| Gothaer Ausstellung zu Anatomie und Kunst |
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| Donnerstag, 29. April 2010 um 07:03 Uhr | ||
Gotha (dpa/th) - Wie Anatomie zur Kunstform wurde ist ab 16. Mai in einer Ausstellung in Gotha zu besichtigen. Unter dem Motto «Gotha geht unter die Haut» werden bis zum 24. Oktober im Schlossmuseum ungewöhnliche Exponate zur Geschichte der Anatomie gezeigt, kündigte die Stiftung Schloss Friedenstein am Mittwoch an. Mittelpunkt der Schau ist ein Seziertisch, der im 18. Jahrhundert wahrscheinlich in einem «Anatomischen Theater» stand. «In solchen Theatern bezahlte das Bürgertum Eintritt, um sehen zu können, wie ein Mensch seziert wird», erklärte Marco Karthe von der Stiftung. Derzeit wird der Tisch restauriert.
«Die Ausstellung soll die enge geschichtliche Verbindung zwischen Anatomie und Kunst deutlich machen», sagte Karthe. Bis ins 19. Jahrhundert seien die Bereiche nicht so getrennt gewesen, wie man heute denken könnte. So habe das Gothaer Museum bereits 1723 aus künstlerischen Aspekten das menschliche Präparat eines 12-jährigen Mädchens gekauft. Bei dem Präparat, das auch ausgestellt wird, wurden die Blutgefäße und Muskelstränge sichtbar gemacht. Ein weiteres zentrales Ausstellungstück ist der sogenannte »Muskelmann», eine Plastik des französischen Bildhauers Jean-Antoine Houdon, die den Muskelapparat des menschlichen Körpers zeigt.
Neben der Geschichte will sich die Ausstellung auch der Frage widmen, wie weit anatomische Kunst gehen darf, ohne moralische Grenzen zu überschreiten. «Es war vor 200 Jahren völlig normal, dass es öffentliche Sezierungen gab und das alle Künstler sich als wichtiges Hauptfach mit Anatomie beschäftigten», sagte Karthe. «Jede Stadt, die wissenschaftlich etwas auf sich hielt, hatte außerdem ein Anatomisches Theater.»
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