| Museum: Müssen alte durch neue Kunst befragen |
|
|
|
| Samstag, 24. April 2010 um 06:55 Uhr | ||
Karlsruhe (dpa/lsw) - Grünewald und Dürer aus der Gitterperspektive? Ginge es nach der Karlsruher Museumsleiterin Pia Müller-Tamm, müssten alte Sammlungen häufiger auf solch mutige Installationen und moderne Skulpturen zurückgreifen. Damit könnten neue Zielgruppen erschlossen und die Kunst aus anderen Blickwinkeln entdeckt werden. «Klassischen Häusern bietet die Zusammenarbeit mit jungen Künstlern die Gelegenheit, einen Schritt in die Gegenwart zu tun», sagte die Direktorin der Staatlichen Kunsthalle der Nachrichtenagentur dpa. Die Häuser müssten versuchen, Anschlüsse anzubieten, ohne das Erforschen der alten Meister zu vernachlässigen, sagte Müller-Tamm, deren Karlsruher Haus derzeit mit einer Arbeit des polnischen Künstlers Miroslaw Balka überrascht.
Balka hat dabei einen Parcours wie einen Käfig in die Räume integriert. Der Besucher betrachtet die Kunstwerke aus dem vergitterten Gang heraus und somit aus der Entfernung. Er wird dadurch einem bestimmten Wegesystem unterworfen, aber es gibt auch Stationen, an denen der Besucher «umsteigen, aus- und einsteigen» kann. «Selbst gefangen in gitterartigen Räumen, muss er die Kunst, sonst eigentlich das Schauobjekt, nun selbst wie ein Zur-Schau- Gestellter beobachten», erklärt Müller-Tamm die Großinstallation, der weitere Auftritte zeitgenössischer Künstler in der Kunsthalle folgen sollen.
Müller-Tamm, seit dem vergangenen Jahr in Karlsruhe im Amt, will künftig häufiger sogenannte Dialog-Ausstellungen präsentieren, bei denen sich ein zeitgenössischer Künstler mit den traditionellen Beständen der Karlsruher Sammlung beschäftigt. «In klassischen und konservativen Häusern wird es wichtig sein, dass alte durch neue Kunst befragt wird, dass die Anschauung auf die Gegenwart bezogen wird.» Deshalb könnten die Energien heute schaffender Künstler auch Museen mit eher traditionellen Sammlungen zugutekommen.
Für Müller-Tamm gleicht dieser Einstieg moderner Kunst in alte Sammlungen einem Balanceakt, bei dem keine Besuchergruppe vor den Kopf gestoßen werden sollte: «Für junge Menschen sind unsere Bilder fremd, sie bleiben bei klassischer älterer Kunst zunächst auf Abstand.» Die Werke besäßen eine nicht mehr entschlüsselbare Ikonographie. Zum anderen aber könnten ältere Kunstfreunde auf diesem Wege auch an moderne Kunst herangeführt werden, die ebenfalls für viele nicht leicht verständlich seien. «Wir haben also in den Museen auch die Aufgabe, jüngere und ältere Arbeiten zusammenzubringen.»
|
























































