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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Blick in den Abgrund nur mit Worten von Nikolaus Dominik, dpa PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 29. April 2010 um 07:03 Uhr

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München (dpa) - Die Musik des 33-jährigen Philipp Maintz hat beim Auftakt der 12. Münchner Biennale für neues Musiktheater einen starken Eindruck hinterlassen. Seine Oper «Maldoror» nach Texten des französischen Dichters Isidore Ducasse alias «Comte de Lautréamont» entfaltet am Dienstagabend eine intensive Klangfläche, flimmernd, polyphon, sich immer wieder in Schlagwerk-Eruptionen steigernd, ohne sich vordergründig in Effekten zu erschöpfen. Die drei Singstimmen der Hauptdarsteller fügen sich logisch in diese Klangvielfalt. Hervorragend die Sopranistin Marisol Montalvo mit einem wunderbaren Stimmspektrum und reinem Ton.

 

Es geht in dieser Oper in sieben Bildern um das Böse, Abgründige und Zerstörerische im Menschen. «Da du mich zurückweist, werde ich dich weinen machen und mit den Zähnen klappern lassen wie ein Gehängter», deklamiert Maldoror (Martin Berner) im vierten Bild zu einem unschuldigen Kind, das sich gegen das Böse wehrt. Konsequenterweise wird es von Maldoror dafür getötet. Die Motive hat Librettist Thomas Fiedler aus dem 250 Seiten starken Werk des französischen Dichters herausdestilliert, die Maintz handwerklich überzeugend in Musiksprache umsetzt.

 

Die Bühne dazu ist ein riesiger Hamsterrad-Käfig, in dem die Protagonisten versuchen, den Blick in den Abgrund, das menschliche Chaos und die Entfesselung des Bösen zu vergegenwärtigen. Dabei läuft der Original-Text ständig über die Szenerie und gibt der Inszenierung (Georges Delnon und Jochaim Rathke) eine kühle ästhetische Note, die sich zum Ende im Symbolischen erschöpft. Die dramatische Entfaltung der sehr abstrakten Handlung bleibt weit hinter der Dynamik der Musik zurück, ist allzu statisch und erstarrt zu schwarz-weiß Bildern.

 

Der fulminante Schluss, wenn Maldoror seinen Schöpfer, den Dichter Lautréamont (Otto Katameier), im Kampf besiegt und ihm das Herz aus der Brust reißt - «Du hältst in deinem unruhigen Schnabel ein zuckendes Herz» - wird mit einer kurzen Kampfgeste nur angedeutet. Der Sopran singt dazu den verklingenden Abgesang: «Dein perverses Schicksal erfülle sich!» Das Sinfonieorchester Aachen unter Marcus R. Bosch bewältigte die schwere Partitur der Oper bravourös. Starker Beifall im nicht ausverkauften Münchner Prinzregententheater.

 

Die 1988 vom Komponisten Hans Werner Henze gegründete Münchner Biennale dauert bis zum 12. Mai. Drei weitere Opern-Uraufführungen stehen auf dem Programm neben Orchesterkonzerten mit zahlreichen Uraufführungen internationaler junger Komponisten. Die künstlerische Leitung liegt bei Peter Ruzicka, der von 2001 bis 2006 die Salzburger Festspiele geleitet hat.

 

 

http://www.muenchnerbiennale.de

 



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