| Zwickau bringt Schumann und Moderne zusammen Von Claudia Drescher, dpa |
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| Donnerstag, 05. August 2010 um 07:57 Uhr | ||
Die Zwickauer Kunstsammlungen versetzen Robert Schumann ins Jetzt und Hier. In der Sonderausstellung «Seit ich ihn gesehen» tritt der berühmteste Sohn der Stadt in Musikvideos auf und beweist, dass selbst Tango zu ihm passt.
Zwickau (dpa/sn) - Wie modern kann jemand sein, der vor 200 Jahren geboren wurde? «Sehr! Er kann es zum Star auf YouTube schaffen», sagt Janet Grau. Sie muss es wissen. Die Video- und Performancekünstlerin ist dafür verantwortlich, dass sich Robert Schumann (1810-1856) in seinem Jubiläumsjahr unversehens in der Gegenwart wiederfindet. Die gebürtige Amerikanerin hat in den Städtischen Kunstsammlungen Zwickau eine Schumann-Ausstellung konzipiert, die manch eingefleischten Fan des Komponisten sprachlos machen dürfte.
Denn «Seit ich ihn gesehen - Reflexionen zu Robert Schumann in der Kunst» hat mit den üblichen Ausstellungen zum Lebenswerk des berühmtesten Sohnes der sächsischen Stadt herzlich wenig zu tun. Stattdessen können sich die Besucher in einem eigens eingerichteten Jugendzimmer, gemütlich zurückgelehnt in einer Sitzecke, über einhundert YouTube-Clips ansehen, in denen «Robert Schumann Superstar» wahlweise von U2 interpretiert wird oder auch von einem texanischen Cowboy.
Die in Dresden lebende Künstlerin ließ sich zudem von historischen Bildpostkarten inspirieren. Dafür hat sie Schüler eines musischen Gymnasiums und des Zwickauer Robert-Schumann-Konservatoriums populäre Schumann-Lieder nachsingen lassen und in acht Musikvideos als Tableaux Vivants, lebendige Bilder, neu inszeniert.
Zusammen mit angehenden Gestaltern eines Beruflichen Schulzentrums in Plauen entstanden Konzertplakate, die vor allem junge Menschen auf Schumann neugierig machen sollen. «Denn diese Frage hat uns die ganze Zeit beschäftigt: Was können wir tun, damit sich auch junge Leute für Schumanns Musik interessieren?» Die Antwort reicht von japanischen Schumann-Mangas bis zum wohnlichen Musikliebhaberzimmer im Nordflügel des Museums, wo der Flügel nicht nur hübsches Ausstellungsstück ist, sondern von den Besuchern benutzt werden soll.
«Die Ausstellung ist in sieben verschiedene Themenräume gegliedert», erläutert Museumschefin Petra Lewey. Im Eingangsbereich, der großen Kuppelhalle, öffnet sich im wörtlichen Sinne der Vorhang für Robert Schumann. Hinter dem schweren Samt stimmen eine Vielzahl von Schumann-Porträts und -Büsten, Plakate und Postkarten auf den romantischen Komponisten ein.
Petra Lewey lädt auch zum Mitmachen ein: «Nach dem Motto "Robert und ich" können sich die Besucher hier mit "ihrem" Robert fotografieren lassen» - und sich auf ungewöhnliche Weise in seine Musik einhören. Denn Janet Grau hat in den vergangenen Monaten Zwickauer nach ihrem Schumannschen Lieblingsstück gefragt und sie es vor laufender Kamera singen und summen lassen.
Wenige Schritte weiter haben die Bildenden Künste ihren großen Auftritt: In den Bereichen Träumerei, Muse(n) und Lieder/Liebe findet sich eine Fülle an Kunstwerken vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, aber auch das Filmplakat von «Träumerei» aus dem Jahr 1944 oder Roy Lichtensteins «The Melody haunts my reverie» reflektieren Schumann in der Kunst. Doch selbst hier überrascht Janet Grau. Denn neben den Hochkarätern finden sich diverse Schumann-Devotionalien vom Sammelteller über Bierkrüge und -deckel, bis hin zu Zigarrenkisten und Kartenspielen.
Auch sonst dürfen die Besucher bis zum 2. November mehr erwarten als fein säuberlich nebeneinander gehängte Bilder. Janet Grau hat historische Tapeten und Ansichten auf Stoffbahnen gedruckt, Schumann- Kissen für eine große Lese-Kuschelecke genäht und eine Atmosphäre geschaffen, die dazu einlädt, länger zu bleiben.
Das will auch das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung erreichen. So sollen unter anderem in der Reihe Kaffee- und Klavierstunde Musikfreunde rund um den Flügel im Musiksalon über (Schumanns) Musik fachsimpeln und selbst musizieren - so wie es früher in den Salons Gang und Gebe war. Während einer Führung mit Janet Grau am 29. August tanzt das Mondstaubtheater Schumanns Kinderszenen und am 29. Oktober beweist der britische Künstler Anthony Howell, dass man zu Schumann sogar Tango tanzen kann.
www.kunstsammlungen-zwickau.de
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