale Triptychon «Die Badenden» mit Leihgaben aus Privatbesitz, dem Kirchner Museum Davos und der National Gallery Washington wieder zusammengeführt.

 

Es geht chronologisch weiter: Kirchners Erschütterung über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, Erholungsaufenthalte in Sanatorien im Taunusort Königstein und ab 1917 bis zu seinem Tod dann in Davos. Zwei Punkte hebt Krämer hervor: Dass Kirchners oft noch verkanntes Spätwerk ab Mitte der 1920er Jahre in einer Retrospektive einen angemessenen Platz verdient. Der Betrachter wird dort einer völlig gewandelten, von Rosa-, Braun- und Lavendeltönen bestimmten Farb- Palette ausgesetzt. Und: Dass Kirchner bei rund zehn Prozent seiner Bilder die Rückseiten bemalte, die zum Teil bis heute unentdeckt geblieben sind. Krämer: «Wohl aus Geiz, denn er hatte genug Geld.»

 



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